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Account-Schnorrer: Weil Millennials bei ihren Eltern schnorren, entgehen Netflix jeden Monat Millionen

Laut einer Studie sehen etwa 24 Millionen Nutzer den Streamingdienst Netflix über einen Account, der nicht ihnen gehört. Der Trend hat sogar einen Namen: "Subcription mooching".

Netflix Streaming

Popcorn-Duschen wie im Kino gibt es beim Streaming vor dem eigenen Fernseher eher selten. Laut einer Umfrage zahlt zudem fast jeder Fünfte nicht für seinen Netflix-Account.

Getty Images

Haare gewaschen, rein in den Frottee-Schlafanzug und ab auf die Couch, um ja nicht das Samstagabend-Programm im Fernsehen zu verpassen – wer kennt das noch aus seiner Kindheit? Für viele Fernsehzuschauer ist Zähneputzen in der Werbepause und Trauer über verpasste Sendungen noch gar nicht so lange her. Doch die Samstagabend-Realität von noch vor knapp zehn Jahren wirkt heute wie aus einer anderen Welt. Denn nahezu alle Sendungen lassen sich inzwischen in Mediatheken oder bei Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime oder Sky immer und überall schauen.

Einen Haken hat das Ganze jedoch: Nicht alle Anbieter zeigen jede Sendung und viele – oftmals mit Golden Globes, Oscar oder anderen Auszeichnungen preisgekrönte – Serien sind nur exklusiv einsehbar. Man kann also entweder überall einen Account eröffnen – oder man teilt sich den Zugang mit Eltern, Mitbewohnern, Geschwistern oder Nachbarn.

24 Millionen Menschen schnorren Netflix

Das geht offiziell über Familien-Accounts mit mehreren Profilen oder mit dem sogenannten "Subscription mooching", was man wohl auf Deutsch mit "Konto schnorren" übersetzen kann. Ein Benutzer gibt sein Passwort weiter und andere schauen auf seinem Account, meist ohne dafür zu zahlen.

Was praktisch klingt, ist für Streaminganbieter wie Netflix ein enormer Kostenfaktor. Nach einer Umfrage unter mehr als 1000 Benutzern schätzt der US-amerikanische Blog "CordCutting", dass allein Netflix weltweit von mehr als 24 Millionen Menschen geschnorrt wird. Dadurch gehen dem Streaming-Giganten zirka 190 Millionen Dollar verloren – pro Monat. Denn laut der Studie, bei der Nutzer der Dienste Netflix, Amazon Prime und Hulu (einem in den USA populären Anbieter) befragt wurden, zahlte einer von fünf nicht für seinen Zugang.

Millennials schauen bei den Eltern

Wenn es um das Nutzen fremder Netflix-Accounts geht, stehen laut der Ergebnisse von "Cord Cutting" besonders Millennials in der ersten Reihe. In der "Generation Y" ist der amerikanische Streaming-Anbieter mit Abstand der meist genutzte. Und damit auch der meist geteilte – fast jeder Fünfte gab an, bei Netflix den Account eines anderen Nutzers zu schnorren. Ein wenig überrascht jedoch, wer in den meisten Fällen die Besitzer der Accounts sind. Denn geschnorrt wird nur selten von Mitbewohnern und Freunden, sondern vor allem bei den Eltern. Und das meist nicht nur einmal: Laut der Hochrechnungen nutzen die meisten Mit-Schauer den fremden Account für durchschnittlich 26 Monate. Bei einem Netflix-Basis-Abo von 7,99 Euro bringt das hochgerechnet eine Ersparnis von über 200 Euro – für den Schnorrer.

Rein rechtlich gesehen ist das Mitbenutzen eines fremdes Accounts eine Grauzone. Einige Dienste verbieten die Weitergabe ihrer Zugangsdaten explizit in ihren AGBs. Andere versuchen, über umfangreiche Abo-Angebote mehrere Nutzer offiziell zuzulassen. Beim Netflix Premium-Abo können bis zu vier Benutzer gleichzeitig streamen – allerdings steht auch hier in den AGBs, dass eigentlich nur Mitglieder des eigenen Haushaltes die Zugänge nutzen dürfen.

Teilen statt vergraulen

Schnorrer aufzuspüren ist technisch kein Problem mehr. Algorithmen können nach auffälligem Verhalten von Nutzern suchen und rein theoretisch könnten die Anbieter diese Nutzer abmahnen, sperren oder sogar auf Schadensersatz verklagen. Bislang ist das jedoch noch nicht geschehen. Denn trotz des Millionenverlustes hat vor allem Netflix kein Interesse daran, seine aktuellen und auch potentielle Nutzer zu vergraulen. Schon 2016 sagte Netflix-Geschäftsführer Reed Hastings: "Wir lieben es, wenn Leute Netflix miteinander teilen." Auf einem immer härter umkämpften Markt ist jeder potentielle Zuschauer ein Gewinn – und wer Netflix schauen kann, wechselt vielleicht nicht zu anderen Anbietern.

Außerdem hofft der Anbieter, dass die Schnorrer vielleicht doch irgendwann zu einem eigenen Konto wechseln. Darauf lässt auch die Umfrage schließen – fast 60 Prozent der Befragten gaben an, für einen Zugang zu bezahlen, wenn Netflix die Kontrollen verschärfen würde.

lau