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Demonstrationen für den Klimaschutz Berliner "Fridays for Future"-Schülern droht das Sitzenbleiben

Demonstranten halten ein Schild hoch: "Ich verpass' Mathe, ihr die Chance".
Schülerinnen und Schüler demonstrieren jeden Freitag bei "Fridays for Future" für eine bessere Klimapolitik – und müssen dafür auch mal den Matheunterricht schwänzen
© Kay Nietfeld / DPA
Jeden Freitag demonstrieren deutschlandweit Schülerinnen und Schüler für eine bessere Klimapolitik. Trotz der Wichtigkeit von "Fridays for Future" wird die Fehlzeit als Schwänzen vermerkt. Nun droht 13 Berliner Gymnasiasten das Sitzenbleiben.

Viele Schülerinnen und Schüler setzen sich jeden Freitag für den Klimaschutz und eine bessere Klimapolitik ein – damit unsere und auch die kommenden Generationen auf dieser Welt leben können. Die Politiker wachrütteln und die Ignoranz eines Landes, in dem uns so unbewusst ist, was unser Lebensstil anrichtet, abschütteln, das ist das Ziel dieser Demonstrationen. Ein Thema, dessen Wichtigkeit und Aktualität über allem stehen sollte – aber wohl nicht über der Schulpolitik, da sind sich viele Politiker, Lehrer und Klimaleugner einig. Christian Lindner sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, er habe "ein Problem damit, dass diese Proteste während der Schulzeit stattfinden". Es mache ihn "fassungslos, dass Schulschwänzen von manchen Politikern heiliggesprochen wird". Hier handele es sich schließlich um einen Regelbruch, betonte Lindner.

Versetzung in die zehnte Klasse gefährdet

Auch viele Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums in Berlin-Wedding nehmen freitags an den Demonstrationen teil. Eine Schülerin sagt nun, dass ihr und 12 weiteren Schülern mit dem Wiederholen der Klasse gedroht wurde, "wenn wir nicht jeden Freitag bis zu den Sommerferien zur Schule gehen“, berichtet die "Welt". Die Lehrer und die Schulleitung sehen die Fehlzeit als Schwänzen an. Damit würden die Neuntklässler nicht auf genug Stunden kommen, um in die zehnte Klasse versetzt zu werden. Das sei vor allem bei Fächern problematisch, die nur freitags angeboten werden.

Auf der Website des Gymnasiums äußert sich der Schulleiter Michael Wüstenberg zu den "Fridays for Future"-Demonstrationen. Er verfasste bereits im Februar 2019 ein Schreiben an die Eltern und bittet um Informationen, ob sie von dem Fehlen ihrer Kinder wissen, "da die Schule sonst aktiv die Kinder am Verlassen des Schulgeländes hindern müsste. Die Fehlzeit wird auf dem Zeugnis als unentschuldigte Fehlzeit vermerkt." Die Thematik der Demonstrationen halte er allerdings für "unterstützenswert. Trotzdem müssen wir hinsichtlich des Zeugnisvermerkes diese Demonstration am Vormittag wie andere auch behandeln."

Anfang Juni entscheidet die Schule über die Versetzung

Am Ende des Schuljahrs soll in den Notenkonferenzen für jeden Schüler, der regelmäßig an den "Fridays for Future"-Demonstrationen teilnimmt, individuell geprüft werden, ob die Versetzung vorgenommen werden kann. Die Schule ist dabei an das Berliner Schulgesetz gebunden. Darin steht, dass Schüler für das unentschuldigtem Fehlen bei einer Klassenarbeit eine Sechs erhalten. Eine bessere Zeugnisnote kann nur vergeben werden, wenn der Schüler mindestens sechs Wochen am Stück oder insgesamt acht Wochen im Schuljahr am jeweiligen Unterrichtsfach teilgenommen hat. Die Schule werden Anfang Juni entscheiden, ob die 13 Schülerinnen und Schüler in die zehnte Klasse versetzt werden. 

Quellen: "Welt", Website des Lessing-Gymnasiums in Berlin-Wedding 

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