HOME

Istanbul: Ein Hauch von Orient

Die Stadt hat viele Namen - Byzanz, Konstantinopel, Istanbul - und viele Gesichter: Moderne Geschäftsviertel, westliche Boutiquen, Basare, die Hagia Sophia und jahrhundertealte Zisternen bilden ein Mosaik verschiedener Zeiten und Kulturen.

Wenn der Ruf des Muezzins gewaltig von der Blauen Moschee ertönt, fühlt sich der Besucher ganz in den Orient versetzt. Dieser Eindruck verstärkt sich in den engen Gassen des Altstadtbezirks Sultanahmet mit seinen kleinen Geschäften bis hin zum Kapali Carsi, dem überdachten Basar. Wer jedoch entlang der Straße Istiklal mit ihren modernen Boutiquen zum Taksim-Platz schlendert, wähnt sich ganz in einer westlichen Großstadt. Istanbul überbrückt diese Kluft zwischen Tradition und Moderne genau so spielend wie den Bosporus als Trennlinie zwischen Europa und Asien.Die einzige Metropole auf zwei Kontinenten hat schon immer viele Gegensätze miteinander vereint, wenn vielleicht auch nicht immer freiwillig. Ihre bewegte Geschichte spiegelt sich schon in den wechselnden Namen wider - Byzanz, Konstantinopel und schließlich Istanbul. Insbesondere auf der europäischen Seite ist das Stadtbild geprägt vom Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen und Religionen, die dennoch miteinander versöhnt erscheinen.

Deutlich wird dies etwa bei einem Besuch der Hagia Sophia, einem riesigen Kuppelbau aus dem Jahre 537. Sie galt viele Jahrhunderte lang als die größte christliche Kirche überhaupt und war Mittelpunkt der östlichen Orthodoxie. Doch nachdem die Türken 1453 das damalige Konstantinopel erobert hatten, wurde die Hagia Sophia zur muslimischen Moschee, der sie im Baustil ohnehin ähnelt.

Christliche Ikonen und Koranverse

Nachträglich aufgesetzte Minarette rundeten dieses Bild nach außen hin ab, und im Inneren wurden über den christlichen Ikonen Schrifttafeln mit Versen aus dem Koran angebracht. 1934 schließlich erklärte Mustafa Kemal Atatürk, der Staatsgründer der modernen Türkei, das Bauwerk zum Museum. Jetzt wird darin der Geschichte beider Religionen Rechnung getragen.Die Bedeutung der Stadt zu Zeiten des Osmanischen Reiches wird nirgendwo lebendiger als im Topkapi-Palast, dem einstigen Sitz der türkischen Sultane. Prachtvoll ausgestattete Räume, insbesondere im früheren Harem, sowie wertvolle Kunstgegenstände einschließlich der kostbaren Kronjuwelen zeugen von unvorstellbarem Reichtum orientalischer Prägung.Ebenfalls eindrucksvoll ist die Sultanahmet-Moschee aus dem 17. Jahrhundert mit ihren sechs Minaretten. Wegen der Farbe ihrer Keramik-Kacheln im Inneren wird sie auch die Blaue Moschee genannt. Sie ist die wohl imposanteste der Moscheen in der Altstadt. In ihrer Nähe findet der Besucher ferner das auf die Römer zurückgehende Hippodrom sowie die Basilika-Zisterne aus dem sechsten Jahrhundert - ein riesiges unterirdisches Wasserbecken mit einer Kapazität bis zu 80 Millionen Litern.Über die Galata-Brücke gelangt man über das Goldene Horn in den modernen Stadtteil Beyoglu. Dort geht es zunächst steil bergauf zum Galata-Turm aus dem 14. Jahrhundert. Seine 60 Meter hohe Aussichtsplattform bietet einen wunderbaren Blick über die gesamte Stadt und den Bosporus. Das Panorama-Restaurant verspricht gute türkische Küche sowie traditionelle Volkstänze einschließlich des Bauchtanzes, ist allerdings stark auf Touristen ausgerichtet.

Landestypische Lokale

Dies gilt auch für die Cicek-Passage, eine Ansammlung von Restaurants gleich neben dem Gemüse- und Fischmarkt an der Istiklal. Dennoch ist die Atmosphäre dort immer großartig. Entlang der Istiklal, auf der auch eine alte Straßenbahn fährt, sowie in ihren Nebenstraßen finden sich noch viele weitere landestypische Lokale. Rund um den Taksim-Platz bekommt der Besucher einen Eindruck vom modernen Geschäftsviertel, bevor er im prunkvollen Dolmabahce-Palast am Bosporus wieder ins Osmanische Reich zurückgeführt wird.Der Zauber des Orients wird vor allem beim Besuch des alten Basarviertels lebendig. Der Gewürzbasar unweit der Galata-Brücke bleibt schon wegen seiner aromatischen Düfte in Erinnerung. Und ein Besuch im Kapali Carsi ist zweifellos Höhepunkt einer jeden Reise nach Istanbul. Unter steinernen Gewölben befindet sich ein Labyrinth enger Gassen mit unzähligen Geschäften, in denen es praktisch alles gibt, was man mit östlicher Kultur in Verbindung bringt. Vor allem Teppiche werden dem Touristen immer und immer wieder angeboten.Wer des Feilschens müde ist, sollte sich bei einem Glas Tee erholen - am besten im Sark Kahvesi, einem traditionellen Cafe und Teehaus mitten im Basar. Hier kann man Männer beim Brettspiel beobachten und an den Wänden Fotografien und Gemälde aus alten Zeiten bewundern. Der Tee in kleinen blütenkelchförmigen Gläsern ist immer sehr stark und damit anregend und erfrischend. Mit seiner Atmosphäre der Ruhe bietet das Teehaus einen willkommenen Kontrast zum regen Treiben des Basars.

Annedore Smith/AP / AP

Wissenscommunity