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Aggressive Streuner Indien hat 30 Millionen wilde Hunde – und damit ein echtes Problem

Zwei Hunde streiten um ein Stück Fleisch
Hungrig und mancherorts auch aggressiv: Indiens wilde Hunde
© AFP Photo
Im indischen Staat Kerala wird jetzt durchgegriffen: Die wilden Hunde sollen von den Straßen verschwinden. Die Emotionen sind aufgeladen und es geht nicht darum, den Tieren ein Zuhause zu geben – sie werden brutal getötet. Was die Hunde immer aggressiver macht.

"Die Menschen rufen 'Tötet sie, tötet sie. tötet sie', aber selbst wenn täglich welche getötet werden, wird die Zahl nie auf Null gehen", zitiert die Reporterin der "Washington Post" einen Tierarzt aus dem staatlich geführten Krankenhaus, das in Keralas zweitgrößter Stadt Kochi die Geburtenkontrolle für Hunde übernimmt. Rama Lakshmi hat sich den Süden Indiens und sein Hundeproblem angesehen, denn in Kerala wächst die Aggressivität – bei den Menschen wie bei den Streunern. Die Autorin berichtet von der Stimmung vor Ort, etwa als vor gut zwei Monaten der siebenjährige Ayoos Sajimon von einem Hund angegriffen wurde. Das Tier hatte ihn angesprungen, seine Pfoten auf auf die Brust des Kindes gedrückt und ihn im Gesicht und am Auge gebissen. Eine Woche später haben die Nachbarn den Hund getötet. Der Junge erholt sich noch immer von den mehrfachen Operationen nach den Bissen. Seine Mutter Bismi sagte zu Lakshmi: "Mein Sohn ist derart traumatisiert, dass er nun jedes Mal ins Haus rennt, wenn er irgendwo einen Hund bellen hört."

Der Oberste Gerichtshof hatte angeordnet, dass in Kerala die Hunde sterilisiert werden müssen. Die Bewohner des Bundesstaates sagen, dass ihnen dafür die Geduld fehlt. 

Den Hunden den Krieg erklärt

Hunderte Straßenhunde sind im vergangenen Jahr bereits getötet worden, in einem Staat, der sich "Gottes eigenes Land" nennt und ein Touristenmagnet ist. Regelmäßig zieht der Mob los und prügelt Hunde zu Tode. Oder professionelle Hundefänger erledigen das. Kürzlich paradierte eine Gruppe von Männern mit den von ihnen erlegten Hunden durch die Straßen, sie hatten die Kadaver an einer Stange aufgehängt und warfen sie anschließend vor ein öffentliches Gebäude.

Tierschützer in ganz Indien sind alarmiert und kritisierten den Obersten Gerichtshof scharf, der einerseits geäußert hatte, dass die Hunde nicht zum Problem für die Gesellschaft werden dürften, andererseits aber das weitverbreitete Töten für nicht akzeptabel erklärte. Eine Doppelmoral, unter der sowohl die Menschen als auch die Hunde leiden. Und für den es derzeit keine realistische Lösung gibt.

Private Hundehaltung ist unüblich

Der Betreiber eines Heimes für Straßenkinder, Jose Maveli, gründete eine Gesellschaft zur Ausrottung streunender Hunde. Er bezahlte zehn Hundefänger, die binnen eines Jahres 300 Hunde töteten. Er hält die Streuner, von denen es in diesem Bundesstaat rund 250.000 Stück gibt, für eine öffentliche Gefahr, sie schädigten zudem die Wirtschaft. "Gucken Sie sich die westlichen Länder an", sagte er zu Lakshmi, "streifen dort Hunde frei auf den Straßen umher? Jeden Tag werden kleine Kinder und ältere Menschen gebissen."

In Indien werden viele Hunde von den Menschen nebenbei mit versorgt, doch sich einen Hund als Haustier zu halten, ist noch relativ unüblich. Weil die indischen Gesetze keine humane Euthanasie erlauben, leben bereits etwa 30 Millionen streunende Hunde im ganzen Land. 2014 starben 20.000 Menschen an Tollwut, die meisten von ihnen waren Arme oder Kinder.

bal

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