HOME

ZDF-Diskussionsrunde: Was passiert, wenn der politisch interessierte Nachwuchs fragt und Politiker (nicht) antworten

Im ZDF konnten Bürger die Spitzenkandidaten zur Europawahl befragen. Auch "Fridays for Future"-Mitstreiter nutzten die Gelegenheit. Und bekamen eher schwammige Antworten.

ZDF-Sendung "Wie geht's, Europa?": Wenn "Fridays for Future" fragt und die Politik (nicht) antwortet

Zu Gast bei "Wie geht's, Europa?" im ZDF (v. l.): Jörg Meuthen (AfD), Nicola Beer (FDP(, Katarina Barley (SPD), Manfred Weber (CDU/CSU), Özlem Alev Demirel (Die Linke) und Sven Giegold (Grüne)

DPA

Angenommen, du stellst deinem Gegenüber eine Frage. Du bekommst eine Antwort, eine ausführliche noch dazu – bis es dir irgendwann dünkt: Danach habe ich doch eigentlich gar nicht gefragt. Vielleicht würdest du den Kopf schütteln, schmunzeln, mitunter lautstark auflachen. So wie es sechs Schülerinnen und Schüler aus Berlin getan haben, als sie sich in dieser Situation wiederfanden.

"Wie geht's, Europa?", wollte das ZDF am Dienstagabend wissen. Von den sechs Spitzenkandidaten zur Europawahl, aber auch von den Bürgerinnen und Bürgern, die in einen Dialog mit den Politikern von CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP und AfD treten sollten. So jedenfalls der Plan. 

Die sechs Schülerinnen und Schüler, die sich allesamt in der "Fridays for Future"-Bewegung engagieren, wollten über Klimaschutz sprechen. Grob gesagt. Sie stellten ihre Fragen und bekamen auch Antworten. Böse Zungen würden behaupten, es waren auch viele Worthülsen und unverständliche Bandwurmsätze dabei, die sich wenig auf die ursprüngliche Frage bezogen. 

NEON hat die Fragen der "Fridays for Future"-Mitstreiterinnen und Mitstreiter und die Antworten der Spitzenkandidaten zum Nachlesen verschriftlicht – dabei weder Inhalt noch Syntax bearbeitet. In den Bilderstrecken kannst du dich durch die vollständigen Antworten der Politiker klicken. Die Sendung "Wie geht's, Europa?" findest du hier in der ZDF-Mediathek.

1. Frage: Die (moralische) Veranwortung

Hintergrund: Die Frage wird in die Runde gegeben, die ZDF-Moderatoren stellen nach den Antworten zum Teil konkrete Nachfragen.

So lautet die erste Frage (ab 1:14:53): "Die Klimaziele des Pariser Klimaabkommens gibt es nicht ohne Grund. Auch deutsche Vertreterinnen saßen mit am Tisch. Ist es nicht Ihre Aufgabe, diese Ziele so vehement wie möglich im Europaparlament zu vertreten und die Wirtschaft so umzustrukturieren, dass Sie dem 1,5-Grad-Ziel konform ist? Haben Sie nicht in gewisser Weise auch eine moralische Verantwortung gegenüber den Kindern, die noch nicht wählen können, und unserem Planeten?"

So lauten die Antworten (ab 1:15:25):

So antworten die Spitzenpolitiker zur Europawahl
Manfred Weber, Spitzenkandidat der CDU/CSU

Manfred Weber (CDU/CSU)

