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Hochzeitskatastrophen: Wenn "der schönste Tag im Leben" der schlimmste wird

Auch die sorgfältigste Planung kann es nicht verhindern: Ausgerechnet am Hochzeitstag erleben manche Brautpaare die Hölle auf Erden. Die stern- und NEON-Leser haben uns geschildert, wie es ihnen ergangen ist.

Eine zerstörte Hochzeitstorte mit abgestürztem Brautpaar

Eine zerstörte Hochzeitstorte ist noch lange keine Geschichte: Unsere Leser haben ganz andere Dinge bei ihrer Heirat überstanden

Kaum ein Fest wird so lange und sorgfältig geplant, wie die eigene Hochzeit. Allerspätestens ein Jahr vor dem geplanten Termin geht der Stress richtig los: Die Gästeliste ist erstellt, die Location gebucht und das Essen ausgewählt, doch das sind nur drei Meilensteine von hunderten. Nun folgen all die "Kleinigkeiten", die den "schönsten Tag im Leben" unverwechselbar und ganz besonders machen sollen. Sowohl für das Brautpaar als auch für seine Gäste.

Doch trotz aller Vorbereitung sind es ausgerechnet Hochzeiten, bei denen viel schiefgeht. Als gäbe es im Universum einen Witzbold, der eigens dafür da ist, auf Hochzeiten das "junge Glück" auf die Probe zu stellen. Wir haben unsere Leser gefragt, was sie bei Trauungen erlebt haben – und haben die schrägsten Geschichten zusammengestellt. Bei manchen haben wir uns gewundert, dass die Zeremonie überhaupt noch stattgefunden hat – darüber haben manche Eheleute sogar selbst gestaunt. 

Die Top Five Hochzeits-Geschichten

Karina G. schreibt:

Ich war mal auf einer Hochzeit, auf der es nur vegetarisches Essen gab, weil die Braut Vegetarierin ist und sich das gewünscht hatte. Das Veggie-Buffet war nicht schlecht und von einer super Catering-Firma geliefert worden. Dennoch konnten einige Gäste an diesem einen Abend nicht auf Wurst und Fleisch verzichten: Sie besorgten sich vom Metzger eine riesige Ahle Wurscht (richtig, die Hochzeit fand in Hessen statt) und einen fünf Kilogramm schweren Berg Mett. Und sämtliche Gäste stürzten sich regelrecht darauf. Ich fand es der Braut gegenüber sehr respektlos ...

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DJ Hadley B. Jones schrieb uns:

Ich könnte stundenlang über Hochzeiten erzählen, da ich in den letzten 25 Jahren über 1000 Hochzeiten als DJ begleitet habe.

Das Essen ist grauenhaft

Zunächst kam der Caterer bereits fast eine Stunde zu spät, dann hatte er auch noch die Hälfte vergessen. Er stellte die Essenscontainer einfach im Flur ab und fuhr noch mal weg. Mit zweistündiger Verspätung sollte es dann Essen geben, aber davon war fast alles komplett ungenießbar. Die Semmelknödel waren zu Tennisbällen geworden, der Lachs sah aus wie pulled salmon, das Rotkraut war zu einer rotbraunen Masse verschmolzen. Die Panade der Schnitzel hatte sich im Schwitzwasser komplett zerlegt, die Spaghetti waren zu einer viereckigen Masse verwoben. Das Brautpaar hat dann 75 mal Pizza in den umliegenden Pizzerien geordert!

Dem Brautvater war es zu laut

Der Brautvater hatte mich mehrfach ermahnt, die Musik leiser zu machen, was ich dem Brautpaar mitteilte. Dieses meinte jedoch, ich solle nicht auf den alten Mann hören. Als ich zur Toilette ging, bemerkte ich kurze Zeit später, dass die Musik verstummte, was für einen DJ sehr peinlich ist. Ich konnte aber nichts dafür: Der Brautvater hatte mit einem Messer die Kabel zu beiden Lautsprechern zerschnitten!

Der Schwager flippt aus

Weil ich einen Musikwunsch (Boehse Onkelz) vom Bruder des Bräutigams nicht spielen wollte, hat mich dieser auf der Tanzfläche angegriffen. Da ich 15 Jahre aktiver Kampfsportler war, konnte ich ihm recht schnell klarmachen (mitten auf der Tanzfläche), dass er das lieber nicht getan hätte. Während meiner Abwehrreaktion und dem anschließenden Haltegriff am Boden hatte ich ihm das Handgelenk und mehrere Rippen gebrochen.

