VG-Wort Pixel

Kleine Krise in Liverpool Wie Jürgen Klopp zurzeit beweist, dass es für jede Situation eine (schlechte) Ausrede gibt

Jürgen Klopp
Da konnte er noch lachen: Trainer Jürgen Klopp vor dem Spiel seines FC Liverpool in Everton
© Richard Sellers/PA Wire/DPA
Jürgen Klopp hat gerade keine leichte Zeit in Liverpool: Mit seinem Team hat er die Tabellenführung an Manchester City verdaddelt. Und seine Analysen sorgen für Gelächter, weil er die Schuld gerne bei höheren Mächten sucht.

Jürgen Klopp hat seit seinem Amtsantritt als Trainer des FC Liverpool im Oktober 2015 eine ganze Menge richtig gemacht: Er führte den Traditionsverein in der vergangenen Saison ins Champions-League-Finale und verbesserte die Grundstimmung rund um die Anfield Road deutlich. In dieser Saison hat sein Team von 29 Ligaspielen gar erst eines verloren und stand folgerichtig lange an der Spitze der Premier League.

Aber diese Tabellenführung haben Klopp & Co. durch einige überflüssige Unentschieden in den letzten Wochen nun nach einem 0:0 im Stadtderby beim FC Everton vorläufig an Pep Guardiolas Manchester City verspielt. Und wie in den vergangenen Wochen häufiger, sucht Klopp die Schuld für diesen bitteren Umstand zumindest in der Öffentlichkeit mal wieder woanders.

Jürgen Klopp: "Wind aus allen Richtungen"

"Es war ein sehr sehr schwieriges Spiel aus verschiedenen Gründen gegen einen wilden Gegner", sagte Klopp im Anschluss an das Spiel bei "Sky Sports": "Ich weiß, die Leute mögen nicht, wenn ich das sage, aber der Wind kam aus allen möglichen Richtungen. Das hat man in vielen Szenen gesehen. Das hat nicht gerade geholfen, Fußball zu spielen. Insbesondere, wenn der Ball in der Luft war, was sehr häufig passierte."

Das sorgt für Spott in den sozialen Medien, wo zahlreiche Fans darauf hinweisen, dass der frühere BVB-Coach in dieser Spielzeit schon häufiger auf vermeintlich höhere Mächte verwiesen hat, die sich seinem Einflussbereich entziehen: zum Beispiel die Beschaffenheit des Spielfeldes (Schnee, zu trocken, zu hohes Gras etc.) oder auch das Verletzungspech des Gegners. Des Gegners, wohlgemerkt.

"Wir spielen nicht Playstation"

Auch in der Pressekonferenz nach dem Everton-Spiel reagierte Klopp ungehalten auf Fragen zu seiner Taktik: "Wir spielen nicht Playstation" fauchte er. "Glauben Sie, dass wir heute nicht genügend Risiken eingegangen sind? Wollen Sie das fragen? Das ist eine wirklich enttäuschende Frage, weil es klingt, als ob es so einfach ist. Es sind noch neun Spiele, wir verlieren nicht unsere Nerven, so wie Sie es offensichtlich tun. Es ist das zweite Mal, dass Sie eine Frage stellen, die ich wirklich nicht verstehe."

Der Trainer hat zweifellos recht, dass nun nichts wichtiger ist, als die Nerven zu behalten. Die Anspannung an der Anfield Road ist groß, schließlich könnte der Zweikampf mit ManCity um den Premier-League-Titel in dieser Saison auf ein Foto-Finish hinauslaufen. Aber es liegt an Klopp, seinem Team vorzuleben, dass die Ausgangslage nach wie vor gut ist – und dass schlechte Ausreden nicht nur in der Außenwirkung kontraproduktiv wirken könnten.

Kleine Krise in Liverpool: Wie Jürgen Klopp zurzeit beweist, dass es für jede Situation eine (schlechte) Ausrede gibt
tim

Mehr zum Thema