St. Gilgen am Wolfgangsee Auf den Spuren des Süßmauls


Nein, St. Gilgen, den Geburtsort seiner Mutter, hat das Musikgenie nie besucht. Trotzdem feiert auch das Dorf am Wolfgangsee das Mozartjahr - mit allerlei süßen Verlockungen.

Dicke Schneeflocken wirbeln. Es riecht nach Punsch, Glühwein und verbranntem Holz. Musik klingt aus den Marktständen, die sich vom Rathaus über den Kirchplatz und die Ischlerstraße entlang bis zur Anlegestelle am Wolfgangsee hinziehen. Auf den Straßen stehen Feuerkörbe und lassen den Schnee schmelzen. Eine Winteridylle wie aus dem Bilderbuch.So ähnlich muss es in St. Gilgen auch 1720 gewesen sein, als Anna Maria Walburga Pertl am ersten Weihnachtsfeiertag in eben dieser Ischlerstraße das Licht der Welt erblickte. Nach dem Tod ihres Vaters, Jurist und Amtmann am Pflegegericht, zog sie als Vierjährige ins nahe gelegene Salzburg, wo sie später die Frau Leopold Mozarts und Mutter eines der begnadetsten Komponisten wurde - Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791).

Man nennt sich stolz "Mozartdorf"

Während die Welt ins Mozartjubiläumsjahr gestartet ist und die Geburtstadt Salzburg und auch Wien das Musikgenie mit zahlreichen Veranstaltungen würdigen, bringen nur wenige die Gemeinde am Wolfgangsee mit Mozart in Verbindung. Doch St. Gilgen, 25 Kilometer östlich von Salzburg, nennt sich stolz "Mozartdorf".Dabei war Wolfgang Amadeus selbst nie hier. Der in Briefen überlieferte Plan seines Vaters, dass er mit ihm auf der Rückreise von Wien im September 1773 "über St. Wolfgang nach Hause ginge", um ihm zu seinem heiligen Namenspatron zu führen und den Geburtsort seiner Mutter zu zeigen, blieb unverwirklicht. Nicht einmal das Versprechen gegenüber seiner Schwester, sie dort als Frau von Sonnenburg zu umarmen und ihr "hundert Busserl und Schmatzerl auf ihr wunderbares Pferdegesicht" zu geben, hat er jemals eingelöst.

Kaffepause im "Nannerl"

Maria Anna Walburga Ignatia, das "Nannerl", war 33-jährig als Frau des Ortsrichters in das Geburtshaus der Mutter zurückgekehrt. Die Hochzeit am 23. August 1784 mit dem "Pfleger und Rath Herr Johann Baptist Berchtold von Sonnenburg, dem schon zwo Frauen zu seinem und des Volckes größten Leid junger verschieden waren", ist in der Chronik vom Hotel-Gasthof zur Post überliefert. Seit bald 600 Jahren ist die einstige Poststation des Salzkammergutes ein fixer Bestandteil des Ortsbildes.Inzwischen schmückt eine Mozartplastik mit Violine den Vorplatz. Ein Café trägt den Namen der Schwester "Nannerl", der hochbegabten Pianistin, auf deren musikalisches Urteil Mozart Wert legte und deren eigene Kompositionen sein Lob fanden. Und das heutige Bezirksgericht in der Ischlerstraße 15 beherbergt eine Mozartgedenkstätte, die an Mozarts Wurzeln mütterlicherseits erinnert. Der Großvater vererbte ihm nicht nur den Vornamen, sondern zweifellos auch das künstlerische Talent. War der beliebte Amtmann doch schon während seines Studiums in Salzburg als Sänger und Schauspieler des Salzburger Benediktinischen Theaters aufgefallen.

Winteridyll mit Funpark

Wenn Askolt zur Eck im Musikinstrumenten-Museum von St. Gilgen die Trichtergeige spielt und andere ausgefallene Instrumente wie die philippinische Maultrommel vorführt, erklingen keine Kompositionen Mozarts. Und das Stück aus der Drehorgel lässt sich eindeutig als "Der Kaffeeklatsch" von Haydn identifizieren. Trotzdem sind die hier zusammengetragenen über 2000 Musikinstrumente, die zu einer musikalischen Weltreise einladen, ein weiterer Grund, die Gemeinde mit dem äußerst gesunden heilklimatischen Reizklima zu besuchen. Der virtuelle Ausflug in fremde Länder und Landschaften, deren Volksstämmen, Bräuchen und Musik, endet dann doch bei Mozart. Denn neben einer Tonbildschau "Die Mozarts und St. Gilgen" wird auch ein Kurs über "Mozart und das Posthorn" angeboten.Auch für Unmusikalische lohnt ein Abstecher in das Paradies am Wolfgangsee. Unvergesslich werden die Winterwanderungen und Kutschfahrten am Seeufer entlang durch die idyllischen Orte und die schneebedeckte Landschaft bleiben. Gut gespurte Langlaufloipen verbinden die tief verschneiten Dörfer, und Skigebiete wie die Post-Alm-Arena sind gut zu erreichen. Die 20 Kilometer Abfahrten auf leichten bis schweren Pisten sind für Anfänger und Könner gleichermaßen geeignet. Familien finden im Funpark ein abwechslungsreiches Wintervergnügen. Frische Bergluft weht am Zwölferhorn, wo einer der schönsten Skihänge der Ostalpen mit einem Höhenunterschied von 980 Metern auf seine Bezwinger wartet.

Nur hier werden die "echten" Kugeln gedreht

Nicht zuletzt lässt sich bei Konditormeister Franz Mayrhofer in St. Gilgen ein Mozartkugeldrehkurs mit Diplom absolvieren. Die Konditorei Dallmann stellt im Unterschied zu den "originalen" Mozartkugeln, die 1890 Konditor Paul Fürst in Salzburg erfand, die "echten" Mozartkugeln her. Rund 350 Stück pro Tag. Nach dem Unterschied befragt, sagt Mayrhofer: "Unsere Kugeln haben mehr Marzipan und Pistazienpaste und sind in Silberpapier eingewickelt." Ganz eigen ist bestimmt seine Kreation der "Mozartreisetorte" nach einem Rezept von damals. Sie hält vier bis sechs Wochen ohne jegliche Konservierung. Schließlich war Mozart ein Süßmaul und einen Großteil seines kurzen Lebens auf Reisen. Ein nahrhaftes Souvenir.

Cornelia Höhling/DDP DDP

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