Vanessa N. schildert ihre eigene Hochzeit 2012:

Zuerst hat der Brautladen zugemacht, bevor mein Brautkleid angepasst werden konnte. Natürlich war es bereits komplett bezahlt. Nachdem ich dann einen Schneider gefunden hatte, der mir es ändern wollte, hat sich herausgestellt, dass das "maßgefertigte" Kleid total schlecht genäht worden war. Er hat dann das beste daraus gemacht – trotzdem mussten die Ärmel mit zwei Stichen an meine Unterwäsche genäht werden, damit sie nicht herunterrutschten.

Vier Wochen vor der kirchlichen Trauung hat uns der Pfarrer gesagt, das er uns nicht trauen kann bzw. wird, weil mein Mann schon einmal verheiratet war. Zwar nicht kirchlich, aber er stände "in einer Art 'Naturehe' mit seiner Exfrau, weil beide als Heiden geheiratet haben". Die Scheidung hätte für die Kirche nicht stattgefunden.

Zu guter Letzt wurde unsere Hochzeitstorte zwei Stunden zu spät zur Feier geliefert – mit der Begründung, dass wir nicht die einzigen seien, die heiraten. Aber auch das haben wir überstanden und sind seit 5 ½ Jahren glücklich verheiratet.

Nadine K. ist sich sicher, dass ihre Ehe nach dieser Hochzeit ewig halten wird:

Wir hatten lange im Voraus geplant, da wir über eine große räumliche Distanz Entscheidungen treffen mussten und zudem internationale Gäste hatten.

Zuerst sagte uns der Pfarrer, mit dem wir bereits alles besprochen hatten, wegen einer Geschäftsreise nach Polen ab. Wenigstens hatte er für Ersatz gesorgt, dennoch mussten wir uns ja kennenlernen. Das Ganze natürlich erst zwei Wochen vor der Hochzeit.

Dann folgte der Super-GAU. Anderthalb Wochen vor unserem Termin rief die Sekretärin des Barons an, dessen Jagdschloss wir gemietet hatten und fragte, ob ich nicht die Schlüssel holen wolle. Ich stutze einen Moment, da vertraglich festgelegt war, dass wir die Schlüssel am Mittwoch vor der Hochzeit bekommen sollten, es war aber der Mittwoch der Woche davor. Als ich sie darauf hinwies, wurde es plötzlich sehr still am anderen Ende. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam nur ein vorsichtiges "aber sie heiraten doch diesen Samstag, oder?". In meinem Kopf fing sich alles an zu drehen. Mit Verzweiflung in der Stimme hörte ich sie sagen: "Wir haben noch ein Paar auf das Datum gebucht." Ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Der Albtraum einer jeden Braut, die Monate und Jahre mit Planungen verbracht hat. Ich brachte nur ein wütendes "ich melde mich" heraus und legte auf. Dann kam der Urschrei, ich habe mich selbst noch nie schreien hören, aber diese Stimme kam definitiv aus mir heraus. Weinend rief ich meinen Mann an mit der Bitte, dort anzurufen, weil ich nicht mehr konnte.

Nach unzähligen Telefonaten und Treffen fand sich innerhalb von fünf Tagen eine Lösung. Der Baron bot uns sein Schloss an, inklusive Schlossführung von ihm höchstpersönlich. Traumhaft, ohne jeden Zweifel, aber sämtliche Dinge mussten umgeplant werden, von der Deko bis zur Tanzfläche. Es war viel Arbeit. Wenn Sie denken, dass es das schon gewesen sei, lehnen Sie sich zurück, es kommt noch mehr.

Glücklich ob der Lösung des Raumproblems, dachten wir, nach Pfarrer und Location ginge nichts mehr schief. Bis am Abend vor der Feier unser Musiker, für den wir viel Geld bezahlt hatten, absagte. Die Begründung: "Ich schaffe es nicht." Versuchen Sie mal, am späten Abend vor einer Feierlichkeit noch Ersatz zu finden, die Quadratur des Kreises ist einfacher. Das einzige Angebot kam von einem DJ, der unsere missliche Lage zu seinen Gunsten ausnutzen wollte und 650 Euro für 2 Stunden haben wollte. 30 Quadratmeter Tanzfläche auslegt, völlig für die Katz.

Da standen wir nun, am Ende unserer Kräfte, gedemütigt, entmutigt und deprimiert. Es sollte doch eigentlich der schönste Tag unseres Lebens werden. Nach einer komplett schlaflosen Nacht machte ich mich dann morgens auf zum Friseur. Am liebsten hätte ich alles abgesagt.

