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Interview

John Strelecky: Safari des Lebens: Dieser Mann zeigt dir, wie du glücklich wirst

Mit 33 verkaufte John Strelecky seinen Besitz und ging auf Weltreise. Seine Selbstfindungsbücher sind heute Bestseller und in 41 Sprachen übersetzt. Im NEON-Interview spricht der Autor über Millennials und warum er gerne Fische beobachtet.

John Strelecky

John Strelecky reiste mit Anfang 30 um die Welt, um sich selbst zu finden. Inspirationen fand er unter anderem auf einer Safari.

Wer auf eine Safari fährt, will sie alle sehen: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Je mehr dieser sogenannten "Big Five" man vor die Linse bekommt, desto erfolgreicher der Trip, heißt es. Diese Erfahrung wollte auch John Strelecky machen: Mit 33 schmiss der Unternehmensberater hin, verkaufte sein Hab und Gut und begann eine Weltreise auf der Suche nach dem Sinn des Lebens – und machte dabei auch eine Safari. Nach seiner Rückkehr schrieb er in 21 Tagen den Bestseller "Café am Rande der Welt".

Seine Idee: Jeder muss sich individuell fragen, was ihn glücklich macht und auf der Safari des Lebens die Dinge definieren, die er unbedingt sehen, erleben oder machen will. Heute gibt der 50-Jährige seine Theorie in zahlreichen Büchern und Seminaren an eine Leserschaft auf der ganzen Welt weiter. Mit NEON spricht der Selbstfindungs-Guru über die Vorteile, die Millennials heute haben, und gibt Tipps zum Glücklich-Werden.

John, wann merke ich, dass ich etwas verändern sollte in meinen Leben?
Das kommt auf dein Verständnis des Lebens an. Heutzutage ist Geld ein entscheidender Faktor, wenn es um die Bezahlung von Leistung geht. Aber die eigentliche Währung ist Zeit. Du kannst dich zum Beispiel fragen: Wie viele Minuten hast du in den letzten Wochen damit zugebracht, was du wirklich liebst und was dich erfüllt?

Meine Generation wird gern "Generation Y" genannt, weil wir angeblich sehr lange nach dem suchen, was wir wirklich wollen. Du hast ein Programm für Schüler und Young Professionals gegründet, bei dem es um Selbstfindung geht. Wann sollten wir mit der Suche starten?
Warum es bei einigen länger dauert als bei anderen, den Sinn des eigenen Lebens zu finden, kann man pauschal nicht sagen – und schon gar nicht bezogen auf eine ganze Generation. Eure Generation muss sich ganz anderen Herausforderungen und Veränderungen stellen als meine, zum Beispiel in der digitalen Welt. Das bietet viele Chancen, denn noch nie war es so leicht, Kontakte zu knüpfen und an alle möglichen Informationen zu kommen. Aber es kann auch total überfordernd sein.

Um den eigenen Weg zu finden, hast du eine Theorie entwickelt. Kannst du kurz die Idee hinter "Big Five for Life" und "Zweck der Existenz" zusammenfassen?
Statistisch gesehen hat der Mensch ungefähr 28.900 Tage auf dieser Welt und die Frage ist: Was willst du mit dieser Zeit anfangen? Dein Leben fließt wie ein Fluss mit einem bestimmten Ziel – und dieser Zweck deiner Existenz ist ganz individuell. Es könnte zum Beispiel der Wunsch sein, das Leben anderer Menschen zu verändern oder immer etwas Neues zu lernen. Aber du musst dich fragen, was du Montagmorgens machst, um diese Ziele zu erreichen. An dieser Stelle kommt ein Faktor ins Spiel, den ich die "Big Five" genannt habe: Was sind die Punkte auf deinem Fluss, an denen du auf jeden Fall anhalten willst? Wenn du zum Beispiel sagst, du willst ein Leben lang lernen, könntest du jeden Tag einen TED-Talk hören, um dieses Ziel zu erreichen.

