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Politik: Die andere Wahrheit

»Charlie Hebdo«, Finanzkrise, 9/11: ­Verschwörungstheorien boomen. Der ­Soziologe Armin Pfahl-Traughber weiß, warum.

Interview: Alard von Kittlitz | Artwork: Luca Schenardi

Professor Pfahl-Traughber, wir leben offenbar in einer finsteren Welt voller Verschwörungen. Überall wittern die Menschen ein Komplott. Zuletzt behauptete etwa der Oberbürgermeister von Ankara, hinter dem Anschlag auf das Satiremagazin »Charlie Hebdo« in Paris stecke der israelische Geheimdienst Mossad.
Das ist nicht verwunderlich. Solche Theorien entstehen nach jedem öffentlichen Schock-Ereignis.

Aber finden Sie nicht, dass zurzeit viele seltsame Behauptungen aufgestellt werden? Xavier Naidoo hat vor dem Bundestag gesagt, die Alliierten würden Deutschland in Wahrheit immer noch besetzt halten. Und der Autor Udo Ulfkotte schrieb einen Megabestseller, in dem er angeblich nachweist, wie Geheimdienste und Hochfinanz die Medien manipulieren. (1)
Diese Auffassungen sind seit Jahren im Internet präsent und erreichen jetzt eine größere Öffentlichkeit. Die zentrale Funktion von Verschwörungstheorien kann man an der »Charlie Hebdo«-Episode nachvollziehen. Die Vorstellung, dass der Mossad hinter dem An­schlag steckt, ist vor allem unter Muslimen verbreitet, bei Menschen, die nicht glauben wollen, dass sie ihre Religion mit Mördern teilen müssen. Deshalb suchen sie sich einen Sündenbock außerhalb der eigenen Gruppe. Das war auch nach dem 11. September so. (2)

(1) Lügenpresse
Kaum ein Slogan ist auf Pegida-­Demos populärer als »Lügen­presse« (NEON zählt für die Demonstranten sicher auch dazu). Dass Medien versagen, kommt leider tatsächlich vor. Die Otto-Brenner-Stiftung hat kürzlich dokumentiert, wie mangelhaft die mediale Berichterstattung im Fall der rechtsextremen NSU-Mor­de war. Die Öffentlichkeit kann sich jedoch gegen Medienver­sagen wehren – und Propaganda, Desinformation und Korruption bei den Landesmedienanstalten melden oder Gegendarstellungen einfordern.

(2) 9/11
Der Komponist Karlheinz Stockhausen hat den 11. September 2001 als das »größte Kunstwerk, das es je gegeben hat« bezeichnet. Naja. Der Anschlag sorgte in jedem Fall für kunstvolle Verschwörungstheorien. Der Journalist Mathias Bröckers etwa verkaufte mit wirren Gedanken zu 9/11 Hunderttausende Bücher. Besonders populär ist die Idee, die US-Regierung sei selbst dafür verantwortlich.

Verschwörungstheorien sind also ein Versuch, sich von negativen Ereignissen und Prozessen zu distanzieren?
Unter anderem. Verschwörungsauffassungen – diesen Ausdruck finde ich angemessener als »Verschwörungstheorien« – sind im Grunde falsche Ideologien.

Weltanschauungen? Wie Nationalismus oder Kommunismus?
Ideologien sind immer dann erfolgreich, wenn sie gesellschaftliche Grundbedürfnisse bedienen. Sie geben der Welt eine Ordnung. Die Anhänger haben das Gefühl, dass sie auf der Seite des Guten stehen. Verschwörungsauffassungen haben eine ganz ähnliche Funktion. Es geht zentral um die Reduzierung von Komplexität. Man sucht eine einfache Erklärung für dramatische ­Ereignisse. Das ist eine ganz natürliche Reaktion, die man gut an sich selbst beobachten kann. Man verschläft, weil der Wecker nicht klingelt, die Kaffeemaschine geht kaputt, der Bus fällt aus, und schließlich erwischt einen der Chef, wie man zu spät ins Büro kommt. Dann sagt man: »Es hat sich alles gegen mich verschworen.« Der Mensch sucht nach Kausalitäten, Stringenz und einer verantwortlichen Partei.

Wo ist das Hauptquartier? Verschwörungstheoretiker halten sich für klüger als die Masse, die sich vom Schein betügen lässt. Und sie fühlen sich gut dabei.

