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"Bin ich schön?": Hilfe, die Locken müssen ab! Warum ich mich für einen Kurzhaarschnitt entschied

NEON-Redakteurin Ivy hat ihre Haare für Krebskranke gespendet. Wie sie danach aussieht und wie es ihr dabei ging, siehst du im Video.

NEON-Redakteurin Ivy hat ihre Haare gespendet

Haare machen Leute. Lange dachte ich, ich brauche meine langen roten Locken um ich zu sein. Immer wieder haben mich Menschen auf meine Haarpracht angesprochen und ich fing an, mich auf das Gewuschel auf meinem Kopf zu verlassen: Ich habe einen wichtigen Termin? Haare auf. Date-Night mit dem Partner? Haare auf. Meine Haare wurden mit der Zeit für mich zu einem Schutzschild. Ein Schutzschild, dass meine ungeliebte Akne am Rücken verdeckt, ein Schutzschild, dass das vermeintlich Beste von mir zeigt.

Aber ich bin doch mehr als meine Haare, oder? Also fasste ich den Entschluss: Die Haare müssen ab, zumindest schulterlang. Dann bin ich auf eine Haarspende-Seite gestoßen und war begeistert. Wenn ich sie schon abschneide, dann nicht nur, um mir selbst etwas zu beweisen, sondern auch, um anderen etwas Gutes zu tun: Die Haare werden nämlich verwendet, um Perücken für Bedürftige herzustellen. Das sind meist, so erzählt mir Max Rieswick, der Perückenmacher hinter "haare-spenden.de",  Menschen mit kreisrundem Haarausfall oder Krebspatienten. Echthaar-Perücken können mehrere Tausend Euro kosten und die Krankenkassen übernehmen nur ein Drittel. Da es aber vor allem für junge Patientinnen sehr schlimm sein kann, die eigenen Haare zu verlieren, spendet Max seine bis zu 230 Arbeitsstunden und schenkt Jugendlichen bis 16 Jahren die Perücke. Um aus den Haaren eine Perücke zu machen, benötigt Max Rieswick mindestens 25 cm, aber je mehr desto besser. Außerdem spendet er für Haare über 30 cm den Wert des Zopfes zusätzlich an eine wohltätige Organisation. Das würde für mich schulterlang bedeuten, damit konnte ich leben.

"Du musst doch noch schön sein!"

Der Entschluss war also gefasst: Ich spende meine Haare. Ich glaube, ich muss nicht sagen, dass ich unglaublich aufgeregt war. Aber nachdem ich mit meinem Partner und Freunden darüber geredet habe, machte ich einen Termin beim Friseur. Kurz davor stand auch noch ein Termin für ein Fotoshooting an, für eine Haarstrecke in einer Zeitschrift, wer hätte es gedacht. Ein letztes professionelles Bild mit meiner langen Mähne. Während sich die Stylistin bei dem Shooting begeistert an meinen Haaren zu schaffen machte, erzählte ich ihr von meinem Vorhaben. Sie hielt inne, schaute mich im Spiegel an und sagte: "Aber nicht zu kurz, du musst doch noch schön sein!“ Hat sie das wirklich gerade gesagt? Habe ich hier den letzten Beweis, dass ich die Haare tatsächlich abschneiden MUSS? Ja. Wenn sich Fremde das Recht herausnehmen, meine Schönheit auf meine langen Locken zu reduzieren, dann muss ich es nicht nur mir beweisen, sondern allen anderen. Meine Haare machen mich nicht aus!

Krass! – Mehr konnte ich dazu erst mal nicht sagen

Voller Tatendrang und mit dem Gefühl einen großen Beitrag in der Body Positivity Bewegung zu leisten (ja, etwas pathetisch), den Meinungen der anderen zu trotzen, fuhr ich mit meinem Kameramann also zum Frisör. Sophie Brunner, die Stylistin aus der dritten Folge meines Podcasts "Bin ich schön?",  sollte mich dabei unterstützen und gab mir von Anfang an ein gutes Gefühl bei der Sache. Das wird super, hatte sie mir schon Wochen vorher versichert. Also saß ich ganz schön aufgeregt auf dem Friseurstuhl und wir maßen meine Zotteln ab. Sie waren zu diesem Zeitpunkt 60 cm lang! Und ich dachte mir: "Wenn schon, denn schon! Scheiß auf Schulterlang, wir machen einen Kurzhaarschnitt." Gesagt, getan und ich fühlte mich einfach nur leicht. Mit jedem kleinen Zopf, den wir abschnitten, fiel ein Stück Druck von meinen Schultern. (Das klingt schon wieder wahnsinnig pathetisch, aber der Druck als Frau, lange sinnliche Haare zu haben, ist nicht zu unterschätzen.) Das Resultat war krass, anders kann man es nicht beschreiben. Ich hatte nach Jahren mal wieder einen richtigen Haarschnitt! Und zwar einen, an den ich mich erst einmal gewöhnen musste. Ich fühlte mich der ersten Stylistin zu Trotz immer noch schön, aber einfach anders. Ohrringe mussten her: Ich war schon immer ein großer Fan von auffälligen Ohrringen, aber jetzt konnte man sie endlich sehen. Muschelohrringe, Zitronenohrringe, riesige Kreolen – mein neuer Haarschnitt ist ein Statement und seitdem heißt es für mich: Go big, or go home! 

NEON-Redakteurin Ivy und Stylistin Sophie Brunner mit den abgeschnittenen Haaren.

NEON-Redakteurin Ivy und Stylistin Sophie Brunner mit den abgeschnittenen Haaren.

Darf ich mal anfassen?

Wie würden aber meine Kollege, Freunde und auch mein Partner darauf reagieren? Wie ihr auch im Video sehen könnt, waren die Reaktionen groß. Von "Krass, so kurz!" bis "Geil, darf ich mal anfassen?", war alles dabei. Noch zwei Wochen später, liefen Kollegen an mir vorbei und haben mich nicht erkannt. Meinen engen Freunden fiel vor allem auf, dass ich mich anders bewegte, noch selbstbewusster war. Und dann mein Freund ... Natürlich hätte ich mich auch von ihm nicht davon abbringen lassen, diese Entscheidung in die Tat umzusetzen, aber es ist so unglaublich wichtig, dass wir uns mit Menschen umgeben, die uns unterstützen, die hinter uns stehen, und deshalb war ich schon etwas aufgeregt, seine Reaktion auf den neuen Haarschnitt zu sehen. Direkt nach dem Fiseurtermin habe ich ihm ein Foto geschickt. Seine Antwort: "Stark! Ich bin stolz auf dich!" Und ich war auch stolz auf mich.

Wollt ihr auch eure Haare spenden? Alle Infos findet ihr auf "haare-spenden.de".

Alle Videos und Podcastfolgen vom NEON-Podcast "Bin ich schön?" findest du hier!

NEON: Bin ich schön?

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