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Textlänge manipulieren: Schrift für Faule – Times Newer Roman schindet Seitenzahlen

Kaum ein Schüler oder Student ist nicht schon einmal in echte Zeitnot geraten, wenn es um die Abgabe einer Hausarbeit geht. Eine neue Typo könnte dafür sorgen, schneller die erforderte Seitenzahl zusammenzukriegen. Wenn sie nicht einen kleinen Haken hätte.

Eine junge Frau trinkt eine Tasse Kaffee

Sie sieht aus wie das Original, aber nur auf den ersten Blick: Um bis zu 13 Prozent mehr Textlänge kann die Verwendung von des Fonts Times Newer Roman bedeuten, die Schrift ist breiter als ihre große Schwester Times New Roman

Auf jedem Rechner ist sie vorinstalliert, die gute alte Times New Roman. Die Typo ist aus diesem Grund auch eine der üblichen Schriftarten, die an Universitäten, Colleges und Schulen für Hausarbeiten vorgesehen sind. Jeder kennt sie, jeder hat sie. Nun allerdings gibt es so eine Art smart ass-Version des Klassikers: die Times Newer Roman – ein Font, der genauso aussieht, aber breiter läuft. Die Kreativagentur mschf hat sie entwickelt und zum freien Download im Internet zur Verfügung gestellt. Bei einer Textlänge aus 208 Worten in 14-Punkt-Schriftgröße schindet die neue Variante rund zwei Zeilen Textlänge.

Bei Hausarbeiten, egal ob an Schulen oder an Universitäten, wird oft nur eine Seitenzahl vorgegeben, die abzuliefern ist. Keine Zeichenzahl oder Anzahl an Wörtern. Wenn die Möglichkeit besteht, sein Resultat als PDF oder in ausgedruckter Form abzuliefern, mag sich bei dem ein oder anderen eine interessante Rechnung aufmachen: Während eine beschriebene Seite mit Times New Roman 18 Zeilen bringt, sind es bei Times Newer Roman schon 20, bei gleicher Wortanzahl. Bei einer 50-seitigen Hausarbeit spart man sich also zwei Seiten Text, wenn man die breitere Typo verwendet. ABER!

Einfach immer Times Newer Roman verwenden? Obacht!

Auch wenn die beiden Fonts nahezu namensgleich sind und beinahe identisch aussehen, gibt es doch einen gewaltigen Unterschied: Bei der Times New Roman handelt es sich um die genehmigte, beziehungsweise geforderte Schriftart. Die Times Newer Roman hingegen kommt einem klassischen Betrug gleich. Wenn die Arbeit mit der nicht genehmigten Typo auffliegt, was bei viellesenden Profs und Lehrern durchaus passieren kann, ist mit schwerwiegenden Konsequenzen zu rechnen. Je nach Wichtigkeit der Arbeit kann das bedeuten, dass sie als "nicht abgegeben" gewertet wird oder sogar als Betrugsversuch.

Der Einsatz sollte also wohl überlegt sein, ach, vielleicht sogar einfach nur zu privaten Zwecken erwogen werden.

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bal
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?