Aber in einer globalen Welt gibt es natürlich keine einfachen Erklärungen. Alles hängt mit allem zusammen.
Politische Großereignisse sind mitunter so komplex, dass man sie nicht mehr erklären kann. Verschwörungsauf­fassungen helfen uns, diesen beunruhigenden ­Gedanken zu verdrängen. Die ersten systema­tischen Ver­schwö­rungsbücher entstanden bereits nach der Französischen Revolution, ein epochales Ereignis, das eine ganze Gesellschaftsordnung zerstörte. Viele Revolutionsverlierer haben damals Gründe und Schuldige für die Katastrophe gesucht. Statt das eigene politische Ver­halten zu hinterfragen oder die Lage differenziert zu analysieren, entwickelten sie Verschwörungsauf­fassungen. Plötzlich waren die bösen Freimaurer für die Revolution verantwortlich. (3)

(3) Freimaurer
Man darf nicht erwarten, von einem Freimaurer gefragt zu werden, ob man bei seinem Verein mitmachen wolle. Das liegt nicht an Geheimniskrämerei oder Elitedenken, sondern daran, dass sich die berühmt-berüchtigte Organisation engagierte Mitglieder wünscht, die selbst die Initiative ergreifen. Wie das dann geht? Fast alle Logen haben einen Internetauftritt! Theoretisch kann jeder Mitglied in der Organisation werden, die historisch nur deshalb so geheim war, weil sie Herrschern kritisch gegenüberstand und oft verfolgt wurde.

Die hinter den Kulissen die Fäden gezogen haben?
Genau. Anhänger einer Verschwörungsauffassung meinen immer, dass sie hinter den Schleier der Weltpolitik blicken könnten. Sie sind schlauer als die Masse, die sich durch den Schein täuschen lässt – dadurch wertet man sich natürlich selbst massiv auf.

Ist es sehr arrogant, wenn ich sage: Verschwörungsthe­o­rien sind was für Trottel, die gerne in einer einfachen Welt leben würden? Können Bildung und Erziehung gegen solche Ideen nicht helfen?
Historisch gesehen nicht. In der Folge der Französischen Revolution entwickelten auch hochgebildete Leute Verschwörungsauffassungen. Auch im 20. Jahrhundert existiert dieses Phänomen: Der Industrie­magnat Henry Ford zum Beispiel war ein fanatischer Juden­hasser und vermutete hinter allem und jedem eine jüdi­sche Verschwörung. Ford war dennoch ein sehr intelligenter Mann. Nur weil man eine hohe Bildung hat, ist man nicht automatisch in der Lage, gesellschaftliche Entwicklungen differenziert zu betrachten. Das ist auch eine Einstellungs- und Mentalitätsfrage.

Im Januar wurde eine Studie veröffentlicht, wonach die Pegida-Anhänger, die gegen eine vermeintliche »Lügenpresse« und »islamische Verschwörung« protes­tieren, im Schnitt einen hohen Bildungsgrad haben.
Pegida funktioniert an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt. Man darf nicht vergessen, dass rechte Positionen in Sachsen schon seit einiger Zeit auf überdurchschnittliche Zustimmung stoßen. 2004 erhielt die NPD bei der Landtagswahl über neun Prozent der Stimmen. 2014 kam die AfD ebenfalls auf knapp zehn Prozent. In Dresden wird gerade sehr erfolg­reich eine sehr bestimmte soziale Klientel angesprochen. Das sieht man auch daran, dass die Pegida-Nachahmer in anderen Städten nur wenig Erfolg haben.

Was für eine Bevölkerungsgruppe ist das genau?
Das sind Menschen, die allgemein politisch unzufrieden sind und deshalb Randparteien oder vielleicht auch gar nicht wählen. Dass diese Bewegung »gegen die Islamisierung des Abendlandes« protestiert, ist in Wahrheit nichts weiter als ein Vorwand. In Dresden sind nur 0,4 Pro­zent der Einwohner Muslime. Die aggressivsten Parolen richten sich nicht gegen Migranten, sondern gegen die »Lügenpresse« und die »Volksverräter« in der Politik.

Was ist denn hier schon wieder los? Es gibt Evergreens der Verschwörungstheorien: Ufos, Aliens, Freimaurer, SS und Juden sind meistens ingendwie involviert.

