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Ed-Sheeran-Konzert: Mega-Event in der Mega-Hitze - aber Wasser trinken wird teuer

Pünktlich zu Ed Sheerans Open-Air-Konzert in Hamburg sollen es 34 Grad werden. In der Hitze genug zu trinken, wird für die Besucher teuer. Eigentlich gäbe es einfache Möglichkeiten, den Hitzekollaps auf Konzerten und Festivals zu verhindern.

Von Brid Johnen

Ed Sheeran

Fans von Ed Sheeran müssen sich auf Hitze beim Konzert einstellen - doch günstiges Wasser gibt's nicht

Picture Alliance

Es ist das Mega-Event: Am Mittwochabend tritt Ed Sheeran in Hamburg auf. 80.000 Zuschauer werden zum Open Air-Konzert erwartet - und Mega-Temperaturen. Wenn das Konzert beginnt, sind für Hamburg  34 Grad angekündigt. Dazu kommt strahlender Sonnenschein. Springen, Tanzen, Singen und das alles in einer verschwitzten  Menschenmenge – bei diesem Wetter kann dem begeisterten Fan schnell die Puste ausgehen. Damit die Zuschauer das Event trotzdem genießen können - sie haben dafür schließlich an die 100 Euro bezahlt – braucht es vor allem eins: ausreichend Trinkwasser.

Das ist auch dem Veranstalter des Konzerts bewusst. FKP Scorpio wendet sich nun in einer Facebook-Mitteilung an die Fans. Dort erklärt er, wie sie auf dem Gelände an Wasser kommen. Der Haken: für einen 0,5-Liter-Becher muss der Besucher stattliche 3,50 Euro plus Pfand zahlen. Man ahnt: Bei diesen Temperaturen wird auch die notwendige Verpflegung auf dem Konzert ein teures Vergnügen. Wegen des Wetters hat der Veranstalter zwar extra Anlaufstellen geschaffen, an denen es den Becher Wasser für einen Euro gibt. Den kann der Fan dann vor dem Einlass kaufen und mitnehmen. Auf dem gesamten Gelände gibt es allerdings nur zwei dieser Stellen. Für 80.000 Besucher nicht gerade viel.

Auf dem Konzert: Eigene Getränke sind nicht erlaubt

Alles nicht so schlimm, könnte man sagen, und sich einfach eine Trinkflasche in die Bauchtasche packen. Auch ein umgehängtes Tetrapack, auf Festivals längst üblich, könnte gegen Durst und Dehydrierung helfen. Könnte – wenn volle Trinkflaschen und Tetrapacks nicht auf dem gesamten Gelände verboten wären. Der durstige Ed-Sheeran-Fan muss also entweder zahlen oder im Gedränge nach einer Auffüllmöglichkeit, vornehmlich in den Sanitäranlagen, suchen.

Dabei müssten es Festival- und Konzert-Veranstalter längst besser wissen. Das Beyoncé-Konzert Anfang Juli in Köln: Bei 30 Grad gehen Wasser und Softdrinks aus – es gibt nur noch Bier . Als der Veranstalter von Rock am Ring 2017 selbst leere Tetrapacks verbietet, laufen die Fans Sturm. Seit Jahren kippen bei Konzerten und Festivals immer wieder Zuschauer um, weil sie zu wenig getrunken haben. 30% der Rettungseinsätze auf dem Hurricane-Festival 2016 waren der Hitze geschuldet. Die Wasserversorgung auf Festivals und Konzerten sorgt oft für Probleme.

Schutz vor Terror aber nicht vor dem Hitzekollaps?

Wenn Fans keine Getränke mitnehmen dürfen, werfen sie dem Veranstalter schnell Geldmacherei vor. Der Veranstalter des Ed-Sheeran Konzerts rechtfertigt die Verbote zumindest auf seinen Festivals mit Sicherheitsbedenken. Wenn es um potentielle Terroranschläge geht, scheint er Verantwortung zu übernehmen. Muss er die Besucher aber nicht auch vor einem Hitzekollaps schützen?

In Amsterdam muss er das. Betreiber von Festivals sind dort seit 2014 verpflichtet, Gratis-Wasser anzubieten. Solch extreme Maßnahmen sollten eigentlich nicht nötig sein. Das Wasser-Problem lässt sich leichter lösen: Auf den Festivals Hurricane und Southside stellt der Veranstalter Trinkwasserstationen zur Verfügung. Hier können Durstige ihre mitgebrachten Behälter kostenlos auffüllen. Derselbe Veranstalter organisiert nun auch das Konzert in Hamburg – nur eben ohne Gratis-Wasser. 

Kostenloses Wasser auf Festivals - ein guter Deal für alle

Dabei sollte es im Interesse der Veranstalter liegen, den Durst der Besucher zu stillen. An einigen Punkten auf dem Konzertgelände kostenloses Leitungswasser anzubieten, ist nicht schwer. Und kostet womöglich weniger, als Hitzeopfer im Sanitätszelt zu versorgen. Dazu kommt: Wer seinen dehydrierten Zustand während des Konzerts in traumatischer Erinnerung behält, kommt sicherlich nicht wieder.

Besonders ironisch: FKP Scorpio, der Verantalter des Ed-Sheeran-Konzerts, engagiert sich ausgerechnet für die globale Wasserversorgung und kooperiert mit der Wohltätigkeitsorganisation Viva con Aqua. Diese setzt sich dafür ein, dass alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. Wär doch schön, wenn das auch beim Ed-Sheeran-Konzert klappen würde.