"Ich möchte zunächst 'Respekt' sagen vor den jungen Leuten. Es heißt immer, junge Leute sind nicht engagiert. Ihr zeigt das Gegenteil, deswegen Respekt. Es ist eine Mahnung weiterzugehen. Ich bin als Europapolitiker schon, ehrlich gesagt, ein Stück weit stolz, weil wir die Welt zu diesem Pariser abkommen gebracht haben. Das Ziel im Jahr 2050 eine CO2-neutrale Wirtschaft zu etablieren in Europa. Das ist ein starkes Ziel, ist aber auch sozusagen der Vorreiter auf der Welt. Das haben wir als Europäer gemeinsam geschafft. Es gibt aber Streit und Debatte um den Weg und den muss es auch geben zwischen den demokratischen Parteien. Ich bin zum Beispiel nicht der Meinung, dass wenn wir die Steuern erhöhen – für's Heizöl, für den Treibstoff wenn man zum Tanken fährt – dass das das richtige Tool ist; die richtige Methode ist. Weil dann werden nämlich die Ärmeren in der Gesellschaft, der Rentner, der es sich nicht leisten kann, aber auch die Pendler im ländlichen Raum dafür bezahlen. Deshalb bin ich der Meinung: Lassen Sie uns Innovationen machen, neue Produkte. Ich bin selbst Umweltingenieur, ich habe das studiert und sag' Innovation ist das zentrale Tool. Und lassen Sie uns das europäische Emissionshandel -System dafür nutzen, um entsprechend CO2 auch zu bepreisen."

AFP

Zur Erinnerung: Die Eingangsfrage lautete, ob es nicht auch eine (moralische) Verantwortung gebe, die vereinbarten Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen umzusetzen.

2. Frage: Der Wille zum Wandel

Hintergrund: Die Frage ist eine Reaktion auf die eben gegebenen Antworten. Manfred Weber (CDU/CSU) antwortet direkt auf die Frage, Sven Giegold (Grüne) und Jörg Meuthen (AfD) werden nach dessen Antwort an den runden Tisch gebeten und sollen innerhalb von zwei Minuten Face-to-Face über die Frage diskutieren.

So lautet die zweite Frage (ab 1:21:45): "Das Problem ist: Uns läuft eben die Zeit davon. Wir brauchen jetzt schnell konkrete Maßnahmen. Und Herr Weber und Frau Beer, Sie haben das jetzt angesprochen, dass man europaweite Lösungen braucht. Aber in letzter Zeit in Deutschland wurden alle konkreten Maßnahmen eben immer darauf verschoben, dass man das alles auf einer internationalen Ebene umsetzen muss. Jetzt stehen wir genau vor so einer Wahl und danach stehen Sie auf einer internationalen Ebene und müssen diese Sachen umsetzen. Werden Sie dann all' Ihre Kraft da rein investieren? Werden Sie denn dann für den schnellstmöglichen Kohleausstieg kämpfen? Werden Sie dann die Subventionen für klimaschädliche Dinge beseitigen? Und werden Sie sich für eine Verkehrswende vom Auto zum Bahnfahren einsetzen?"

So lauten die Antworten (ab 1:22:55):

So antworten die Spitzenpolitiker zur Europawahl
Manfred Weber (CDU/CSU)

Manfred Weber (CDU/CSU)

"Wir wollen die Maßnahmen und wir wollen die Ziele erreichen. Aber ich bleibe dabei, und ich glaube das ist schon eine Diskussion wert, dass wir auch die sozialen Fragen, die damit verbunden sind ... Ich war beispielsweise bei Volkswagen und habe da vor 15.000 Mitarbeitern gesprochen und die 15.000 Mitarbeiter haben Sorge, dass ihre Arbeitsplätze kaputt gehen, wenn wir die Auflagen zu schnell umsetzen. Das muss berücksichtigt werden. Ich will die Sachen zusammenbringen, ich will den ambitionierten Klimaschutz, aber ich will auch, dass die Arbeitsplätze erhalten werden und dass die Armen in der Gesellschaft das alles bezahlen können."

AFP

Zur Erinnerung: Die Eingangsfrage lautete, wer den politischen Willen im EU-Parlament aufbringen wird – etwa, indem eine Verkehrswende vom Auto zum Bahnfahren eingeleitet wird.

Laaaaange Antworten, die bei den Schülerinnen und Schülern weniger für lange als amüsierte Gesichter gesorgt haben: Immer wieder blickte die Gruppe fragend bis frivol drein, schüttelte zum Teil den Kopf über einige der Ausführungen, nickte aber auch hier und da – offenbar – einige der Positionen ab.

Am Ende bleibt wohl die Erkenntnis: Die Frage "Wie geht's, Europa?", und weitere Fragen, die damit einhergehen, sind offenbar nicht einfach (und knapp) zu beantworten.

Umfrage Europawahl
fs
Themen in diesem Artikel