Beim natürlich auftretenden Wetterphänomen El Niño erwärmt sich die Wasseroberfläche im Pazifik, was weltweit Auswirkungen auf Wind, Luftdruck und Niederschläge hat. In der Folge steigt das Risiko für Wetterextreme. Üblicherweise tritt das Phänomen alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert zwischen neun und zwölf Monate an.
Den meisten Vorhersagemodellen zufolge werde der kommende El Niño „mindestens mäßig und möglicherweise stark“ ausgeprägt sein, erklärte die WMO bei ihrem vierteljährlichen Update zu dem Wetterphänomen. WMO-Chefin Celeste Saulo forderte weltweit Vorbereitungen auf Extremwetter wie Dürre und Starkregen sowie auf ein „erhöhtes Risiko von Hitzewellen an Land und im Ozean“. Der vorherige El Niño hatte dazu beigetragen, dass 2023 und 2024 global die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren.
Zwischen Ende April und Mitte Mai lagen die Temperaturen an der Meeresoberfläche in Teilen des Pazifik laut WMO knapp unter der El Niño-Schwelle. Unter der Oberfläche lag die Wassertemperatur mehr als sechs Grad Celsius über den Normalwerten.
Der WMO zufolge werden zwischen Juni und August nahezu weltweit überhöhte Temperaturen erwartet. Am Horn von Afrika, Südasien und Mittelamerika wird weniger Niederschlag erwartet als normal.
Den UN-Experten zufolge gibt es bislang keine Belege dafür, dass der Klimawandel die Häufigkeit oder Intensität von El Niños erhöht. Der Klimawandel könne jedoch die mit dem Wetterphänomen einhergehenden Extremwetterereignisse verstärken.
„El Niño steht vor der Tür“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft. Die damit verbundenen Wetterbedingungen drohten „Öl ins Feuer einer sich erhitzenden Welt“ zu gießen. Die „einzig wirksame Antwort“ sei eine Klimapolitik „auf der Höhe der Krise“ mit einem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und einem Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Zudem müssten Frühwarnsysteme für Unwetter ausgebaut werden.