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Hunderte Emder setzen Zeichen gegen Vorverurteilung


Mit einer Protestveranstaltung gegen Lynchjustiz und Vorverurteilungen haben hunderte Emder auf die Geschehnisse nach dem Mord an der elfjährigen Lena vor drei Wochen reagiert.

Mit einer Protestveranstaltung gegen Lynchjustiz und Vorverurteilungen haben hunderte Emder auf die Geschehnisse nach dem Mord an der elfjährigen Lena vor drei Wochen reagiert. Bis zu 1000 Menschen folgten einem Aufruf von Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD), wie ein Polizeisprecher sagte. Die Stadtverwaltung sprach von rund 2500 Demonstranten.

Mit der Aktion sollte ein Zeichen dafür gesetzt werden, dass Emden wegen der Ereignisse der vergangenen Wochen nicht als Hort der Aggressivität wahrgenommen wird. Kurz nach dem Mord hatten Lynchaufrufe gegen einen zwischenzeitlich verdächtigten 17-jährigen Schüler Schlagzeilen gemacht.

Zugleich wurde bei der Veranstaltung auch des getöteten Mädchens gedacht. Das Verbrechen hatte in der 50.000-Einwohnerstadt im niedersächsischen Ostfriesland große Betroffenheit ausgelöst. An einem Trauermarsch wenige Tage nach dem Mord in einem Parkhaus in der Innenstadt nahmen ebenfalls hunderte Menschen teil.

Kurz darauf gab es nach der Festnahme des 17-Jährigen, der sich später jedoch als unschuldig erwies, Gewaltaufrufe im Internet. Rund 50 Menschen versammelten sich vor einer Polizeiwache und riefen dabei nach Angaben der Polizei unter anderem zu Lynchjustiz auf.

Wegen des Mords sitzt inzwischen ein 18-Jähriger in Untersuchungshaft. Er gestand die Tötung, zudem wird er durch DNA-Spuren belastet. Der junge Mann war kurz nach der Freilassung des ersten Verdächtigen gefasst worden. Die Ermittler werfen ihm vor, Lena sexuell missbraucht und dann ermordet zu haben.

Ermittlungen laufen inzwischen auch gegen einen 18-Jährigen, der mit seinen Veröffentlichungen in einem sozialen Netzwerk im Internet den Auflauf vor der Polizeiwache ausgelöst und zu Gewalt aufgerufen hatte. Ihm wird öffentliches Aufrufen zu Straftaten vorgeworfen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft zeigte sich der 18-Jährige in einer Vernehmung "sehr betroffen" über die Folgen seines Handelns und bat alle Betroffenen um Entschuldigung. Er habe sich keine Gedanken über die Tragweite seines Aufrufs gemacht, teilte die Anklagebehörde mit.

AFP AFP

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