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Magazin: NEON #04/2014

Liebe Leserinnen und Leser,

NEON-Redakteur Alard von Kittlitz wird das nicht gerne hören, aber: Er ist einer der nettesten Menschen, die wir kennen. »Dieses Zu-nett-Sein führt alle Beteiligten ins Unglück«, schreibt von Kittlitz in unserer Titelgeschichte. In allen Lebensbereichen, vom Job bis zur Liebe, ist es fairer, Konflikten nicht immer aus dem Weg zu gehen, sondern Klartext zu sprechen, findet er. Ein Tipp an den Autor vom Rest der Redaktion: Trag öfter mal die Wollmütze, die lässt dich ziemlich böse aussehen!

Autorin Jina Khayyer ist für uns in ihre Heimatstadt Teheran geflogen, um dort mit jungen Frauen über ihre Hoffnungen zu sprechen. Während der Interviews wurde sie melancholisch: »Ich liebe Teheran. Und doch ist es für mich unmöglich, im Iran zu leben. Weil ich eine Frau bin, weil ich Journalistin bin – und aufgrund meiner Sexualität.«

Noch eine bewegende Geschichte: Der Fotograf Peter van Agtmael hat für uns einen amerikanischen Soldaten begleitet, der einen Bombenanschlag im Irak überlebt hat und jetzt als Komiker auftritt. Für seine Arbeit hat er gerade den World Press Photo Award gewonnen. Glückwunsch!

Bist du zu nett? Warum es unfair ist, Konflikten aus dem Weg zu gehen

Weiter nach Saigon. Die höchste Kneipenrechnung seines Lebens bezahlte Reporter Moritz Baumstieger auf seiner Zockertour durch Vietnam: 1,7 Millionen Dong. Und zwar für 31 Bier. Wir hoffen, da waren einige Lokalrunden dabei.

Filmkritiker Joachim Hentschel hat für uns Schauspieler Christian Bale getroffen. Er findet Bale deshalb so gut, weil man ihn in seinen Filmen immer erst sehr spät erkennt (aktuell in »Auge um Auge«). Um Wiedererkennbarkeit ging es auch in unserer Bastelstrecke: Wir haben bekannte Kunstwerke für den Hausgebrauch nachgebaut. Zum Beispiel den bekannten Hai von Damien Hirst. NEON-Redakteurin Nora Reinhardt hat Hirst schon zwei Mal getroffen. Sie freut sich darauf, ihm nächstes Mal die NEON-Version seines Klassikers zu zeigen: einen Wolfsbarsch am Nylonfaden.

Bis zum nächsten Heft, Eure NEON-Redaktion

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?