Jez wies vor Gericht alle Vorwürfe zurück. Wenn er selbst "die beiden Fälle nicht gemeldet hätte, würde dieser Prozess nicht stattfinden", erklärte er. "Paradoxerweise" werde er für sein Verantwortungsbewusstsein angeklagt. Allerdings hatte der Bischof nach Angaben der Anklage die Fälle jahrelang verschwiegen.
Einer der beiden Priester, die Jez zunächst nicht meldete, soll 95 Kinder missbraucht und Sexualstraftaten gegen 77 Kinder begangen haben. Es handelte sich um einen der größten Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Polen. Die Fälle reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Keiner der beiden Priester wurde angeklagt. In manchen Fällen vergingen zu viele Jahre seit des mutmaßlichen Missbrauchs. In anderen erinnerten sich die Opfer nicht an den genauen Zeitpunkt des Missbrauchs.
Frühere Versuche, Ermittlungen gegen Geistliche wegen mutmaßlicher Vertuschung und Verschleierung einzuleiten, waren gescheitert - mit der Begründung, dass das Strafgesetzbuch die Meldung an die Polizei nicht vorschreibe. Seit einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2017 ist es jedoch verpflichtend, Fälle von Sexualstraftaten gegen Kinder unter 15 Jahren zu melden.
Bis vor kurzem schien Polen sich dem europäischen Trend der Säkularisierung zu widersetzen: 88,8 Prozent der Polen gaben an, ein "Zugehörigkeitsgefühl" zur katholischen Kirche zu haben. Durch Missbrauchsskandale in der Kirche, den Widerstand vieler Menschen gegen die strengen Abtreibungsgesetze in Polen, und die Sorge vor der Einmischung der Kirche in die Politik ging die Zahl praktizierender Katholiken zuletzt jedoch stark zurück.