Ecstasy im Champagner: Französischer Ex-Senator zu vier Jahren Haft verurteilt

Ex-Senator Joël Guerriau
Ex-Senator Joël Guerriau
© AFP
Weil er einer Abgeordneten Ecstasy in den Champagner gegeben hat, um sie zu vergewaltigen, ist der ehemalige französische Senator Joël Guerriau zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Guerriaus Vergewaltigungsabsichten seien unter anderem dadurch ersichtlich geworden, dass er die Frau dazu gedrängt habe, den Champagner mit den aufgelösten Drogen zu trinken, sagte der Richter am Dienstag. 

Der Akt sei "vorbereitet und geplant" gewesen, hatte Staatsanwalt Benjamin Coulon in seinem Plädoyer betont. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Haft, davon eines mit Bewährung, gefordert. Das Urteil sieht vor, dass Guerriau frühestens nach anderthalb Jahren auf Bewährung freikommen kann. Sein Anwalt kündigte an, in Berufung zu gehen.

Der Staatsanwalt hatte zudem darauf verwiesen, dass der frühere Senator aus dem Regierungslager 2018 selbst für das Gesetz gestimmt hatte, das den Tatbestand einer "Verabreichung schädlicher Substanzen mit dem Ziel einer Vergewaltigung" schuf. Die Höchststrafe dafür liegt bei fünf Jahren Haft und 75.000 Euro Geldstrafe. 

Der 68-Jährige hatte die Vorwürfe während des Verfahrens zurückgewiesen und von einem "Versehen" gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hielt ihm jedoch seine - später gelöschten - Internetrecherchen nach "Drogen und Vergewaltigung" und "Wirkung von Ecstasy" vor. 

Der Fall hatte in Frankreich Aufsehen erregt. Guerriau hatte die damals 48 Jahre alte Abgeordnete Sandrine Josso im November 2023 in seine Wohnung eingeladen, um auf seine Wiederwahl anzustoßen. Josso berichtete später, dass ihr Gastgeber sie mehrfach aufgefordert habe, mit ihm anzustoßen und viel zu trinken. Er habe außerdem mehrfach das Licht an- und ausgemacht und in der Küche mit einem Tütchen hantiert. 

Nach dem Champagner sei ihr sehr schlecht geworden. Sie floh aus der Wohnung und erstattete Anzeige. In ihrem Blut wurde eine hohe Dosis Ecstasy nachgewiesen, deutlich mehr als jemand einnimmt, der sich davon einen positiven Effekt erhofft. Sie sei "der Falle entkommen", sagte sie den Ermittlern.

Guerriau erklärte hingegen, dass er sich die Partydroge zum eigenen Gebrauch besorgt habe, weil er nach dem Tod seiner Katze deprimiert gewesen sei. Er habe das Pulver in einem Champagnerglas aufbewahrt, das er dann versehentlich seiner Kollegin serviert habe. Die Ermittler fanden bei ihm insgesamt 30 Gramm Ecstasy. 

Guerriau blieb nach Bekanntwerden der Affäre noch bis Oktober 2025 Senator. 

AFP