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United World College: Mögen manche denken, deine Eltern liebten dich nicht – Internats-Leben ist super!

Zwei unserer Autoren waren auf dem United World College. Ein Internat. Das erweckt bei vielen Leuten erstmal den Eindruck, dass ihre Eltern sie nicht mehr ausstehen konnten und sie nun nach strengen Regeln leben müssen. Neun Gründe, warum das nicht stimmt.

Von Jule Schulte und John Baller

Ein Mädchen liegt auf dem Bett in einem Internat-Zimmer mit ihrem Laptop auf dem Schoß

Das Internats-Leben hat oft einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, finden unsere Autoren.

Internatsleben: keine Freiheit, strenge Lehrer und Eltern, die einen loswerden wollen? Warum das kompletter Quatsch ist, zumindest in den meisten Fällen, erklärt NEON in neun Punkten, die unsere Autoren auf den United World Colleges in Wales und Freiburg gelernt haben. 

1. Du wirst wahnsinnig schnell erwachsen

Spätestens im Studentenleben lernen die meisten zu schätzen, wie schön es noch war, als einem die Wäsche gewaschen, das Essen abgeräumt und das Bett gemacht wurde. Im Internat hast du allerdings keine Alternative, als all das so schnell wie möglich zu lernen. Man will nicht ausgerechnet die Person sein, deretwegen das gesamte Haus in dem man wohnt, 20 Minuten länger putzen muss, weil man sein Geschirr nicht gespült hat. Auch die emotionale Seite wächst durch das ständige Zusammensein schneller, wenn man gefühlt im Fünf-Minuten-Takt Freunden oder Zimmernachbarn Ratschläge gibt oder selbst welche braucht. 

2. Du findest Freunde fürs Leben – so kitschig das auch klingen mag

Ganz ehrlich, wenn du 24/7 mit den gleichen Leuten abhängst, manchmal auch, wenn du lieber etwas Privatsphäre hättest, schweißt euch das enorm zusammen. Selbst wenn man nach den zwei Jahren in verschiedenen Ländern wohnt, hat man sicher einen Ort weniger, an dem man ein Hotel oder buchen muss. Ein Bett für dich ist immer frei.

3. Du lernst Lehrer von ihrer coolen Seite kennen

Da es sich für viele Lehrer anbietet, selbst auf dem Campus zu wohnen, kriegt man sie öfter zu sehen als man vielleicht will. Das gilt garantiert auch umgekehrt. Aber die Möglichkeit, dass du zwei Stunden vor der Deadline noch mal bei deinem Mathelehrer klingeln kannst – in der Hoffnung, dass du dann endlich diese eine Gleichung verstehst – sorgt auch dafür, dass du lernst, deine Lehrer wertzuschätzen und, ja, tatsächlich, zu mögen.

4. Du lernst nicht nur im Klassenzimmer

Eventuell wohnt auch das Bio-Genie bei dir um die Ecke. Vielleicht sogar in deinem Zimmer. Im Gegenzug für die Gratis-Nachhilfe kannst du deine Expertise im Fach Theater teilen. Auch der Bezug zu Schule im allgemeinen kann sich stark ändern. Klar, gibt es Tage, an denen du am liebsten alle Schulsachen verbrennen willst. Aber dadurch, dass man mit hunderten Schülern zusammenlebt, denen es ebenso ergeht, wird es auch leichter, die interessanten Seiten an der Bildung zu sehen. Manchmal sogar so interessant, dass man das eine Buch aus dem Anthropologie-Unterricht auch noch nach der Unterrichtsstunde mit seinen Mitschülern diskutiert. 

5. Gruppenprojekte machen tatsächlich Spaß

Jeder kennt's: Du wirst einer Arbeitsgruppe zugeteilt und bist dann entweder die Person, die alles selber machen muss, oder die, die alle im Stich lässt, denn du "hast ja schließlich schon den Tisch freigehalten". Auf einem Internat funktioniert Gruppenarbeit jedoch meistens anders. Denn erstens: Die Ausrede, du hättest nach der Schule keine Zeit, weil du noch andere Hausaufgaben machen müsstest, funktionieren nicht, weil es jedem so geht. Und zweitens: Wenn man sich da so richtig reinfuchst, kann es sogar Spaß machen, nach der Schule im Gemeinschaftsraum oder Zimmer bei einem Tee ein Projekt letztendlich mit dem halben Haus fertigzustellen.

6. Du erschaffst dir deine eigene kleine Welt

Wenn du nicht ein pures Luxus-Internat besuchst, musst du dir mit anderen Leuten ein Zimmer teilen. Ihr könnt dann auch mal zu viert in einem Raum wohnen. Das heißt, du hast nicht mehr Platz, als deine eigene kleine "Ecke". Dafür lernst du aber, sie auch wirklich zu DEINER Ecke zu machen. Das heißt, sie mit Bildern, Postkarten, Postern vollzuhängen; so richtig Internat halt. Das sorgt auch dafür, dass du (zumindest in deinem Kopf) zu einem kleinen Innenarchitekten wirst. Denn wenn du es richtig gemacht hast, spricht sich herum, dass du die coolste Ecke auf dem ganzen Campus hast. Es kann aber auch das Gegenteil passieren.

7. Du hast immer jemanden zum Quatschen ...

... zum Reden, Ausheulen oder, um dich beraten zu lassen, wie du am besten deinen neuen Schwarm ansprichst. Es müssen nicht unbedingt deine Zimmernachbarn sein, mit denen du immer reden kannst. Es können auch Klassenkameraden sein, Leute, mit denen du zuvor noch nie die Gelegenheit zu sprechen hattest oder sogar Lehrer. Und zur Not wohnt dein bester Freund oder deine beste Freundin wahrscheinlich auch nicht mehr als zwei Minuten entfernt. 

8. Es gibt zwar Regeln, aber du lernst, Grauzonen und Schlupflöcher zu finden. Oder wirst einfach spitze im Regeln-unbemerkt-Brechen

Keinen Alkohol trinken, kein Gras rauchen, keinen Sex haben und um elf im Bett sein. So stellt man sich die Regeln in einem Internat vor. Das ist aber nicht unbedingt richtig. Ob man Alkohol trinken darf, kommt zum Beispiel oft darauf, in welchem Land du zur Schule gehst; in unserem Internat war es in Ordnung, in eine Bar zu gehen. Bei Verboten musst du kreativ werden. Mehr sagen wir dazu jetzt mal nicht. 

9. Du findest immer einen Weg, dir Privatsphäre zu schaffen

Natürlich will man auch mal Zeit für sich haben oder, aus welchem Grund auch immer, für eine Weile ungestört sein. Notgedrungen findest du auch hier deine Wege und Möglichkeiten. Und das muss nicht immer heißen, dass du eine Socke an die Türklinke hängst ...

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