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Standard & Poor's: Ratingriese stuft Bonität Belgiens herab

Die Schuldenkrise in Europa zieht immer weitere Kreise: Die Ratingagentur Standard & Poor's hat am Freitag die Kreditwürdigkeit Belgiens um eine Stufe von "AA+" auf "AA" gesenkt.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat am Freitag die Kreditwürdigkeit Belgiens um eine Stufe von "AA+" auf "AA" gesenkt. Die Agentur führte zur Begründung an, dass die "Schwierigkeiten im Finanzsektor" noch weitere öffentliche Hilfen erforderlich machen könnten - und dies vor einem unsicheren innenpolitischen Hintergrund. Die Herabstufung Belgiens sei mit dem "weltweiten Vertrauensverlust" der Investoren in die Finanzen der Eurozone verbunden, sagte der belgische Finanzminister Didier Reynders der Nachrichtenagentur Belga. Trotzdem bleibe die Note "eine der solidesten in Europa".

Belgien hat seit der Wahl Mitte vergangenen Jahres keine Regierung, weil sich die potenziellen Koalitionspartner nicht einigen können. Der abgewählte Ministerpräsident Yves Leterme führt das Land kommissarisch. Wegen des politischen Stillstands war das hoch verschuldete Belgien mitten in der europäischen Schuldenkrise zuletzt stärker ins Visier der Märkte gerückt. Hinzu kommen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der angeschlagenen belgisch-französischen Bank Dexia.

Die Herabstufung Belgiens ist für die Euro-Zone nur eine von vielen desaströsen Nachrichten. Erst am Donnerstag wurde Portugal auf Ramschniveau herabgestuft. Statt der erhofften Entspannung nach den Regierungswechseln in Italien und Griechenland brauen sich neue dunkle Wolken zusammen. Unter den Euro-Ländern brach nach Angaben von mehreren Personen, die mit der Diskussion vertraut sind, ein neuer Streit über die Beteiligung privater Gläubiger an der Entschuldung von Krisen-Ländern aus der Euro-Zone im Rahmen des geplanten permanenten Rettungsfonds ESM aus.

roh/AFP/Reuters / Reuters