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Frühling in Sizilien: Mit der Vespa durch Palermo

Das andere Sizilien entdecken: Mit dem Motorroller und dem Anti-Mafia-Aktivisten Fabrizio geht es durch die Hauptstadt Siziliens, durch die barocke Pracht der Altstadt und die sinnliche Gegenwart im Marktviertel - ohne die Macht der Paten.

Von Max Zeimet

Es ist früh am Morgen, und Palermo, dekorativ um den Monte Pellegrino drapiert, kommt langsam in Bewegung. Der Asphalt im Altstadtviertel Kalsa, dessen Gassen oft kaum breiter sind als zwei ausgestreckte Arme, glänzt verschwitzt, als habe sich die Stadt nachts in einem schweren Traum gewälzt. Gleich stürzen sich Autos und Motorroller auf die Straßen wie der Schwarm aus einem zerstörten Bienenstock: Siziliens Hauptstadt wird wieder summen und tosen wie jeden Tag.

An der Piazza Rivoluzione fauchen die ersten Espressomaschinen, Kellner rücken die Tischchen auf den Platz und klappern vor den Café-Bars mit Geschirr. Eine Vespa surrt heran, darauf ein kleiner Mann in dunkelblauem Anzug und hellblauem Hemd, die silberblaue Krawatte flattert im Fahrtwind. Er bringt seinen Roller zum Stehen, reißt sich den Helm vom halblangen braunen Haar und ordert mit einem Wink seinen caffè. Fabrizio Ferrandelli, mit dem ich mich zur Stadtrundfahrt verabredet habe, meistert alles mit solchem Schwung: Leben, Studium, politische Karriere.

"Freiheit von der Angst"

Mit seinen dreißig Jahren ist der Sizilianer, in Palermo geboren, bereits studierter Geisteswissenschaftler, Mitbegründer zahlreicher Kulturinitiativen, Anti-Mafia-Aktivist und Jungstadtrat. Er scherzt mit dem Barmann und ein paar Schulkindern und greift zum extrastarken Espresso. Die Nacht war wieder lang. Politik, wie meist. “Ich liebe meine Stadt“, sagt er nach dem ersten Schluck, “und sie gehört uns, den Bürgern von Palermo, nicht der Cosa Nostra und ihren Handlangern.“

Überall in Sizilien, in der Hauptstadt ganz besonders, akzeptieren die Jüngeren die Herrschaft der Mafia nicht mehr so selbstverständlich wie ihre Eltern und Großeltern. Sie wollen ihr Land zurückerobern, haben es satt, dass die Macht der Paten noch immer wie eine alles erstickende Decke auf der Insel liegt und sie bis heute zu Italiens Armenhaus macht. Sie wollen frei bestimmen, wie sie leben, wie sie Politik machen, Kunst, Musik oder auch Wein. Freiheit von der Angst, das ist Fabrizio Ferrandellis Lebensthema.

Viele Baustile harmonieren in Palermos Altstadt

Nach dem caffè tuckern wir auf der Vespa durch die Altstadt. Die frühe Sonne lässt die sandsteinfarbenen Häuserwaben in der Conca d’Oro aufleuchten – der spektakuläre Bergkessel, in den sich Palermo mit seiner knappen Dreiviertelmillion Einwohner ergießt, macht seinem Kosenamen “Goldene Mulde“ Ehre. Die Stadt öffnet sich zum Meer hin und damit zum Wind, so wie die Araber Palermo im Jahr 831 als ihre Hauptstadt auf der Insel angelegt hatten.

An diesem Morgen schmeckt die Luft nach Erde, die der Saharawind scirocco aus Afrika heranweht. Wir rollen vorbei an maroden Fassaden; Werbeplakate, die irgendwann einmal nachlässig auf den bröckelnden Putz geklebt wurden, kaschieren die Risse. Bomben der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg und mafiöse Immobilienspekulation danach haben Lücken ins Häusergewebe gerissen – eine noch immer berauschende Melange aus byzantinischer, arabischer, normannischer und barocker Pracht, gesprenkelt mit Jugendstil-Kostbarkeiten. Auf den piazzette – Plätzen, so winzig wie Innenhöfe – duftet es nach Jacarandablüten, die wie Konfetti verstreut liegen. Über den Dächern ragen der Palazzo Reale empor, der normannische Königspalast, und die gewaltige Kathedrale.