Aber wie weiß ich denn, was meine großen Ziele im Leben sind?
Ein guter Anfang, um das herauszufinden, ist, dir erst einmal die Zeit zu nehmen, darüber nachzudenken. Wir haben einen unglaublich vollen Alltag und oft gar keine Zeit, uns diese Frage zu stellen. Daher ist mein Tipp, sich einen Moment im Alltag zu suchen, der dich entspannt und an dem du Zeit hast zu reflektieren. Ich liebe es zum Beispiel, Fische zu beobachten. Eine andere Technik, um deine Ziele zu finden, kann die Frage sein: Wer lebt das Leben, von dem ich träume? Das muss nicht eine Person sein – vielleicht sind es drei Menschen, deren Leben du gern kombinieren willst. Es gibt also offensichtlich Menschen, die dein Wunschleben führen, warum solltest du es nicht auch können? Meist weißt du schon längst, wie dein Leben aussehen soll – du musst nur alles Störende wegräumen und dein Unterbewusstsein in das Bewusstsein holen.

John Strelecky Selbstfindung

Heute gibt der 50-Jährige Seminare zum Thema Selbstfindung. Markenzeichen ist sein Hut.

Du bist aus einer sehr komfortablen finanziellen Situation auf deine Reise zu dir selbst gestartet. Aber was machen Menschen, die täglich um ihre Existenz kämpfen müssen?
Man kann natürlich keine Lösung finden, die auf jeden Menschen und jede Situation passt – und Veränderungen sind nie einfach. Außerdem suggeriert uns unser Gehirn ständig, dass es genug Gründe gibt, sich nicht zu verändern. Aber genau hier liegt die wahre Stärke jedes Einzelnen: Man muss sich fragen, in welchem Maße man die Idee zur Veränderung auf sein Leben anwenden kann.

Gut, ein Beispiel: Stellen wir uns einen jungen Studenten oder eine Studentin vor, die neben dem Vollzeitstudium noch arbeiten muss, um sich das Studium zu finanzieren. Zudem pendelt die Person, da die Miete sonst zu teuer wäre. Er oder sie möchte in einem Start-up arbeiten, sieht aber keine Perspektive für sich in der Zukunft.
Das ist natürlich eine sehr extreme Situation. Unsere Person könnte mit der Veränderung auf ihrer Pendelstrecke starten. Statt Musik könnte sie einen Podcast über Start-up-Gründer hören und sich Vorbilder suchen – nur ein paar Minuten am Tag. So bringt man seinem Unterbewusstsein bei, auf Themen zu reagieren, die dem Gehirn wichtig sind. Unsere Beispielperson würde dann irgendwann ganz automatisch auf der Zugfahrt den Podcast hören und sich neues Wissen aneignen, mit dem sie in der Szene Kontakte knüpfen und Fuß fassen kann.

Du sagst in deinen Büchern, man soll sich mit Menschen umgeben, die ihre Ziele leben und positiven Einfluss auf einen haben. Aber wo finde ich die?
Wir haben heute Zugang zu so vielen Communitys über das Internet. Du kannst zum Beispiel ganz einfach in eine Suchmaschine deine "Big Five" eingeben. Es gibt bestimmt in deiner Stadt eine Gruppe von Menschen, die gern frühstücken, gern Fußball spielen oder etwas anderes machen. Und sie alle können eine Grundlage für deine Inspiration sein.

Eine andere praktische Lösung: Wenn du neue Leute triffst, sprich mit ihnen über deine "Big Five". Es ist eine super Grundlage für Smalltalk. Wenn du Menschen nicht an deinen Interessen teilhaben lässt, findest du auch keine Gleichgesinnten. Aber du solltest dir auch erlauben, Menschen mit denen du nicht klar kommst oder mit denen du nichts teilst, hinter dir zu lassen.

Letzte Frage: Warum trägst du eigentlich immer und überall einen Hut?
Jeder hat eine gewisse Eigenschaft oder ein Kleidungsstück, das dir das Gefühl gibt: Du bist richtig hier. Auf meiner Reise 2010 ging mein Hut kaputt und ich musste mir in Peking einen neuen kaufen. Also ging ich in einen Shop und fragte nach einem Hut. Der Verkäufer bot mir einen Tilley an – so nennt man diese Art von Hut, die ich trage. Er sollte 78 Dollar kosten, war regendicht und hatte angeblich 100 Jahre Garantie. Also ließ ich mich auf den Deal ein und nun trage ich den Hut seit fast 10 Jahren, ob beim Kajakfahren oder bei Interviews. Wenn ich mich frage, was die besten Zeiten in meinem Leben sind, dann sind das die Abenteuer – und mein Hut gibt mir dieses Gefühl, gerade in einem zu stecken.

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