Generationswechsel: Reformer Shah steuert bei Parlamentswahl in Nepal auf Sieg zu

Balendra Shah (M.) mit Siegesurkunde
Balendra Shah (M.) mit Siegesurkunde
© AFP
Bei der Parlamentswahl in Nepal zeichnet sich ein Erdrutschsieg der Partei des 35-jährigen Ex-Rappers und Ex-Bürgermeisters Balendra Shah ab. Der Reformpolitiker besiegte den mehrfachen früheren Regierungschef KP Sharma Oli in einem symbolisch wichtigen Rennen in dessen Wahlkreis, wie die Wahlbehörde am Samstag mitteilte. Shah, bis vor kurzem Bürgermeister von Nepals Hauptstadt Kathmandu, erhielt demnach 68.348 Stimmen, der 74-jährige Politikveteran und Marxist Oli lediglich 18.734.

Auch landesweit war Shahs Mitte-Partei Rastriya Swatantra Party (RSP) nach der Wahl vom Donnerstag auf Erfolgskurs: Die Partei könnte ersten Wahlergebnissen zufolge eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus gewinnen. Allerdings lief die Stimmauszählung am Samstag noch.

Sollte sich der Trend bestätigten, wäre es der von vielen erwartete Generationswechsel bei der Wahl sechs Monate nach dem Sturz der von Oli geführten Regierung durch Massenproteste. Bei der Parlamentswahl waren zahlreiche junge Kandidaten gegen die etablierten Politiker angetreten. Shah hatte das Bürgermeisteramt in Kathmandu aufgegeben, um bei der Wahl anzutreten - und den im September gestürzten Oli direkt in dessen Wahlkreis im Landkreis Jhapa herausgefordert.

Angeführt von Vertretern der zwischen Mitte der 1990er und der 2000er Jahre geborenen Generation Z hatten im September zahlreiche Menschen in dem Himalaya-Staat gegen Korruption und die schlechte Wirtschaftslage demonstriert. Der zunächst friedliche Protest artete in Gewalt aus, als Sicherheitskräfte auf die Demonstranten schossen. Mehr als 70 Menschen wurden getötet, Regierungsgebäude wurden in Brand gesetzt. 

Unter dem Druck der Demonstranten trat Regierungschef Oli schließlich zurück, eine Übergangsregierung unter Leitung der früheren Obersten Richterin Sushila Karki übernahm das Ruder.

Bei der Parlamentswahl vom Donnerstag bewarben sich mehr als 3400 Kandidaten um die 165 direkt vergebenen Parlamentssitze. Die übrigen 110 Sitze werden über Parteilisten besetzt.

fs/ck

AFP