“Frühling in Palermo!“

Zwischen 1993 und 2000 erlebte Palermo nach 40 Jahren Mafia-Gewalt einen ersten freien Frühling, eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. “Das war das Verdienst von Leoluca Orlando“, ruft Ferrandelli und weicht routiniert einem Lieferwagen aus, der aus einer Seitenstraße schießt. In der Amtszeit des unbestechlichen Bürgermeisters wurden die Paläste des Adels und Bürgervillen im zerfallenden Zentrum nicht mehr abgerissen, sondern restauriert. Wie auch das ockergelbe Teatro Massimo, das lange leer stand, bis Orlando den neoklassizistischen Theatergiganten in Rekordzeit sanieren und vor 14 Jahren triumphal wiedereröffnen ließ. Ein Sieg über die Mafia.

“Frühling in Palermo!“, schrieben die Zeitungen damals, und die Bürger fassten Mut. In den heruntergekommenen Hafenvierteln, um die alle braven Palermitaner einen großen Bogen machten, eröffneten Galerien und Boutiquen, Restaurants und Bars. Inzwischen – unter Orlandos Nachfolger aus der Berlusconi-Partei – ist zwar wieder etwas vom alten Mehltau sichtbar. Aber “der nächste Frühling ist nicht weit“, sagt der smarte Aktivist Ferrandelli. “Wir arbeiten dran.“

Schwertfisch, Couscous und Kardamon

Wir sausen durch das Marktviertel Capo, das wie ein orientalischer Souk wirkt, nur ein paar hundert Meter vom Hafen entfernt. Der Singsang der Händler klingt durch die Straßen. Im Mittelalter war Palermo Europas multikulturellste Stadt, in der Christen und Muslime friedlich zusammenlebten, und noch heute ist es mit seinen Nachfahren vieler Völker eine Weltgemeinde – mit einer entsprechend facettenreichen, köstlichen Küche.

Auf den Marktständen türmen sich die Zutaten: Artischocken, Zitronen und Kaktusfeigen neben Datteln, Zimt, Kardamon und Fenchelsamen, Couscous, Olivenöl und Kapern. Metzger in weißen Kitteln preisen das Fleisch von Lämmern an, die noch im Fell an Stangen baumeln. Eine Gasse weiter werden meterlange Schwertfische in großen Scheiben verkauft.

Bunte Kappen als Kampfansage

Rund 80 Prozent der Händler in Palermo, schätzen Experten, zahlen den pizzo, das Schutzgeld an die Cosa Nostra, von der fast kein Besucher je etwas bemerken wird. Die Mafia ist unsichtbar geworden, aber sie ist noch da, weiß auch Fabrizio Ferrandelli. “Beuge dich, und die Flut wird vorbeigehen“, lautet ein sizilianisches Sprichwort – abwarten, bis wieder Ruhe einkehrt.

In Frieden aber will die Anti-Mafia-Bewegung ihren Feind nicht mehr lassen. Manchmal kommt die Gegenwehr ganz harmlos daher: Im “La Coppola Storta“, einem Lädchen im Gassengewirr beim Teatro Massimo, leuchten bunte Mützen in der Auslage. “Was habt ihr da wieder angestellt?“, ruft ein entzückter Ferrandelli der jungen Verkäuferin zu. “Wir machen eben, was wir wollen“, antwortet die und grinst. “Nur schön müssen unsere Kappen sein.“

Die coppola, die berühmte sizilianische Kappe, verwandeln viele Designer hier in Modeobjekte aus Flanell, Cord und Samt, Baumwolle, Leinen und Damast, von pink bis golden, mit Leopardenmuster oder Blumenmotiven.

“Bevor sie zum Mafia-Zeichen wurden, waren das die Mützen einfacher Leute. Wir holen uns diese Symbole jetzt zurück und machen etwas Neues daraus“, erklärt Fabrizio Ferrandelli und setzt ein Modell mit Streifen in Beige und Silber auf. “Sieht gut aus, oder?“ Ausgerechnet in San Giuseppe Jato werden die Schmuckstücke von Hand gefertigt, einer Cosa-Nostra-Hochburg nicht weit von Palermo – natürlich in einem mafiafreien Familienbetrieb.

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(