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Neue Youtube-Funktion: Wie Youtube-Stars mit Verschwörungstheorien Klicks machen und Google austricksen

Verschwörungstheorien sind auf Youtube weit verbreitet. Google will nun mit neuen Funktionen dem Leser helfen, Falschmeldungen zu erkennen und einzuordnen. Aber es gibt Lücken im System.

Youtube Fake News

Youtube versucht mit neuen Funktionen gegen Falschmeldungen und Verschwörungstheorien vorzugehen

Picture Alliance

Die Erde ist eine Scheibe, der Klimawandel eine Erfindung der Wirtschaft und Kondensstreifen von Flugzeugen enthalten Chemikalien, die sich auf die Bevölkerung auswirken: Im Internet finden sich zahlreiche dieser Verschwörungstheorien – unter anderem auf Youtube.

Klicks statt Fakten

In den letzten Wochen haben auch einige der bekanntesten Youtuberstars wie Logan Paul oder Shane Dawson Videos gepostete, die sich mit dem Thema Verschwörungstheorien beschäftigen – denn die bringen Aufmerksamkeit und Klicks. So besucht Paul eine "Flat Earther Convention", deren Teilnehmer behaupten, dass die Erde eine Scheibe ist. In seinem Video spricht er mit Teilnehmern der Veranstaltung und versucht darzustellen, wie sinnlos er die Theorie findet. 

Das führt zu vielen neugierigen Klicks seiner User – aber teilweise auch zu Desinformation. Die Pseudo-Dokumentation gibt dem Zuschauer keine wissenschaftlichen Fakten an die Hand und trägt teilweise wohl eher zur Verwirrung als zur Aufklärung bei. Die Videos des Youtubestars tauchen aufgrund seiner Popularität bei den Empfehlungen weit vorne auf und sind für ein großes Publikum sichtbar – und für ihn, wie auch für Google, lukrativ. Denn Paul ist Teil des AdSense Programms und verdient Geld über Werbung.

Funktionen gegen Fake News

Google steht schon länger in der Kritik, Verschwörungstheorien und Falschmeldungen, sogenannten Fake News, eine zu große Plattform zu bieten. Experten und User bemängelten zum Beispiel, dass in der Empfehlungsspalte bei Youtube, die neben dem aktuellen Video erscheint, auch immer wieder radikale Inhalte angezeigt würden. Daher arbeitet das Unternehmen seit einiger Zeit an unterschiedlichen Lösungsstrategien. So kündigten sie im Januar an, die Empfehlungsfunktion neben den Videos überarbeiten zu wollen. 

Zudem wird aktuell eine neue Fact-Checking-Funktion gestest. Beim "Information Panel" bekommt der Benutzer in seiner Suchleiste weitere Informationen zum Thema angezeigt, beispielsweise einen Link zu einem seriösen Artikel. So soll verhindert werden, dass Verschwörungstheorien ungeprüft die Runde machen. Zurzeit wird die neue Funktion in Indien getestet – wann sie auf den deutschen Markt kommt, steht noch nicht fest.

Die Lücke im System

Es gibt nur ein Problem: Bei der neuen Funktion geht es nicht darum, einzelne Videos zu überprüfen, sondern ganz Allgemein Verschwörungstheorien und Falschinformationen vorzubeugen. "Youtube selbst betreibt kein Fact-Checking bei den Videos", bestätigte eine Sprecherin von Google Deutschland auf Nachfrage von NEON. Im Panel würden nur Fact-Checking Artikel von Publishern angezeigt. Welche Videos konkret ein "Information Panel" bekommen, könne man daher nicht sagen. Gegenüber dem Technikportal "The Verge" sagte Youtube, dass das Video von Logan Paul über die die "Flat Earth Theory" wohl kein Panel erhalten werde.

Auch wenn die Videos von Youtube-Stars wie Paul und Dawson nicht gezielt Falschinformationen verbreiten, können sie dazu führen, dass Verschwörungstheorien mehr Öffentlichkeit erhalten und falsche Informationen weitergegeben werden. Dies ist ein besonderes Problem, wenn Youtube die Videos aus werblichen Gründen zusätzlich kuratiert und über Empfehlungen einem großen Publikum zugänglich macht. Das Unternehmen selbst scheint sich der Problematik zumindest bewusst zu sein und hat angekündigt, langfristig mehr "Information Panels" ausrollen zu wollen.

Youtuberin Adina Rivers
lau