Katholischer Reformer Bätzing tritt als Chef der Deutschen Bischofskonferenz ab

Georg Bätzing setzte sich unter anderem für Frauen in der katholischen Kirche ein
Georg Bätzing setzte sich unter anderem für Frauen in der katholischen Kirche ein
© Panama Pictures / Action Press
Georg Bätzing setzte sich für Reformen in der katholischen Kirche ein. Seinen Kurs missfiel einigen. Jetzt zieht sich Bätzing von einem hohen Amt zurück. Wer werd sein Nachfolger?

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, gibt sein Amt ab. Bei der am 23. Februar beginnenden turnusmäßigen Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Würzburg stehe er nicht für eine erneute Wahl zur Verfügung, hieß es in einem am Montag in Bonn veröffentlichten Brief Bätzings an die übrigen Mitglieder der Bischofskonferenz. "Ich habe mich dazu nach Beratung und reiflicher Überlegung entschieden", teilte der Bischof von Limburg in dem Schreiben ohne genauere Angaben zu den Gründen für den Schritt mit.

Der Limburger Oberhirte war 2020 an die Spitze der Bischofskonferenz gewählt worden und hätte nach sechsjähriger Amtszeit Ende Februar bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Würzburg zur Wiederwahl antreten müssen. "Jetzt ist es Zeit, diese für die Arbeit der Bischofskonferenz wichtige Aufgabe in andere Hände zu legen – und ich bin mir sicher, es wird gut weitergehen", hieß es in dessen Schreiben weiter.

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller tippt auf den Paderborner Erschbischof Udo Bentz als neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Falls Bentz Ende Februar gewählt werde, werde er vermutlich auf einem vorsichtigen Reformkurs bleiben, aber auch versuchen, die fragmentierte Bischofskonferenz wieder stärker zu einen, sagte Schüller, der das Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster leitet.

Georg Bätzing nicht für alle ein Held in der katholischen Kirche

In dem von der Bischofskonferenz veröffentlichten Brief Bätzings an die anderen Bischöfe bezeichnete er seine Amtszeit als "sechs intensive Jahre". Die Bischöfe hätten "gemeinsam mit vielen anderen aus dem Volk Gottes" viel bewegt und "eine tragfähige Zukunftsgestalt von Kirche in unserem Land" realisieren können.

Gegen Bätzing gab es innerhalb der Bischofskonferenz seit längerer Zeit Widerstand. Der 64-Jährige ist entschiedener Befürworter eines Reformkurses in der katholischen Kirche. Er macht sich zum Beispiel dafür stark, dass Frauen Diakoninnen werden dürfen – eine Vorstufe zum Priesteramt. Auch will er sogenannte Laien – normale Gläubige ohne klerikales Amt – stärker an Entscheidungen beteiligen. Von vielen reformorientierten Kirchenmitgliedern etwa aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wird Bätzing dafür sehr geschätzt. Zu Bätzings Verdiensten gehöre auch, die rechtsextremistische Gefahr, die von der AfD ausgehe, in einer gemeinsamen und einstimmigen Erklärung der deutschen Bischöfe verurteilt zu haben. "Das wird in Erinnerung bleiben und wirken", sagte Kirchenrechtler Schüller.

Deren ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp bedauerte Bätzings Entschluss. "Zugleich hat dieser Schritt meinen vollen Respekt", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Dem ZdK war er ein kollegiales, wahrhaftiges und hochengagiertes Gegenüber. Eine integere, herzliche Persönlichkeit zeichnet Georg Bätzing aus.»"Stetter-Karp erinnerte an den Synodalen Weg, den Bätzing gemeinsam mit dem ZdK organisiert hatte. Hier sei er zukunftsorientiert vorangegangen und habe zugleich mit Augenmaß agiert.

Gleichzeitig zog sich Bätzing mit diesem Reformkurs den Unmut konservativer Bischöfe wie Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln oder Rudolf Voderholzer aus Regensburg zu. Aber auch im Lager der Gemäßigten gab es manchmal Irritation darüber, dass sich Bätzing mit markanten Äußerungen in umstrittenen Themenfeldern positionierte. Ihm wurde vorgeworfen, dies zu tun, ohne vorher geprüft zu haben, ob es dafür schon eine tragfähige Mehrheit gab. Zudem galt Bätzing als nicht besonders gut vernetzt im Vatikan.

AFP
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