Die Bergrettungen in Tirol und Salzburg hatten am Sonntag alle Hände voll zu tun: In den österreichischen Bundesländern sind in mehreren Gebieten Lawinen die Berge heruntergerollt. Im Salzburger Skigebiet Obertauern waren es laut Bergrettung gleich vier an einem Tag.
Auch wenn es sich in einigen dieser Fälle um Negativlawinen handelte – also solche, bei denen keine Personen verschüttet oder verletzt wurden –, mussten doch einige Menschen aus dem Schnee gerettet werden.
Glückliche Zufälle für Verschüttete
So zum Beispiel am Gennerhorn in der Salzburger Osterhorngruppe, wo ein Tourengeher von einer Lawine mitgerissen und verschüttet wurde. Der 37-jährige Mann aus Oberösterreich schaffte es noch selbst, seinen Lawinenairbag auszulösen und den Notruf zu alarmieren. Der Betroffene hatte Glück im Unglück: In einer nahegelegenen Hütte der Bergrettungsortsstelle Salzburg fand zeitgleich mit dem Unfall ein Lawinenseminar statt. Binnen kurzer Zeit waren mehrere Rettungskräfte vor Ort und konnten den Mann befreien und erstversorgen, bevor er mit einer Knieverletzung von einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht wurde.
"Nur mehr eine Hand ragte aus dem Schnee"
Im Tiroler Gemeindegebiet Tux ereignete sich ein weiterer Lawinenabgang. Dort wurde ein 29-jähriger Skifahrer von einer Lawine erfasst. Der Mann aus Großbritannien war mit zwei Freunden unterwegs, wie die Polizei mitteilt. Er war seinen Begleitern zunächst hinterhergefahren, bevor er in einer Rinne abbog und dort eine Lawine auslöste. Die Gruppe war im freien Skiraum, also außerhalb der markierten Skipisten, gefahren.
Die Begleiter des Verschütteten waren bereits unterhalb der Unglücksstelle und gingen davon aus, dass ihr Freund an einer anderen Stelle abgefahren sei. Glücklicherweise hatten unbeteiligte Zeugen den Hergang beobachtet und sofort den Notruf alarmiert. Der Mann wurde von der Lawine mitgerissen und vollständig verschüttet. Laut der Polizei ragte nur noch seine Hand aus dem Schnee heraus. Dank der schnellen Reaktion konnte der Brite innerhalb weniger Minuten gerettet werden.
So eindrucksvoll der Unfall auch ausgesehen haben mag, so schnell war der Mann nach seiner Rettung auch wieder auf den Beinen: Medizinische Betreuung lehnte er ab und setzte seine Tour unbeirrt fort.
Tödlicher Ausgang für Skitourengeherin
Für eine 58-jährige Skitourengeherin in St. Anton am Arlberg hingegen endete eine der Lawinen am Sonntag tödlich. Ihre Begleiterin, welche nicht von dem Schnee erfasst wurde, hatte laut der Polizei sofort einen Notruf abgesetzt. Die Suche stellte sich jedoch als schwierig heraus, da die Verschüttete kein Lawinensuchgerät bei sich hatte. Rettungskräfte entdeckten sie dennoch; die Frau befand sich in kritischem Zustand. Wenig später starb sie im Krankenhaus.
Neben diesen Fällen sind noch weitere Wintersportler am Sonntag durch Lawinen verletzt worden. Allein an diesem Tag meldete die Tiroler Polizei sechs Lawinenabgänge, bei denen Menschen von Schneemassen erfasst wurden. Doch wie sollte man sich im Falle einer Lawinenwarnung verhalten und was ist zu tun, wenn man sich plötzlich in einer Gefahrensituation wiederfindet?
Lawinengefahr – Was nun?
Möchte man ganz sicher gehen, so sollte man im Zweifelsfall immer auf ausgewiesenen und geöffneten Pisten bleiben, besonders an Tagen mit Lawinenwarnung. Entscheidet man sich trotzdem, außerhalb dieser Pisten unterwegs zu sein, ist eine besondere Ausrüstung zu empfehlen: Ein Lawinensuchgerät, eine Lawinensonde und eine Lawinenschaufel gehören dabei zur Standardausrüstung, besonders für Skitourengeher. Zudem ist das Tragen eines Airbags empfehlenswert. Doch auch mit guter Ausrüstung sollten Wintersportler sich immer über aktuelle Lawinengefahren informieren und entsprechend ihre Touren planen und anpassen.
Richtig reagieren bei einer Lawine
Sollte man sich trotz aller Vorkehrungen in einer gefährlichen Situation wiederfinden, ist das richtige Handeln essenziell. Das Schweizer Naturgefahrenportal empfiehlt dabei folgendes Verhalten:
- Schafft man es nicht rechtzeitig, der Lawine zu entkommen, sollte man seine Skistöcke loslassen und, falls vorhanden, seinen Lawinenairbag auslösen.
- Zudem kann es lebensrettend sein, die Atemwege zu schützen, indem Hände vor das Gesicht gehalten und so Raum zum Atmen geschaffen wird.
- Dann heißt es erst einmal, Ruhe zu bewahren und, falls möglich, sich selbst zu befreien oder einen Notruf abzusetzen.
Beobachtet man einen Lawinenniedergang, kann das richtige Verhalten ebenfalls Leben retten.
- Neben dem Absetzen des Notrufes sollte man ebenfalls, den Niedergang genau im Blick behalten und sich merken, wo erfasste Personen verschwinden.
- Sollte man selbst zur Rettung eilen wollen, darf man die eigene Sicherheit dabei nicht vergessen, da immer noch eine Gefahr für Nachlawinen besteht.