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Intime Einblicke: Geni(t)al abgelichtet – 100 Penisse und ihre Geschichten

Der Penis hat keinen leichten Stand. Gilt der weibliche Körper gemeinhin als ästhetisch, hat das männliche Genital ein Imageproblem. Laura Dodsworth möchte das mit ihrem Buch "Manhood" ändern.

Von David Weinard

Ausschnitt eine nackten Männerkörper

"Jeder Penis erzählt eine Geschichte" – Laura Dodsworth hat sie sich angehört

Dieser Text wurde bereits im Juni auf NEON.de veröffentlicht. Er zählte zu den meistgelesenen Stücken des Jahres. Zum Jahresrückblick spielen wir die besten Artikel in loser Reihenfolge bis zum Ende des Jahres.

"Ich saß in einem Stuhl, sehr nervös, mein Schwanz in der Hand eines Mannes. Eine große Nadel wartete nur darauf, meine Harnröhre zu durchstechen." Ein schwuler Mann erzählt von seinem ersten Intimpiercing. Schwanz und Piercing scheinen den Eingriff gut überstanden zu haben.

Den Schmerz, den man im Foto nicht sieht, beschreibt der 42-Jährige aus seiner Erinnerung. Aufgewachsen in einer Kleinstadt, "in der es keine schwule Szene gab", fühlte er sich als "sexuell Geächteter". Anfangs hatte er noch Sex mit Frauen, bis er sich letztendlich seiner eigenen Sexualität und Männlichkeit bewusst wurde.

Männliche Vielfalt in Reih und Glied

Männliche Vielfalt in Reih und Glied


Männlichkeit neu interpretieren

"Feminismus hat Frauen dabei geholfen, ihre Weiblichkeit neu zu interpretieren, und weibliche Stereotypen einzureißen", schreibt Laura Dodsworth im Vorwort ihres Buches "Manhood". Die Britin findet, dass Männer einen ähnlichen Prozess noch nicht durchlaufen haben, es aber langsam Zeit wird. Das Vorurteil, dass Männer nicht über ihre Gefühle sprechen,versucht sie mit "Manhood" zu durchbrechen. Jeder Penis erzählt eine Geschichte. Hodenkrebs, Impotenz, das erste Mal oder Pornographie sind Themen, die man bei einem Penisbuch erwarten kann.

Darüber hinaus erzählen Männer aber auch von Gott, Alkoholismus, oder einfach nur wie sehr ihnen die Kinder fehlen. Die körperliche Offenheit geht im Buch von Laura Dodsworth Hand in Hand mit emotionaler Öffnung. Eine wichtige Frage liegt allen intimen Geschichten zugrunde: "Was bedeutet es überhaupt, ein Mann zu sein?"


Von Brüsten zu Penissen

War Sie anfangs noch skeptisch, ob Männer über diese Themen mit einer Frau reden würden, war sie am Ende sogar überrascht, wie mitteilungsbedürftig und offen sich ihre Hauptdarsteller zeigten. "Junge Männer erkennen vielleicht ihre eigenen Sehnsüchte und Ängste wieder", und auch Frauen könnten durch das Buch neue Erkenntnisse gewinnen.

In ihrem letzten Projekt hatte Laura Dodsworth noch das andere Geschlecht im Fokus und dafür zwei Jahre lang weibliche Brüste fotografiert. Die Geschichten der dazugehörenden Frauen hat sie 2015 in "Bare Reality: 100 women, their breasts, their stories" zusammengetragen. Ursprünglich war ihr Plan, sich auch danach weiter mit den Geschichten von Frauen auseinanderzusetzen. Als das Buch veröffentlicht war, fühlte sie jedoch den Drang, ein "inneres psychologisches und kreatives Gleichgewicht zu schaffen", und fortan die Geschichten von Männern zu erkunden.

Phallische Vielfalt

 In "Manhood" fällt die phallische Vielfalt auch visuell beeindruckend aus. Alle Größen, Farben, Formen und Frisuren scheinen vertreten zu sein. Selbst ein künstlicher Penis und ein Keuschheitsgürtel sind dabei. Der Mann unter dem Keuschheitsgürtel ist 33 Jahre alt und steht auf Sadomaso-Spielchen. Den Schlüssel zu seinem Genital-Gefängnis besitzt seine Freundin. Es gefällt ihm, die Kontrolle über seine Sexualität abzugeben und in ihre Hände zu legen. Aufgrund seiner "freizügigen Kindheit" sehnen sich "große Teile von ihm nach Disziplin". 

Diskussionen über "Maskulinität, Jungs in der Krise, Selbstmordraten von Männern, das männliche Körperbewusstsein oder Aktivisten für Männerrechte" findet die Autorin und Fotografin spannend. Sie hoffte, in ihrem Buch genau diese Geschichten einzufangen. Letztendlich möchte Laura Dodsworth ihr Buch aber nicht als "Manifest für Männer oder ihre Weltanschauung" verstanden wissen. Aber auch Männer wollen eben manchmal einfach nur reden, selbst mit runtergelassenen Hosen.

"Manhood: The Bare Reality" ist bei Pinter & Martin erschienen. Mehr Informationen zu Laura Dodsworth und ihren Projekten auf ihrer Website.

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