Kocner und seine ebenfalls angeklagte mutmaßliche Komplizin, die 51-jährige Alena Zsuzsova, plädierten bei dem Prozessauftakt vor einem Sondergericht in der slowakischen Stadt Pezinok (Bösing) auf nicht schuldig. Für den Prozess sind bislang 43 Verhandlungstage angesetzt.
Der 27-jährige Kuciak und seine gleichaltrige Verlobte Martina Kusnirova waren 2018 zu Hause erschossen worden. Kuciak hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und slowakischen Politikern recherchiert und sich auch mit Kocners Geschäften befasst. Kocner stand mit hochrangigen Politikern in Verbindung.
Der Doppelmord hatte europaweit für Erschütterung gesorgt. In der Slowakei löste er eine Krise und die größten Demonstrationen seit dem Ende des Kommunismus aus und führte zum Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Robert Fico, der jedoch seit 2023 wieder Regierungschef ist.
Die Eltern der beiden Opfer waren bei dem Beginn des neuen Prozesses anwesend. "Es ist schwierig, aber wir haben gesagt, dass wir durchhalten werden", sagte der Vater des getöteten Journalisten, Jozef Kuciak, der Nachrichtenagentur AFP. Er hoffe, dass es ein gerechtes Ende gebe. "Wir haben keine andere Wahl, als daran zu glauben", fügte er hinzu.
Reporter ohne Grenzen bezeichnete den Prozess sei als "eine neue Möglichkeit, ein Verbrechen zu aufzuklären, das die Pressefreiheit in der Slowakei und in Europa untergraben hat". Die Journalisten-Organisation rief das Gericht auf, "Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und alle Beweise in dem Fall sorgfältig zu untersuchen".
Kocner und Zsuzsova waren 2020 beide freigesprochen worden, aber der Oberste Gerichtshof hob die Entscheidung wegen "mehrerer Fehler" im Verfahren auf. 2023 wurde Kocner erneut freigesprochen, während Zsuzsova zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. 2025 hob der Oberste Gerichtshof auch diese Urteile auf, da "nicht alle erforderlichen Beweise geprüft worden seien", und ordnete eine weitere Verhandlung des Falls an.
Drei weitere Menschen wurden bereits wegen des Mordes verurteilt, darunter zwei Auftragsmörder, die jeweils Haftstrafen von 25 Jahren verbüßen.
Kocner und Zsuzsova sitzen derzeit beide bereits langjährige Haftstrafen wegen anderer Vergehen ab. Kocner war 2020 unter anderem wegen Urkundenfälschung zu 19 Jahren Haft verurteilt worden. Zsuzsova erhielt wegen der Beteiligung an einem Mord an einem Bürgermeister eine 21-jährige Haftstrafe.