Schlussendlich wurde die Feier dennoch schön. Unser Caterer stellte eine kleine Anlage auf mit Verbindung zu Spotify auf seinem Privathandy, weil er so großes Mitleid mit uns hatte. Unsere Gäste bemerkten von all dem nichts und waren im Nachgang völlig perplex, als wir die Geschichte erzählten. Wir hatten also alles richtig gemacht. Noch heute, drei Jahre danach, wird unsere besondere Hochzeit immer wieder lobend erwähnt. Ach ja, die Hochzeitstorte war auch optisch misslungen, dafür war sie geschmacklich perfekt.

Janine H. hatte sich ihren Hochzeitstag ebenfalls anders vorgestellt:

Geheiratet haben mein Mann Andreas und ich am 17.10.2014, nach über zwölf Jahren Beziehung. Kennengelernt hatten wir uns über gemeinsame Freunde in unserer Heimatstadt Aachen, aus beruflichen Gründen musste mein jetziger Ehemann dann kurz darauf nach Krefeld ziehen, mein Sohn und ich direkt mit. Nach der Geburt unserer gemeinsamen Tochter stand die Überlegung im Raum, nun endlich zu heiraten. Nach fast vier Jahren Bedenkzeit sollte es dann soweit sein. Gefeiert werden sollte nur im kleinsten Kreis, Trauzeugen mit Familie, meine Eltern, eine familiäre Freundin und von der Seite meines Mannes der letzte lebende Onkel mit Lebensgefährtin. Bis auf zwei Personen alle aus Aachen.

Da es ja eine Feier sein sollte, mit Umtrunk etc., planten meine Eltern die Anreise mit dem Zug, auch Andreas' Onkel Günther mit seiner Lebensgefährtin Elisabeth, da alle aus nahegelegenen Dörfern bei Aachen in einen Zug zusteigen konnten, der in Krefeld halten sollte. Ja, theoretisch. Während ich schon frisiert wurde, mein Mann sich ankleidete und mein Kind von den Trauzeugen bespaßt wurde, klingelte mein Telefon. Daran meine Mutter: "Kind, keine Panik ... wir kommen. Nur halt etwas später."

Was war passiert? Meine Eltern und die Angehörigen meines Mannes waren gestrandet, in Viersen, ca. 30 km vor Krefeld. Knapp eine Stunde vor dem Trauungstermin. Laut Bahn eine nicht näher genannte Störung, alle aussteigen bitte ... 

Knapp zwanzig Minuten vor der Trauung waren dann endlich alle da. Ich öffnete, schon komplett fertig gestylt, im Brautkleid. Als Erstes kam Onkel Günther die Treppe mit den Worten hoch: "Also, Janine, denk dran, dass einer von euch beiden nichts trinken kann, irgendjemand muss uns ja nach Hause fahren!" Im tiefsten Öcher Platt vorgetragen und keinesfalls ironisch gemeint. Kein nettes Wort zu meinem Kleid, kein Hallo – nur das. 

Da war ich schon etwas geknickt, aber meine Mama bemühte sich redlich um gute Stimmung, obwohl auch sie schon reichlich genervt schien. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich ja noch nicht, wie die Taxifahrt verlaufen war.

Geplant war, dass jeder mit seiner Familie in einem Auto fahren sollte. Der Meinung war Onkel Günther allerdings nicht. Mit der Begründung, er käme aus dem tiefliegenden Wagen meines Mannes nicht heraus, bestand er darauf, mit mir zu fahren. Des Weiteren bräuchte er einen Schirm, angeblich wäre Regen angesagt. Also, im Brautkleid Regenschirme suchen und einpacken, Elisabeth und meine Tochter auf den Rücksitz, ab zum Standesamt. Meine Handtasche mit Ausweisen und Ringen bekam meine Mutter im Flur in die Hand gedrückt, ich war schon ziemlich gestresst, immerhin hatten wir noch fünf Minuten bis zum Termin.

Am Standesamt angekommen, bei strahlendem Sonnenschein, aber immerhin mit Schirm, bemerkte ich dann, was ich vergessen hatte – meinen Brautstrauß. Die Trauzeugin opferte sich und jagte mit dem Auto zurück, während wir die Formalitäten mit der Standesbeamtin regelten. Diese fragte nach den Ringen, eigentlich deponiert in meiner Handtasche. Was soll ich sagen? Weg!! Mann und Kind rannten ins Parkhaus, in der Hoffnung, die Ringe eventuell vor, hinter oder unter dem Auto zu finden. Die Chance nutzte meine fast vierjährige Tochter, sich schön auf den Tiefgaragenboden zu knien, im langen Prinzessinnenkleid. Auch mit schwarzen Flecken noch chic.

