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Mehrheit der Deutschen gegen religiöse Beschneidungen

Beschneidungen aus religiösen Gründen werden von einer Mehrheit der Deutschen abgelehnt.

Beschneidungen aus religiösen Gründen werden von einer Mehrheit der Deutschen abgelehnt. In einer Emnid-Umfrage für das Magazin "Focus" stellten sich 56 Prozent der Befragten hinter das umstrittene Urteil des Kölner Landgerichts. 35 Prozent hielten die Entscheidung für nicht richtig, zehn Prozent hatten dazu keine Meinung. Befragt wurden 1000 Menschen.

Das Kölner Landgericht hatte in seiner am Dienstag veröffentlichten Entscheidung die Auffassung vertreten, eine Beschneidung aus religiösen Gründen erfülle den Tatbestand der Körperverletzung. Sie sei auch nicht durch die Einwilligung der Eltern gerechtfertigt, da sie nicht dem Wohl des Kindes entspreche. Dessen Körper werde durch die in Islam und Judentum verbreitete Beschneidung "dauerhaft und irreparabel verändert".

Vertreter von Juden und Muslimen in Deutschland forderten derweil erneut eine Korrektur der Gerichtsentscheidung. "Die Beschneidung ist für den jüdischen Glauben absolut elementar und nicht verhandelbar", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, dem "Focus". "Würde sich die Rechtsprechung des Kölner Landgerichts durchsetzen, dann wäre Deutschland das einzige Land der Welt, in dem Beschneidung verboten wäre."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte, seine Organisation prüfe gerade, die Frage der rituellen Beschneidung über den Instanzenweg vor das Bundesverfassungsgericht zu bringen.

Der SPD-Politiker Reinhold Robbe, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, bekräftigte seine Kritik an der Gerichtsentscheidung. "Wenn dieses Urteil Bestand hat, dann haben wir wirklich ein Problem", sagte er dem "Focus". "Dies würde einen massiven Eingriff in die Religionsfreiheit bedeuten." Dagegen unterstützt der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, das Kölner Urteil, das in der rituellen Beschneidung eine Körperverletzung sieht. "Das ist ein klares Signal zum Schutz des Kindes", sagte er. "Nur weil etwas religiöse Tradition ist, heißt es noch lange nicht, dass es gut ist."

AFP / AFP