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Vilnius-Werbekampagne: Wisst ihr, wo der "G-Punkt Europas" liegt? Litauens Hauptstadt polarisiert und macht damit alles richtig

Mit einer polarisierenden Werbekampagne sorgt die Hauptstadt Litauens für Wirbel. Vilnius vermarktet sich als "G-Punkt Europas". Damit machen die Verantwortlichen alles richtig. Endlich ist Vilnius mal Gesprächsthema.

Vilnius, der "G-Punkt Europas". Neue Werbekampagne sorgt für Wirbel.

Vilnius, der "G-Punkt Europas". Neue Werbekampagne sorgt für Wirbel.

AFP

"Litauen? Wo liegt das nochmal genau? Und die Hauptstadt: Das ist doch Tallinn? Oder doch Riga?" Weder noch. Litauen ist das südlichste Land der baltischen Staaten und die Hauptstadt heißt . Noch nie gehört? So geht es wohl den meisten. Und so muss ich auch häufig erklären, wo die Hälfte meiner Wurzeln liegt. Und dass man dort nicht russisch spricht, sondern litauisch. Und dass ich russisch auch nicht verstehe, weil es einer anderen Sprachgruppe zugehörig ist.

Wenn ich schon als Halblitauerin in Erklärungsnot gerate, wie muss es dann erst den Litauern in ihrem eigenen Land gehen? Man kennt Vilnius einfach nicht. Die meisten Touristen haben die quirlige und hippe mittelalterliche Stadt einfach nicht auf dem Schirm. Das mag auch damit zusammenhängen, dass der Hauptstadtflughafen etwa so klein ist wie der meiner bayerischen Heimatstadt , obwohl in Vilnius über 500.000 Menschen leben (und in Memmingen 40.000). Auch die Fluglinien von Deutschland in die litauische Hauptstadt sind eher spärlich. Und das Stadtmarketing ließ bislang zu wünschen übrig. Bis jetzt.

Denn die neue  der Stadt Vilnius trifft genau den richtigen Nerv: Sie polarisiert. Mit dem Slogan "Niemand weiß, wo es ist, aber wenn man es findet, ist es großartig" will sich die Hauptstadt des Baltenstaats im Ausland als "G-Punkt Europas" vermarkten – und damit ab Donnerstag in Berlin und London um Touristen werben.

Wo kein Image, keine Chance es zu beschmutzen 

Es dauerte nicht lange und es hagelte Kritik: ist katholisch geprägt, im Herbst kommt der Papst sogar zu Besuch. Auch Regierungschef Saulius Skvernelis ist nicht amused: "Ich denke, dass eine merkwürdige Art der Werbung gewählt wurde", sagte er in einem Radiointerview. Die Kampagne überschreite aus seiner Sicht zwar nicht gesetzliche oder moralische Grenzen. Er hätte aber einen anderen Zeitpunkt gewählt, weil doch der Papst-Besuch anstehe.

Die Regierung hat sogar versucht, die Stadtverwaltung davon zu überzeugen, die Kampagne zu verschieben. Die katholische Kirche hat auch Bauchschmerzen mit der freizügigen Anzeige. Die denkt nämlich, dass die Werbung das Bild von Vilnius als Stadt für Sextourismus befördere.

Die Stadtmarketing-Leiterin Inga Romanosvkiene hat auf die völlig unbegründeten Ängste der Regierung und auch der katholischen Kirche genau die richtige Antwort. In einem langen Post auf Facebook schreibt sie, dass es zum Beschmutzen eines Images erst einmal ein Image geben muss. Das fehle Vilnius bislang. Die wenigsten wüssten, was Vilnius ist und wo es liegt. 

Mit dieser Kampagne könnte sich das ändern. Die Verantwortlichen haben damit alles richtig gemacht. Und wenn die Antwort auf die Frage "Was ist eigentlich Vilnius?" "Der G-Punkt Europas" sein wird, hat sich die Werbung allemal gelohnt. Zumindest ist Vilnius dann nicht mehr nur der weiße Fleck auf der Landkarte.