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Deutschland im Plastik-Check: In Australien werden Plastiktüten verboten – und alle rasten aus. Geht's noch?

Das Plastik-Verbot in Australien hat dafür gesorgt, dass Supermarkt-Mitarbeiter von aufständischen Kunden angegriffen wurden. Ziemlich zurückgeblieben, könnte man meinen. Aber wie weit sind WIR eigentlich in punkto Plastik?

Von John Baller

Eine Plastiktüte schwimmt im Wasser

Weltweit landen täglich 13.000-15.000 Plastikstücke im Ozean.

Plastik ist einer der größten Umweltzerstörer unserer Zeit. So langsam wird das auch den meisten Nationen klar. Erst am Sonntag wurden Einweg-Plastiktüten in allen Bundesstaaten  – außer in New-South-Wales – verboten. Die betroffenen Supermarkt-Ketten bieten stattdessen Mehrweg-Plastiktüten für 15 Cent an. Super Sache, könnte man meinen. Doch das kam nicht überall gut an. Wie australische Medien berichten, gerieten einige Kunden in Discountern deshalb regelrecht in Rage. Eine Kassiererin wurde sogar von einem wütenden Kunden gewürgt. Geht's noch?!

Wie weit sind wir in Deutschland im Kampf gegen Plastik?

Dabei ist das Verbot eigentlich harmlos: Wenn man darüber redet, Plastik zu verbieten, geht es hauptsächlich um Einweg-Produkte, die nur für kurze Zeit verwendet werden und eigentlich gar nicht notwendig sind, etwa Plastiktüten, Strohhalme und Plastikgeschirr.

Aber wie weit sind wir in Deutschland im Plastik-Verbot und wo haben uns andere Länder überholt? NEON macht den Plastik-Check.

1. Strohhalme

Die US-amerikanische Stadt Seattle hat am Montag ein Strohhalm-Verbot erhoben, das Anbieter, die weiterhin Strohhalme verkaufen, mit einem Bußgeld bestraft. 

Auch die -Kommission hat Ende Mai zwar ein Verbot von Einweg-Plastik-Produkten angekündigt, die Umsetzung kann sich jedoch noch auf unbefristete Zeit hinziehen. Momentan gibt es also kein konkretes Verbot und somit kriegt Deutschland hierfür 1 von 5 Umweltsterne.

2. Plastiktüten

Australien ist mit dem erst kürzlich verordneten Plastiktüten-Verbot relativ spät dran. Kenia und Ruanda haben mit die strengsten Plastik-Gesetze: Wer in Kenia eine Plastiktüte verkauft, benutzt oder herstellt, muss seit dem vergangenen Jahr entweder mit 34.000 Euro Strafgeld ordentlich blechen oder kann für vier Jahre im Gefängnis landen, so die britische Zeitschrift "Guardian". Ruanda hat eine ähnliche Regelung schon 2008 eingeführt.

In Deutschland kosten Plastiktüten seit Juli 2016 in Supermärkten Geld. Einige Supermarktketten verkaufen sogar nur noch Papiertüten. Trotzdem wird empfohlen, eigene, immer wieder verwendbare Taschen mitzunehmen – denn bei der Herstellung von Papiertüten wird wesentlich mehr CO² ausgestoßen als bei der von Plastiktüten. 

15 Cent für Plastiktüten ist zwar schon mal besser, als diese gratis für jede Kaugummi-Packung oder Chips-Tüte zu verteilen. Aber wie Kenia zeigt, geht es auch noch deutlich besser. Deshalb 3 von 5 Umwelt-Sterne.

3. Plastikflaschen

Die Pioniere im Bereich Flaschenpfand waren die skandinavischen Länder und Island in den Neunzigern. 2003 ist Deutschland dazugekommen und kann inzwischen zusammen mit den Vorreitern auf eines der besten Pfandflaschen-Systeme stolz sein. Da die Pfandflaschen-Industrie jedoch als deutlich umweltfreundlicher dargestellt wird, als sie wirklich ist, kann auch hier keine volle Punktzahl vergeben werden. 4 von 5 Umwelt-Sternen.

4. Einweg-Plastik

Zum Einweg-Plastik gehören auch Strohhalme, Plastikgeschirr, Rührstäbchen und Plastikstiele für Luftballons. Die EU-Komission hat angesetzt, all dies zu verbieten, jedoch kann sich die Umsetzung noch auf unbestimmte Zeit hinauszögern. Frankreich hat angekündigt, schon ab 2020 Plastik-Besteck zu verbieten. In Deutschland lässt all das derzeit noch auf sich warten. 2 von 5 Umwelt-Sternen.


Insgesamt kriegt Deutschland also 8 von 20 Umwelt-Sterne. Im deutschen Schulsystem wär das mit 40% gerade noch eine vier – ausreichend. Ausreichend ist im Kampf gegen Plastik jedoch bei weitem nicht genug. Falls du also denkst, Deutschland sei schon längst unschlagbar im Recyclen, liegst du leider falsch. Das Beste ist sowieso, gar nicht erst viel Plastik zu verbrauchen, anstatt es zu recyclen.