Dem Gesundheitsministerium zufolge flog Israel am Samstag einen Angriff auf ein Gesundheitszentrum in der südlibanesischen Stadt Burdsch Kalawija. Es sei bereits "der zweite Angriff auf das Gesundheitswesen binnen weniger Stunden" gewesen. Zuvor hatte es demnach bereits einen Angriff in Sawaneh gegeben. Dabei wurden dem Ministerium zufolge zwei Sanitäter der pro-iranischen Hisbollah und der mit ihr verbündeten Amal-Gruppierung getötet.
Das Gesundheitsministerium erklärte, seit der neuerlichen Eskalation des Konflikts zwischen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon und Israel Anfang des Monats seien bereits 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens getötet und 51 weitere verletzt worden. Das Ministerium warf Israel vor, immer wieder Sanitäter "ins Visier zu nehmen". Israel beschuldigte seinerseits die Hisbollah, Rettungswagen und medizinische Infrastruktur "für militärische Zwecke" zu nutzen.
Wie libanesische Medien berichteten, flog Israel am Samstag zudem einen Angriff auf ein Wohnhaus im Norden von Beirut. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, klaffte in dem Haus im dicht besiedelten Stadtteil Nabaa-Burdsch Hammoud nach dem Angriff ein Loch. Am Angriffsort, der außerhalb der Hochburgen der Hisbollah in den südlichen Vororten Beiruts liegt, waren Rettungskräfte im Einsatz. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurde ein Mensch getötet, vier weitere wurden verletzt.
In einem Vorort der südlibanesischen Hafenstadt Sidon griff Israel libanesischen Medienberichten zufolge ebenfalls ein Wohnhaus an. Wie ein AFP-Reporter berichtete, verursachte der Angriff einen Brand.
"Wir haben uns auf eine lange Konfrontation eingestellt", sagte Hisbollah-Chef Naim Kassem am Freitag in einer Fernsehansprache. Die Israelis müssten mit "Überraschungen auf dem Schlachtfeld" rechnen, warnte der Hisbollah-Chef, der von einem "existenziellen Kampf" sprach.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte dem Libanon zuvor mit weiteren Angriffen auf die Infrastruktur des Landes gedroht. Sollte die Regierung in Beirut ihrer Verpflichtung zur Entwaffnung der Hisbollah nicht nachkommen, werde Israel auch die Kontrolle über libanesische Gebiete übernehmen.
Die Entwaffnung der Hisbollah ist Teil der Vereinbarungen zur Waffenruhe, die Israel und die pro-iranische Miliz im November 2024 vereinbart hatten. Die libanesische Armee hatte im Januar erklärt, die erste Phase der Hisbollah-Entwaffnung abgeschlossen zu haben. UN-Generalsekretär António Guterres, der am Freitag in den Libanon reiste, kam nach Armeeangaben am Samstag mit dem libanesischen Armeechef Rodolphe Haykal zusammen, um über die Waffenruhe und die Entwaffnung der Hisbollah zu beraten.
Der französische Präsident Emmanuel Macron rief Israel unterdessen zu direkten Gesprächen mit der libanesischen Regierung auf. Die libanesische Regierung habe "ihre Bereitschaft signalisiert, direkte Gespräche mit Israel aufzunehmen", schrieb Macron im Onlinedienst X. Frankreich sei bereit, solche Gespräche zu unterstützen, "indem es sie in Paris ausrichtet".