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Kritik nach Imagefilm Nazi-Symbole in Stadtfilm: Ulm will für Diversität werben – doch das geht nach hinten los

Gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht: Das zeigt ein neuer Imagefilm der Stadt Ulm.


Kritiker werfen der Stadt vor, dass das Video Rechtsextremismus in der Gesellschaft normalisiert.


Darin wird ein Mann mit einem schwarzen Sonnen-Tattoo gezeigt – das Zeichen ist ein Erkennungszeichen von Neonazis.


Ein Vater besucht seine Tochter im Krankenhaus und wird von einem muslimischen Arzt getröstet.


Eigentlich will die Stadt "die Stärke“ ihrer „gesellschaftlichen Diversität" präsentieren.


Es sei eine Aussage für Menschlichkeit, sagt Hosam Sidou Abdulkader, Geschäftsführer der Ulmer Produktionsfirma Cinematicz, die den Film herstellte. 


Doch in den sozialen Netzwerken sind sich die Nutzer fast einig: In dem Spot wird das Thema Rechtsradikalisierung verharmlost.


Ein Paar Kommentare vorlesen:
„Hätte die Stadt Vielfalt nicht auch ohne Hardcore Nazis machen können?"
„Und Nazi sein soll jetzt auch als völlig in Ordnung und normal gelten oder wie soll man den Sport verstehen?"
"Menschlichkeit verbindet in Ulm also Fußball, Nonnen und Nazis. Wer auch immer sich so eine "vielfältige Gesellschaft" vorstellt, dem ist echt nicht mehr zu helfen. Ein gefährliches Kitsch-Bild aus der Hölle."


Auch Politiker lehnen den Film ab.


In einem offenen Brief an die Stadt schreibt die Ulmer SPD: "Wenige Tage nach dem Terroranschlag eines Faschisten in Halle hat dieser Film eine fatale Wirkung“.


Die Stadt hält an ihrem Projekt fest. Sie bedauere, dass Zuschauer ein Eindruck bekämen, die Stadt würde mit rechtsextremen Gedanken sympathisieren.


Ein Statement lautet: "Vielmehr soll der Film der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass sich im zwischenmenschlichen Kontakt, im gegenseitigen Kennenlernen, Einstellungen und Menschen auch ändern können."


Nach der Kritik hatte der Ältestenrat eine Überarbeitung des Clips beschlossen. Der Entschluss wurde dann jedoch wieder verworfen.


Nun will die Stadt Anfang Dezember eine große Diskussionsveranstaltung mit der Stadtspitze und Experten stattfinden lassen.
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Eigentlich will die Stadt Ulm mit einem Imagefilm ein Zeichen für "gesellschaftlichen Diversität" setzen. Der Kampagnenfilm "Ulm – wir sind alle Vielfalt" löst stattdessen scharfe Kritik aus – im Netz und auch von lokalen Politikern.

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