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Soziale Kontrolle: Lehrerin spielt mit Schülern Experiment aus "Black Mirror" nach – und es funktioniert

Der Fall erinnert an den Roman "Die Welle": Eine Lehrerin aus Brandenburg startete mit ihrem Kurs ein Experiment, angelehnt an die Serie "Black Mirror". Für die Schüler gab es überraschende Erkenntnisse.

Soziale Kontrolle – gibt es so etwas im Alltag wirklich? Dass Menschen in ihrem Verhalten durch Zustimmung oder Ablehnung anderer bestimmt und schließlich auch ausgegrenzt werden, wenn sie den Erwartungen nicht genügen? An vielen kleinen Punkten im täglichen Leben funktionieren wir so. Aber Kontrolle im großen Stil, das gibt es doch nur in Diktaturen und Romanen. Oder?

Die Lehrerin Rebecca Schiller wollte genau das herausfinden. Dazu startete sie ein Experiment. Die Probanden: die Schüler ihrer elften Klasse. Als Vorbild diente ihr eine Folge der bekannten Netflix-Serie "Black Mirror". In der Episode "Abgestürzt" bewerten sich alle Menschen gegenseitig. Freunde, Partys, auch der Job – all das funktioniert nur über den Score. Wer sich nicht an die gesellschaftlichen Normen hält, ist schnell abgeschrieben.

Die Folge habe sie nicht losgelassen, berichtete Schiller, die an einem Gymnasium in Brandenburg arbeitet, auf NEON-Anfrage: "Ich war mir sicher, dass meine Schüler die Folge als Utopie abhaken würden, deswegen wollte ich ihnen zeigen, dass die Folge nicht erst in 100 Jahren spielt, sondern durchaus real ist."

Lehrerin führt Experiment aus "Black Mirror" durch

Auf Twitter hat Schiller von ihrem Experiment berichtet. Zuerst teilte sie die Schüler nach Noten ein, die guten durften vorn sitzen, die schwächeren hinten. Wer sich im Unterricht gut beteiligte, durfte weiter nach vorne rutschen: "Wenn ein Schüler etwas gut erklärte, ging es 0.1 Punkt an der Tafel nach oben, wenn der Schüler nicht antworten konnte, ging es 0.1 nach unten." Dann schaute sie mit ihren Schülern einen Teil der "Black Mirror"-Folge. "Die Schülerinnen und Schüler waren sich einig, dass es in 50 bis 100 Jahren spielt und dass das nie passiert. Man wäre zu gut im Umgang mit Medien, es würden nicht alle teilnehmen, es würde Demos gegen das System geben etc.", erzählt Schiller. Anschließend bekamen die Schüler freiwillige Aufgaben, mit denen sie sich hocharbeiten konnten. Fast alle erledigten diese Aufgaben – der einzige Schüler, der sich nicht beteiligte, musste außerhalb des Klassenraums sitzen und wurde prompt von seinen Mitschülern ausgegrenzt.

 Am Ende hielt Schiller ihren Schülern den Spiegel vor, indem sie mit ihnen das Ende der "Black Mirror"-Folge anschaute. "Einige Schüler haben sich geschämt, dass sie Nico ausgeschlossen haben, andere sagten, dass sie die ganze Zeit wussten, dass es nicht echt sei", so Rebecca Schiller. 

Nach dem Experiment tauschte sich Schiller noch länger mit ihrem Kurs über den Verlauf aus und über die Lehren, die sich daraus ziehen lassen. Sie erklärte den Schülern, dass sie sie dazu bringen wollte, selbst zu denken und Dinge zu hinterfragen – das Feedback aus dem Kurs war daraufhin durchweg positiv. Und auch Lehrerin Schiller ist zufrieden mit ihrem unkonventionellen Unterricht: "Ich meine, die Schülerinnen und Schüler haben ihre Lektion verstanden. Im besten Fall nimmt jeder von ihnen etwas aus diesen zwei Stunden mit. Auf jeden Fall sehen sie Medien und deren Bewertung kritischer."

Quelle: Rebecca Schiller auf Twitter

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