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Endlich locker leben: 30 werden ist hart – 30 sein ist großartig

Der 30. Geburtstag ist für die meisten eine erschreckende Marke. Schuld daran ist man meistens selbst. Denn dahinter wartet endlich ein Leben ohne Angst vor einem Datum.

30 Jahre

Vielleicht geht es nach der 30 ja erst richtig los ...

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So richtig rational erklären lässt es sich wohl nicht, was es mit der 30 auf sich hat. Und doch ist diese Marke offenbar ein ganz besonderer Einschnitt: Über kaum einen Geburtstag wird so viel gesprochen wie über den dreißigsten. Okay, vielleicht noch über den achtzehnten. Und den fünfzigsten. Und, wenn es so weit kommt, den hundertsten. Aber auf jeden Fall rankt sich irgend etwas Besonderes um die 30.

Wie ein Damoklesschwert schwebt die Zahl über den späten Zwanzigern, verhalten raunt man sich Schauergeschichten zu – dass es ab dem 30. Geburtstag abwärts gehe, dass danach die besten Jahre vorbei seien, dass man dann ja endlich erwachsen sein müsse. Ein ungeheurer Erwartungsdruck wird dort aufgebaut. Einer, unter dem man eigentlich nur zusammenbrechen kann.

Was die 30 so schwierig macht: man selbst

Man hätte stutzig werden müssen, dass diese Sprüche eigentlich nur von Gleichaltrigen oder Jüngeren kamen. Wenn es um die überhöhte 30 geht, führen sich 28-Jährige plötzlich auf wie das blühende Leben selbst. Von denjenigen, die es schon auf die andere Seite geschafft haben, kommt zwar der eine oder andere neidische Blick, alles in allem aber, so erzählen sie, sei das mit der 30 gar nicht so schlimm. Wie 20, nur mit Geld, meinte eine Kollegin mal.

Das, was die 30 zu einer so furchteinflößenden Marke macht, sind aber noch nicht einmal die Sprüche von Freunden und Familie. Wie so oft verliert man auch hier zu oft gegen den schwächsten Feind: sich selbst. Man selbst ist es nämlich, der die 30 Jahre mit einer so großen Bedeutung auflädt, dass das eigene Zerschellen daran quasi unumgänglich ist. Es werden To-Do-Listen und Bucketlists geschrieben, mit Dingen, die bis zum 30. Geburtstag abgehakt sein müssen oder zumindest im Gange sein sollen: Beruf, Liebe, Familie, Persönlichkeit, Geld. Muss alles laufen. Ja, es ist unfassbar anstrengend, 30 zu werden.

Ob etwas nun ein Jahr früher oder später passiert – na und?

30 zu sein hingegen ist großartig. Der Moment, in dem die Zwei zur Drei umspringt, löst etwas. Als würde ein Ventil aufgehen, durch das der ganze Druck entweicht. Oder zumindest ziemlich viel davon. Jetzt nämlich ist das Ziel, gewisse Dinge bis zur 30 erreicht zu haben, ohnehin hinfällig. Und das bringt die Freiheit, sein Leben endlich wieder ohne Druck und Zwang aufzuziehen, wie man es in den frühen Zwanzigern getan hat.

Ob man nun ein Jahr früher oder später befördert wird, ob man noch ein bisschen in der WG, die dem Alter nicht angemessen zu sein erscheint, herumgammelt, ist da eigentlich egal. Ob man nun mit 30 oder 31 oder 32 zum ersten Mal nach New York fliegt, auch. Endlich kann das Leben wieder so laufen, wie es eigentlich sollte: heftig, unerwartet, aufregend. Die Dinge passieren dann, wenn sie passieren sollen – und nicht, weil sie irgendeiner Jahreszahl hinterherhecheln.

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