Nach Vergewaltigungsvorwürfen: Bangladescher attackieren Polizeiauto mit Verdächtigem

Zusammenstöße in Chattogram
Zusammenstöße in Chattogram
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In Bangladesch ist es zu heftigen Zusammenstößen der Polizei mit wütenden Demonstranten gekommen, die einen wegen Verdachts auf Vergewaltigung eines vierjährigen Mädchens festgenommenen Mann in ihre Gewalt bringen wollten. Bei den sechs Stunden andauernden Konfrontationen in der Stadt Chattogram im Südosten des Landes wurde unter anderem ein Polizeiauto in Brand gesteckt, wie die Behörden am Freitag mitteilten.

Die Demonstranten umringten den Angaben zufolge das Polizeifahrzeug, in dem der Verdächtige transportiert wurde. Die Beamten riefen daraufhin Verstärkung und setzten Tränengas ein, um die Menschen abzuwehren. "Die Situation ist jetzt unter Kontrolle, und der Täter wird heute vor Gericht gestellt", sagte der Sprecher der Polizei in Chattogram, Aminur Rashid, der Nachrichtenagentur AFP. Die Vierjährige befand sich unterdessen im Krankenhaus.

Erst zwei Tage vor den Konfrontationen in Chattogram hatte die mutmaßliche Vergewaltigung und Ermordung eines siebenjährigen Mädchens in der Hauptstadt Dhaka das Land erschüttert. Daraufhin kam es zu stundenlangen Protesten, bei denen auch zahlreiche Straßen blockiert wurden.

Nach Behördenangaben ist die Zahl der gemeldeten Übergriffe auf Frauen und Kinder in dem südasiatischen Land zuletzt stark gestiegen. Menschenrechtsaktivisten machen dafür unter anderem das veraltete Justizsystem verantwortlich. Einer Untersuchung zufolge liegt die Verurteilungsrate in solchen Fällen bei nur rund drei Prozent. "Der Mangel an Gerechtigkeit hat diese Protestwelle ausgelöst", sagte Abu Ahmed Faijul Kabir von der Menschenrechtsrechtsgruppe Ain o Salish Kendra der AFP.

AFP