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Meinung

"Globuli für alle": Krankenkassen zahlen Fantasie-Medikamente: Muss man das schlucken?

Deutschland und sein Krankenkassen-System: Ob privat oder gesetzlich versichert – hier bekommen wir sogar die Homöopathie bezahlt. Was es damit auf sich hat, kommentiert auch unser Autor: Solange wir uns mit Kügelchen therapieren, kann es uns so schlecht nicht gehen.  

Von Lars Weisbrod

Frau nimmt Kügelchen ein

Die Krankenkassen übernehmen teilweise homöopathische Behandlungen – aber warum eigentlihc? (Symbolbild)

Getty Images

Deutschland ist wie eines dieser Wackelbilder, die früher im Micky-Maus-Heft lagen. Je nachdem, in welche Richtung man das Blatt neigt, sieht man etwas anderes. Entweder die Umrisse des wohlhabenden Deutschlands: die Finanzkrise so toll überstanden, mit Rekord-Steuereinnahmen. Oder aber es erscheint, kippen wir das Bild nach hinten, das arme Deutschland. Abgehängte Menschen vor zugenagelten Häusern in der Uckermark, Großstadtkrankenschwestern, die ihre Miete nicht mehr zahlen können. Statistiken belegen oft nur die Wackelbild-Version, die man am liebsten sieht.

Die Techniker Krankenkasse zahlt ihren Versicherten Homöopathie-Behandlungen

Vielleicht lässt sich die Lage der Republik ja besser einschätzen mithilfe einer neuen Kennzahl, die ich mir ausgedacht habe: der Umsatz von Wirtschaftszweigen, die über keinerlei echte Wertschöpfung verfügen. Die also nur aus purer Lust am Quatsch und am Reichwerden betrieben werden.

Vor einiger Zeit sorgte ein Social-Media-Mitarbeiter der Techniker Krankenkasse für einen kleinen Eklat. Die Techniker Krankenkasse zahlt ihren Versicherten Homöopathie-Behandlungen. Als sie dafür auf Twitter kritisiert wurde, kam als Antwort von der Techniker: "Können sie uns saubere, wissenschaftliche Studien nennen, die die Nicht-Wirksamkeit von Homöopathie belegen?" Konnten die Kritiker natürlich sofort. Der anschließende Shitstorm war verdient. Eine Krankenkasse mit fast zehn Millionen Versicherten und einem Haushalt von 33 Milliarden Euro erkundigt sich im Internet, ob die Medikamente, die sie aus unseren Beiträgen bezahlt, eigentlich nur Quacksalbe sind. Zu einem Chirurgen, der bei gutefrage.net wissen will, ob ihm jemand kurz erklären kann, wie er künstliche Hüftgelenke implantiert, würde ich nicht gehen.

Die Frage ist nicht, ob es Deutschland gut geht, sondern wem in Deutschland es gut geht

So schlecht kann’s also nicht bestellt sein um Deutschland. Während in den USA  Millionen Menschen ihre Healthcare verlieren, für Behandlungen von Magenspiegelung bis Chemotherapie, ist eine gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland stolz da rauf, Fantasie-Medikamente zu bezahlen. 2015 betrug der Umsatz mit Homöopathie-Mitteln hierzulande fast 600 Millionen Euro, beinahe eine Elbphilharmonie. Eine, die nur aus Zucker besteht, und in der man den tollen Klang nur hört, wenn man ganz fest daran glaubt.

Die Frage ist natürlich gar nicht, ob es Deutschland gut geht. Sondern, wem es in Deutschland gut geht. Man muss nur einmal durch die Wohnviertel der Bessergestellten spazieren, von Hamburg-Eppendorf bis München-Haidhausen: Was dem Bahnhofsviertel die Spielothek, ist dem neobürgerlichen Stadtteil die Alternativmedizin-Praxis. In jedem Altbau drei davon.

Ein Weg, den Kunden an sich zu binden

Krankenkassen, so wird vermutet, zahlen Homöopathie nicht aus Überzeugung, sondern um Kunden an sich zu binden, die gesund sind und Geld haben. Und dann sorgen wir uns um die Abstiegsängste der Mittelschicht. Soll die Mittelschicht doch Globuli schlucken gegen ihre Abstiegsängste. Da hilft Google zufolge: Arsen in der Potenz D 12, fünf Globuli, dreimal täglich. Aber vielleicht fragt man vorher lieber noch mal bei der Krankenkasse nach.

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON-Ausgabe 05/2017 erschienen.

Reportage: Junge Menschen mit Krebs

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(