Es ist sehr schwer, mit Pegida-Anhängern zu diskutieren. Wenn man diese Leute mit Tatsachen, also etwa einem muslimischen Bevölkerungsanteil von 0,4 Prozent, konfrontiert, behaupten sie, dass es eine Dunkelziffer gebe. Oder dass die Lügenpresse wieder lügt. An Fakten scheinen sie nicht interessiert zu sein.
Das ist in der Tat ein Problem. Verschwörungsideologien basieren in der Regel auf einem Zirkelschluss. 0,4 Prozent Muslime – das passt nicht ins Weltbild und muss eine Lüge sein. Andersherum sucht man natürlich überall nach Informationen, mit denen man seine Sicht der Dinge bestätigen kann.

Fast wie in einer Sekte.
Das ist eine kommunikative Parallelgesellschaft, die sich von der Öffentlichkeit abkapselt. (4) Kurioserweise machen die Pegida-Leute damit genau das, was sie den Migranten vorwerfen: Sie ziehen sich zurück.

(4) Parallelgesellschaft
Die Pegida-Facebook-Seite hat mehr als 150 000 Likes. Auf rechts­lastigen Webseiten wie dem »PI-Blog« wird wiederum für Bücher geworben, die vor einer »Islamisierung« warnen. Im Netz bildet sich ein eigener Nachrichtenkosmos, in dem man unter sich bleibt – und kein Blatt mehr vor den Mund nehmen muss. Kürzlich tauchten Social-Media-Botschaf­ten von Ex-Pegida-Chef Bachmann auf, in denen er Ausländer offenbar als »Dreckspack« und Jogi Löw als »Bundesschwuchtel« beschimpfte.

Auf welche Art und Weise kann man die Demonstranten wieder in den gesellschaftlichen Diskurs einbinden?
Leicht wird das nicht. Aufklärung scheint mir trotzdem wichtig, weil es in jeder Bewegung auch Unentschlossene gibt, die man mit Informationen konfrontieren muss, die ihr Weltbild erschüttern.

So richtig versteht man das nicht: Welches Interesse soll­ten die Medien eigentlich haben, die Öffentlichkeit – ihre Zielgruppe – systematisch zu belügen?
Dieser Eindruck entsteht, weil die Aktivisten ihre ei­gene Wahrnehmung in den Medien nicht wiederfinden. Aus der Perspektive der Konspirationsgläubigen muss das an einer großen Verschwörung liegen. Was Pegida in letzter Konsequenz glaubt, würde mich auch sehr interessieren. Die deuten immer an, dass Medien und Politik eine Islamisierung vorantreiben würden. Ich würde diese Leute gerne mal fragen, wie man sich das konkret vorstellen muss. Mächtige Vertreter des Islams treffen also eine Übereinkunft mit den politischen Akteuren und den Medien. Warum sollte die Kanz­lerin eine »Islamisierung« wollen? Warum die Medien? Und wie würde das ablaufen? Frau Merkel trifft sich mit einem führenden Repräsentanten des Islams – wer auch immer das genau sein soll – und vereinbart die ge­heime »Islamisierung« Deutschlands. Ich glaube, die Pegida-Anhänger könnten die Komplotte, von denen sie sprechen, gar nicht systematisieren. Das ist alles in letzter Konsequenz zu absurd.

Aber irgendwo müssen diese Fantasien ja herkommen. Wie entsteht eine Verschwörungstheorie?
Manchmal steckt eine reale Verschwörung hinter eine Verschwörungsideologie. Ein historisch bedeutsames Beispiel sind die »Protokolle der Weisen von Zion«. (5) Dieser Text sollte als Beweis einer »jüdischen Weltverschwörung« dienen, wurde aber nachweislich vom Geheimdienst des russischen Zaren hergestellt. Der wollte die antisemitische Stimmung in Russland anheizen, um seine Herrschaft zu festigen und liberale Reformen zu verhindern. Indem man die Juden als Weltverschwörer anprangerte, machte man jede Änderung der Herrschaftsverhältnisse verdächtig.

