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Mallorca "Sauftourismus schlimmer als vor Corona" – Aufwertung der Playa de Palma gescheitert

Ein deutscher Tourist schläft am Strand von Mallorca seinen Rausch aus
Bilder wie diese sollten eigentlich der Vergangenheit angehören. Doch seit die deutschen Touristen wieder nach Mallorca strömen, hat der Sauftourismus wieder Hochkonjunktur (Archivbild aus 2013).
© Julian Stratenschulte / Picture Alliance
Seit Jahren versucht die Regierung von Mallorca etwas gegen den zumeist deutschen Sauftourismus zu unternehmen. Doch seit Mai strömen wieder Horden von Feierwütigen auf die Insel. Unternehmer haben die Saison bereits aufgegeben.

Grölende Horden am Strand, laute Partymusik und Eimersaufen – all das sollte auf Mallorca eigentlich der Vergangenheit angehören. Seit Jahren kämpft die beliebteste Insel der Deutschen für ein neues Image und gegen den Sauftourismus. So hart die Corona-Pandemie die Gastronomien und Hotels auch getroffen hat, manche hofften, dass die zwei Jahre, in denen der Tourismus zwischen Playa de Palma und Cala Ratjada nahezu stillstand, eine Blaupause werden könnte und die Aufwertung der Insel, wie die Regierung sie nennt, einen Schritt vorankommen könnte. 

Unternehmer sehen Imagewandel als gescheitert

Doch seit die meisten Pandemie-Beschränkungen gefallen sind, kommen vor allem diejenigen wieder auf die Insel, für die Mallorca der Inbegriff von Party und Exzess ist. Die Unternehmer, die sich für einen Imagewandel Mallorcas einsetzen, sehen die Saison 2022 bereits jetzt als gescheitert. 

Wie die spanische Zeitung "Última Hora" berichtet, sieht Juan Miguel Ferrer, Geschäftsführer einer Initiative für mehr Qualität an der Playa de Palma, noch schlimmere Auswüchse des Sauftourismus' als noch vor der Corona-Pandemie: Manche Urlauber kämen gegen 10.00 Uhr morgens in den Hotels an, und um 14.00 Uhr könnten sie schon nicht mehr gehen, so Ferrer. 

Benimmregeln wurden in den vergangenen Jahren immer strenger

Der Plan der mallorquinischen Regierung mit strengen Verhaltensregeln die Touristen zu mäßigen und so den Grundstein für eine andere Art des Urlaubs auf der Insel zu legen, scheint gescheitert. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden immer strengere Regeln für Partyorte wie Magaluf oder die Playa de Palma erlassen. Angefangen mit dem Verbot des beliebten Eimersaufens über Kleiderordnungen in der Öffentlichkeit, die dazu verpflichten, den Oberkörper zu bedecken, bis hin zum Rauchverbot auf öffentlichen Plätzen und an einigen Stränden. Am Anfang dieser Saison kamen zudem Regelungen für Gastronomien und Hotels. So sind mittlerweile auch "All Inclusive"- Angebote von Hotels nicht mehr in ursprünglicher Form erlaubt. Um zu verhindern, dass die Touristen sich schon tagsüber ohne Limit und vor allem ohne weiteres Geld auszugeben betrinken, dürfen Hotels nun nur noch Softdrinks unbegrenzt ausschenken. Hinzu kommen maximal drei alkoholische Getränke zu den Mahlzeiten. 

Der Verkauf von Alkohol in Supermärkten oder an Kiosks ist ab 21.30 Uhr nicht mehr gestattet. Außerdem gilt auch in Außenbereichen von Gastronomien ein generelles Rauchverbot. 

Doch all das scheint insbesondere die deutschen Sauftouristen nicht von ihrer Reiselust abzuhalten. Seit die "Kathedralen des Suffs" wie "Mega Parc" oder "Bierkönig" häufig genannt werden, geöffnet sind, fließen Ströme von Touristen wieder genauso wie der Alkohol. 

Sauftouristen kommen seit Mai wieder nach Mallorca

Ferrer äußerte sich vor einigen Wochen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur noch zuversichtlich, dass Mallorca durch die Pause während der Corona-Pandemie zukünftig ein anderes Publikum anziehen könnte: Corona habe wie ein Katalysator für die eigenen Bemühungen gewirkt und einen neuen Typ Urlauber angezogen. Dieser wolle Dinge wie gutes Essen mit lokalen Produkten und einen umweltfreundlichen Nahverkehr. 

Doch diese Entwicklung sei ab dem 10. Mai diesen Jahres abrupt geendet: "Kaum waren die großen Partytempel wieder geöffnet, wurde dieser neue Typ Urlauber vom alten Feierpublikum verdrängt", so Ferrer gegenüber der "Mallorca Zeitung". "Seither leiden wir unter der Ankunft großer Gruppen von Touristen, die nur darauf aus sind, sich auf den Straßen, an der Strandpromenade oder am Strand zu betrinken", so Ferrer weiter. 

Auf eine plötzliche Änderung der Situation spekuliert der Geschäftsführer der Initiative dabei nicht: "Wir betrachten die Saison bereits als verloren, was die Kontrolle der Exzesse angeht". Touristen feierten noch um 4.00 Uhr morgens, manchmal mit Megafonen, die unerklärlicherweise weiterhin frei verkauft würden. Zum Teil würden volltrunkene Urlauber von ihren Freunden einfach auf der Straße liegen gelassen. 

Um die "verlorene" Saison noch in halbwegs erträgliche Bahnen zu lenken, fordere er, dass die Polizei die eingeführten Regelungen strenger kontrolliert und konsequenter durchsetzt. Ob dies bei den tausenden Touristen, die in der Ferienzeit täglich auf Mallorca landen, wirklich umsetzbar ist, bleibt abzuwarten.

Quellen:Última Hora, Mallorca Zeitung, Süddeutsche.de, mit Material von DPA


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