Mullallys formelle Amtseinführung findet am 25. März in der Kathedrale von Canterbury statt. Vor dem Gottesdienst in London äußerte sie die Hoffnung, die Kirche in "Zeiten der Spaltung und Unsicherheit" mit "Ruhe, Beständigkeit und Mitgefühl" zu führen. "Es ist ein außergewöhnliches und demütig machendes Privileg, zur 106. Erzbischöfin von Canterbury berufen worden zu sein", erklärte die 63-Jährige.
Die ehemalige Krankenschwester und Mutter von zwei Kindern war im Oktober von König Charles III., dem weltlichen Oberhaupt der Kirche von England, zur Erzbischöfin von Canterbury ernannt worden. Die jahrhundertealte Kirche von England ist die Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft: Der erste Erzbischof von Canterbury war bereits Ende des 6. Jahrhunderts ernannt worden.
Mullallys Ernennung an der Spitze der Anglikanischen Kirche sorgte bei einigen konservativen Mitgliedern für negative Reaktionen. Die Kirche von Uganda etwa bezeichnete die Personalie als "traurige Neuigkeit".
Die Anglikanische Kirche zählt rund 85 Millionen Mitglieder in über 165 Ländern. Nach jahrelangem erbitterten Streit erlaubte die Kirche erst spät, dass Frauen zu Bischöfinnen geweiht werden durften, was erstmals 1989 in den USA geschah. Auch für das Priesterinnenamt wurden weibliche Geistliche seit Anfang der 1990er-Jahre zugelassen.
Mittlerweile sind über 40 der 108 Bischöfe Großbritanniens weiblich. Im Priesteramt ist der Anteil ähnlich hoch. Mullally war 2002 zur Priesterin geweiht worden und wurde 2018 zur ersten Bischöfin von London geweiht.
Mullally bezeichnete sich Berichten zufolge als Feministin. Britischen Medienberichten zufolge fühlt sie sich verpflichtet, sich gegen Frauenfeindlichkeit auszusprechen, wo immer ihr diese begegnet.