(5) Propaganda
Dass es sich bei den »Protokollen der Weisen von Zion« um ein antisemitisches Lügenkonstrukt handelt, war schon 1921 bekannt. Adolf Hitler berief sich dennoch explizit auf den Text. Die Philosophin Hannah Arendt vertrat die These, dass Hitler sich von den »Protokollen« nicht nur in seinem Weltbild bestätigen ließ, sondern sich dort auch andere Dinge abschaute. Die Nazis hätten sich mehr oder weniger bewusst nach dem Vorbild der fiktiven Geheimgesellschaft organisiert, die in dem Text beschrieben wird.

Kann es sein, dass hinter Verschwörungstheorien immer Xenophobie oder Rassismus stecken?
Religiöse und ethnische Aspekte wirken als verstärkende Faktoren. Aber eigentlich geht es darum, eine »Wir gegen die«-Konstellation zu erzeugen.

Und wie verbreiten sich die Verschwörungstheorien dann in der Welt?
Diese Ideen wurden früher über Zeitungen und Bücher transportiert, die man in spezialisierten Buchhandlungen suchen musste. Heute ist das alles online. Das In­ternet schafft Mikroöffentlichkeiten: Man bewegt sich nur in Foren oder auf Facebook-Seiten, auf denen die eigene Meinung gespiegelt und verstärkt wird. Manchmal spielt auch ein bestehendes Netzwerk eine Rolle. Für eine Weile kursierte zum Beispiel die Legen­de, dass die CIA das Aidsvirus gezüchtet hätte. Heute ­wissen wir, dass sich der sowjetische Geheimdienst die Geschichte ausgedacht hat, um den USA zu schaden. (6) Die Sowjets haben diese Behauptung erst mittels eines Leserbriefs in einer indischen Zeitung getestet. Später spielte man die falschen Informationen Medizinern zu, die die Theorie dann in einer Fachzeitschrift veröffentlichten. Danach fand die Geschichte viele Anhänger.

(6) False Flag
Der Ausdruck stammt aus der Seefahrt. »Unter falscher Flagge segeln« bedeutet, eine falsche Identität anzunehmen. Als »false flag« bezeichnet man auch eine politische Aktion, die man seinen Gegnern zuschreibt. Ein gruseliges Beispiel für diese Taktik waren die rechtsextremen »Stay-behind-Organisationen«, die bis in die 80er Jahre Anschläge in Europa verübten und höchstwahrscheinlich von Geheimdiensten gesteuert wurden – die Anschläge schob man den Linken in die Schuhe.

Das wird also systematisch angegangen.
Geheimdienste wissen, wie man so etwas macht. Eine Verschwörungsauffassung kann sich aber auch über Mund-zu-Mund-Propaganda verbreiten. Zum Bei­spiel die Legende, dass die Warsteiner-Brauerei einer der wichtigsten Unterstützer von Scientology sei, was natür­lich nicht stimmt. Diese Geschichte stand nie in einer Zeitung, kursierte aber in den Bars.

Und sind diese Theorien am Ende alle Unsinn? Oder gab und gibt es vernünftige Verschwörungstheorien?
Es gibt natürlich Ereignisse, die bis heute nicht über­zeugend geklärt sind und über die viel spekuliert wird. Ich spreche in diesem Fall dann von Verschwörungshypo­thesen. Zum Beispiel das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy. Es heißt, Lee Harvey Oswald war ein Einzeltäter. Es gibt allerdings gute Gründe, an der offi­ziellen Version zu zweifeln. Es gibt verschiedene Hypo­thesen, wer sonst noch hinter dem Attentat stecken könnte: War es die Mafia, der kubanische Geheimdienst oder gar die CIA? Man muss dann die verschiedenen Hypothesen durcharbeiten und schauen, ob sich eine bestätigen lässt. Eine Verschwörungshypothese ist aber immer überprüfbar, man kann sie beweisen oder nicht. Eine Verschwörungsideologie hingegen sperrt sich gegen Fakten und Beweise.

Beschränkt sich: Verschwörungstheorien beruhen auf selektiver Wahrnehmung. Wahr kann nur sein, was die eigenen Meinung bestätigt.

Den Verschwörungstheoretikern muss man immerhin zugutehalten, dass sie den Mächtigen alles zutrauen. Der Mainstream ist naiver. Wenn man sich anguckt, was Geheimdienste alles so machen – Stichwort NSA –, muss man sich doch fast fragen, ob die Paranoiker nicht doch recht haben.
Der NSA-Skandal war natürlich Wasser auf den Mühlen der Verschwörungsgläubigen. Dass der Nachrichtendienst der größten parlamentarischen Demo­kratie der Welt so viele Menschen abhört, hat viele scho­ckiert. Danach ist es leichter, zu sagen: Wenn die das machen, dann ist ihnen der Rest ja wohl auch zuzu­trauen.

