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Twitter-Eklat: Aufreger-Werbung: O2 wehrt sich gegen geschmackloses Plakat

Auf Twitter veröffentlichte ein Nutzer Fotos eines vermeintlichen Werbeplakats des Telefonanbieters O2, auf dem Frauen plump zu Objekten degradiert werden. Das Unternehmen stellt auf stern-Nachfrage jedoch klar, dass die Werbung nicht von O2 stammt. 

Von Linda Göttner

Foto der zweiteiligen O2-Werbung

Diese Werbeplakate von O2 hängen laut Twitter-Nutzer Jösch KjK in Halle (Saale) aus

Ist so etwas im Jahr 2018 wirklich noch angebracht? Am Dienstag twitterte der Nutzer @JoschKjK Fotos eines  -Werbeplakats, auf dem eine junge Frau einer älteren gegenübergestellt wird und Frauen als austauschbar wie eine Telefonnummer präsentiert werden. Die abfotografierten Werbeplakate hingen angeblich an einem O2-Shop in Halle an der Saale.

Abwertendes Frauenbild

Eines der Plakate zeigt einen Mann mit Trenchcoat und Regenschirm – vor ihm steht eine entnervte Frau mit ausgestrecktem Zeigefinger, gekleidet in einen zerknitterten Hosenanzug und Krawatte. Darüber steht der Slogan "Bring uns deine Alte". Was anmutet, als könne man als Mann seine Frau bei O2 abgegeben, wird damit aufgelöst, dass Kunden ihre alte Rufnummer austauschen können. Das dazugehörige zweite Plakat fordert Kunden auf: "Hol dir deine Neue!" Darauf zu sehen ist eine junge Frau, die freudestrahlend und sexy im maritimen Bikini mit Matrosenhut vor demselben Mann posiert.

Die plumpe Werbung schadet O2

Es scheint, als versuche O2 sein Angebot einer neuen Telefonnummer und eines Vertrags mit dem Bild einer attraktiven jungen Frau aufzuwerten. Gleichzeitig impliziert die Werbung, dass nur junge, wenig bekleidete Frauen für Männer attraktiv wären. Damit würde die O2-Werbung nicht nur Frauen diffamieren und sie auf ihr Aussehen, Alter und positive Ausstrahlung reduzieren, sie würde auch ihre Zielgruppe auf sexistische Männer beschränken.

Daher eröffnet auch der Post auf Twitter eine neue Diskussion über Sexismus in der Werbung. Der Nutzer @JoschKjK versieht die Werbebotschaft ironisch mit dem Hashtag #WerBrauchtFeminismus und setzt die gleichnamige ehrenamtliche Kampagne "Wer braucht Feminismus" in Kenntnis.

Weitere Twitter-Nutzer machten die Organisation "Pinkstinks", die sich für antisexistische Werbung einsetzt, und "Pro Quote", die eine höhere Quote von Frauen in Führungspositionen von Medien fordert, auf die Werbung aufmerksam. Andere kommentierten, dass sie aufgrund der Werbung den Mobilfunkanbieter wechseln wollten. 

Der Konzern prüft rechtliche Schritte

O2 reagierte am Mittwoch auf den Tweet und fragte nach, wo er die Plakate gesehen habe, um es "zur Klärung weiterleiten" zu können. @JoschKjK antwortete daraufhin, dass die Werbung in einem O2-Shop an der Leipziger Straße sowie in weiteren Filialen in Halle an der Saale hingen.

Auf Anfrage des stern teilte das Unternehmen Telefonica, zu dem die Marke O2 gehört, mit, dass es sich definitiv nicht um eine von O2 produzierte Werbung handele, sondern in Eigenregie der entsprechenden Filiale entstanden sein muss. Ein mehr als unglücklicher Alleingang. Der Mobilfunkanbieter fürchtet nun zu Recht eine Rufschädigung durch die plump sexistischen Plakate.

Gegenüber dem stern erklärte Telefonica, der Konzern wolle gegen die verantwortlichen Shop-Betreiber vorgehen. "Wir lassen nicht zu, dass dadurch unsere Marke geschädigt wird." Ein ähnlicher Fall habe sich bereits vor einigen Wochen ereignet.

Kurzfristig scheint sich das Problem immerhin gelöst zu haben. Der Twitter-Nutzer, der das Plakat fotografiert hatte, schrieb unserer Redaktion, dass das Poster in der Zwischenzeit ausgetauscht worden sei – er habe das Bild bereits vor einigen Wochen aufgenommen und nun (erneut) ins Netz gestellt. Weshalb die Diskussion erst mit Verspätung Fahrt aufgenommen hat.