Allerdings völlig sinnlos, die Ringe blieben verschwunden. Dann heiraten wir halt ohne. Wenigstens der Brautstrauß war mittlerweile da. Und Onkel Günther meckerte wieder: über die Deutsche Bahn, die fehlenden Toiletten am Bahnhof, den fehlerhaften Wetterbericht ... einfach alles blöd. Ich kochte – und wer war schuld? Natürlich mein Mann. 😂  In dieser romantischen Bombenstimmung haben wir uns dann das Jawort gegeben. Wochen später haben wir uns übrigens gesagt, dass wir beide über Flucht nachgedacht haben.

Nach der Trauung ab nach Hause, zum Anstoßen. Es gab nette Gratulationen, Geschenke – und Onkel Günther. Wie er denn jetzt nach Hause käme? Wann der Zug denn wieder führe? Und überhaupt, ob ich nicht mal bei der Bahn anrufen könnte.

Was soll ich sagen? Ich konnte. An meinem Hochzeitstag. Zwei Stunden!! Auf dem Klo, da war es ruhig. Ich und die Kundenhotline der Deutschen Bahn. Die waren da wenigstens nett. Alle gratulierten, es war sehr lustig. Also für meine Gesprächspartner. Für mich nicht so. Nachdem ich dann einen Notfallplan für den Nachhauseweg von Onkel Günther und den restlichen Gästen organisiert hatte, wollten wir geschlossen zum Restaurant fahren. Diesmal wollte ich mit dem Wagen meines Mannes und meinen Eltern fahren, Onkel Günther konnte ich nur noch bedingt ertragen. Meine Mama, und mittlerweile auch die Trauzeugen, redeten immer wieder beruhigend auf mich ein, ich solle bloß nicht weinen ... weil ja Hochzeit und so ...

Die ganze Familie zog sich Jacken an, die Kinder bekamen Schuhe an, es wurde ein bisschen wuselig im Eingang. Elisabeth, Günthers Lebensgefährtin, nutzte die kurze Pause, um es sich gemütlich zu machen – da, wo es den Kinder immer verboten wurde: auf der Lehne meiner sechs Wochen alten Couch.

Naja, was passiert ist? Der klügere gab nach. Die Lehne. Mit Elisabeth. Da lagen sie. In meinem Wohnzimmer. Unabhängig von der Couch, sozusagen. Die war dann erst mal kaputt. Und ich auch. Da kamen dann auch die Tränen, trotz Zuspruchs meiner Eltern.

Nicht dass Sie glauben, dann wäre es schön gewesen. Nein, der bizarre Onkel beschäftigte uns noch den ganzen Nachmittag und Abend, bis nach 22 Uhr. Aber alles aufzuzählen würde noch drei Seiten füllen. Geblieben ist die Erinnerung an einen katastrophalen Tag. Und der Wunsch, irgendwann noch mal zu heiraten – ohne Onkel Günther zu informieren. Seit dem Tag lasse ich mich am Telefon verleugnen und vermeide tunlichst jeden Besuch. Natürlich tut es mir leid für meinen Mann, es ist sein letzter lebender Verwandter, aber ich kann ihn nicht mehr sehen. 

Mittlerweile kann ich ein kleines bisschen darüber lachen, aber eben nur ein bisschen. Ich hoffe, wenigstens Sie konnten sich ein bisschen amüsieren, den meisten gefällt die Geschichte ausnehmend gut. Nur mir halt nicht. Wobei ich sie bestimmt auch lustig gefunden hätte, bei jemand anderem. Weit weg ... auf dem Mond oder so.  

Kleiner Nachtrag. Auf unsere besorgte Frage hin, was denn nun mit den Eheringen passiert sei, antwortete Janine: Tatsächlich haben wir die Ringe im Auto gefunden, unter dem Sitz. Meine Mutter hatte kontrolliert, ob wenigstens die Ausweise da waren, wo sie sein sollten, dabei sind sie wohl herausgefallen.

Wenn auch ihr eine besonders "ereignisreiche", eher schreckliche Hochzeit hattet, schreibt uns eine E-Mail an leseraufruf@stern.de und in die Betreffzeile das Stichwort "Hochzeit". Wir veröffentlichen die schaurig-schönsten eurer Geschichten!


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