Was ist denn mit total kruden Vorstellungen? Der Brite David Icke behauptet, dass Reptilienmenschen die Welt regieren? (7)
Solche Aussagen gibt es auch in Deutschland. In den 1990er Jahren war das Buch »Geheimgesellschaften« von Jan van Helsing ein echter Bestseller. Der Autor behauptete, die Illuminaten würden die Welt regieren. Ufos sind laut van Helsing ebenfalls real und werden von deutschen SS-Männern gesteuert, die wiederum mit Aliens kooperieren. Das Buch hatte eine Auflage von 200 000 Exemplaren. Von solchen Auflagen kann ich als Wissenschaftler nur träumen.

(7) Fünf Verschwörungstheorien aus dem Netz

1. Jeder 25. Mensch ist eine humanoide, formwandelnde Eidechse aus dem All. Diese Theorie stammt vom Briten David Icke, einem Ex-Fußballprofi und Ex-Grünen, der heute bekennender Antisemit ist.
2. Die Ice Bucket Challenge ist in Wahrheit ein satanisches Taufritual. Das behaupten Menschen, die geheimnisvolle Symbole in den Videos entdeckt haben wollen.
3. Das Jahr 2015 ist eigentlich das Jahr 1718. Laut Anhängern der »Phantomzeit«-These sollen die Jahre 614 bis 911 eine Erfindung sein – und Karl der Große soll nie gelebt haben. Ein Argument ist die geringe Anzahl an Dokumenten aus dieser Zeit (es existieren weltweit nur etwa 7000 Schriftstücke).
4. Der Teilchenbeschleuniger LHC des CERN ist ein Sternentor und soll den ägyptischen Gott Osiris wieder ins Leben rufen. Saddam Hussein besaß übrigens ebenfalls so ein Tor.
5. Der Mond ist nicht echt. Es handelt sich um eine Projektion. Welchem Zweck sie dient, bleibt unklar.

Aber wie kann man solche Fantasien denn nur ansatzweise glauben?
Wahrscheinlich steckt dahinter auch das Vergnügen, eine andere Wirklichkeit zu kennen als der Rest der Menschheit. Diese Autoren schreiben die Weltgeschichte um. Die ersten Ufo-Sichtungen hat es laut van Helsing in der Antike gegeben. Diese Verschwörungsauffassungen überspannen oft Jahrtausende.

Der Schwachsinn ist episch.
Das sind Gegenwirklichkeiten.

Und wie unterscheidet man als normaler Mensch zwischen Wahn und Wirklichkeit?
Man kann sich an eine alte Regel des Philosophen Karl Popper halten. Laut Popper kann eine Theorie nur so lange als empirisch oder wissenschaftlich gelten, wie sie »falsifizierbar« ist. Eine ernst zu nehmende These über die Wirklichkeit muss überprüfbar sein und sie muss sich dieser Prüfung auch stellen. Man kann sich aber auch fragen, ob Verschwörungsauffassungen ei­gent­lich logisch schlüssig sind: Was wäre, wenn das wirklich stimmen würde?

Wie eben bei den Behauptungen von Pegida?
Ja. Kann es wirklich sein, dass die Medien systema­tisch lügen und die Politik die Bevölkerung verrät und Deutschland dem Islam ausliefert? Welchen Interessen wäre damit gedient? Auf einer Pegida-Demo gab es ein Plakat mit einer Fotomontage, die Angela Merkel mit Hidschab zeigt. Glaubt das jemand? Will die Kanzlerin mit Kopftuch herumlaufen?

Armin Pfahl-Traughber, 51, ist Politikwissenschaftler und ­Soziologe. Er lehrt an der Fachhoch­schule des ­Bundes in Brühl. Seine Arbeitsschwerpunkte sind unter ­an­derem politischer Ex­tremismus und politische Ideengeschichte.


Dieser Text ist in der Ausgabe 03/15von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte des NEON-Magazins nachbestellt werden. Alle Ausgaben seit September 2013 gibt es auch digital in der NEON-App.