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Laurie Penny: Warum Frauen als Single besser dran sind

Die britische Journalistin und Feministin Laurie Penny vertritt eine steile These: Heterosexuelle Frauen erreichen mehr, wenn sie ihre Zeit und Energie nicht an eine Beziehung mit einem Mann verschwenden. So manchem Mann gefällt das nicht.

Ein junger Mann fährt Rad, auf dem Gepäckträger sitzt eine junge Frau

Wenn eine Beziehung junge Frauen die Energie kostet, sich um ihre eigenen Interessen zu kümmern: einfach lassen!

Sie wird in ein paar Tagen 31 Jahre alt und blickt zurück auf die Zeit davor: Laurie Penny, eine der wichtigsten Feministinnen der Gegenwart, ausgezeichnete Autorin diverser Bücher, Kolumnistin und Reporterin für den britischen "Independent" sowie freie Journalistin für den "Guardian", "The Times" und andere, erklärt, warum sie froh ist, lange Single gewesen zu sein. Penny stellt darin die These auf, dass es für ihre persönliche und berufliche Entwicklung förderlich war, sich als junge Frau nicht mit einem unreifen Mann aufzuhalten – weil sie so ihre eigenen Ziele verfolgen konnte. Der Auszug aus ihrem jüngsten Buch "Bitch Doktrin" (Essays für andersdenkende Erwachsene), der im australischen "Sydney Morning Herald" veröffentlicht wurde, bewegt aktuell die Gemüter – die von Männern durchaus kritisch. Wir übersetzen ein paar Absätze daraus und zeigen die Reaktionen darauf:

Laurie Penny lächelt in die Kamera

Laurie Penny beschäftigt sich vorrangig mit den Themen Feminismus, Popkultur und Politik. Sie widmet sich auf unterhaltsame Art unbequemen Themen – und hat allein bei Twitter 171.000 Follower.

Ich glaube, dass es für Frauen normalerweise besser ist, Single zu sein. Insbesondere für junge Frauen. Vor allem für heterosexuelle junge Frauen. Nicht nur "in Ordnung", nicht nur "erträglich" – wirklich besser. 

Ich war die meiste Zeit in meinen Zwanzigern Single, manchmal freiwillig, manchmal weil ich mich mit Männern traf, aber keinen finden konnte, der nicht versucht hat, mich aufzuhalten oder zu unterdrücken. Ich war ziemlich lange traurig deswegen, obwohl mein Leben voller Freunde, erfüllender Arbeit, interessanter Liebhaber und Auslandsabenteuer war.

Karriere statt Kindsmann

Im Rückblick aber, war Single zu sein im Hinblick auf meine Karriere, meine Hingabe an meine Arbeit und den Aktivismus sowie die Erfahrung, für mich selbst und andere Menschen zu sorgen, wahrscheinlich die beste Entscheidung meines Lebens.

Im Moment bin ich kein Single. Es ist traurig, dass ich so lange damit gewartet habe, diesen Essay zu schreiben, bis das der Fall ist. Ich schätze, ein Teil von mir wollte sich vor mir selbst rechtfertigen und beweisen, dass ich die Liebe eines männlichen Wesens gewinnen kann – und damit eine akzeptable Frau bin. Ich wollte abwarten und herausfinden, ob ich mich auf der anderen Seite genauso fühle wie in den fünf Jahren ohne feste Beziehung. Tue ich, stellt sich heraus. [...]

Ersatzmutter und Sexpartnerin

Nichts frustriert mich mehr, als junge Frauen am Anfang ihres Lebens zu sehen, die ihre Jahre mit stumpfen, undankbaren, langweiligen Kindsmännern verschwenden, die immer nur nach einem zauberhaften Mädchen gesucht haben, um damit bei ihren Freunden anzugeben; ein Mädchen, dass im Privaten sowohl Ersatzmutter als auch Sexpartner ist. Ich war so ein Mädchen. Das macht keinen Spaß.


Man sieht sie über all – erschöpfte junge Frauen, die all ihre Energie darauf verwenden, sich um junge zu kümmern, sie zu organisieren und zu unterstützen, was diese ihnen übel nehmen, aber noch schlimmer finden, wenn sie es nicht tun. [...]

Wir müssen nicht in Beziehungen leben

Die Wahrheit ist, dass die meisten männlichen Teenager und Männer in den Zwanzigern noch nicht gelernt haben, Frauen wie menschliche Wesen zu behandeln, manche lernen es nie. Das ist nicht nur ihre Schuld. Es liegt daran, wie unsere Kultur ihr Verhalten prägt; dennoch gibt es einige wenige anständige, freundliche und fortschrittliche junge Männer da draußen, die nach einer absolut gleichberechtigten Partnerschaft mit einer Frau suchen. [...]

Wir müssen anfangen, uns an all die Frauen der vergangenen Jahrhunderte erinnern, die es vorzogen, ohne Partner zu leben, damit sie Kunst machen und die Geschichte schreiben konnten, ohne einen Mann, der aufs Abendbrot und ein Lächeln wartet.

Wir müssen anfangen, uns daran zu erinnern, dass die modernen Äquivalente dieser Frauen um uns herum sind – und kleine Mädchen keine Angst davor haben müssen, so jemand zu werden.