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Streiks, Benzinmangel, Lebensmittelknappheit: Urlaubsfrust in Griechenland

Griechenland sitzt auf dem Trockenen. Durch den Trucker-Streik kommt es zu Engpässen bei der Versorgung mit Sprit und Lebensmitteln. Die Urlauber sind wütend.

Von Till Bartels

Der Benzinmangel in Griechenland führt zu immer größeren Problemen: Viele kleinere Fähren müssen in den Häfen bleiben. Auf Kreta haben mehr als 200 Touristen ihre Mietfahrzeuge einfach stehengelassen, weil sie keinen Sprit mehr bekamen. Auch auf anderen griechischen Inseln ist der Verkehr so gut wie zum Erliegen gekommen. An den wenigen Zapfsäulen, die noch Benzin und Diesel verkaufen, bilden sich lange Warteschlangen. In einigen Regionen des Landes gibt es in den Supermärkten kaum noch frisches Obst und Gemüse. Ursache für die Engpässe ist der am Montag begonnene Streik griechischer Tank- und Lastwagenfahrer. Griechische Medien zeichnen ein düsteres Bild: Das Land stehe wegen des Benzinmangels nahe am Zusammenbruch.

Leidtragende der Auseinandersetzung sind die Touristen. "Es ist, als ob Euer Land finanziellen Selbstmord begehen will", schimpft ein österreichischer Urlauber. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsbereich Griechenlands. Das Land braucht die Urlauber mehr denn je, schließlich steht es mit etwa 300 Milliarden Euro in der Kreide. Die Schuldenkrise hinterlässt bereits Spuren. "Mindestens zehn Prozent weniger Einnahmen", heißt es bei Hoteliers in Athen.

"Die Leute haben einfach die Mietwagen stehenlassen und uns die Schlüssel auf dem Tisch geworfen", erzählt Dimitris Siamis, ein Hotelangestellter auf der Insel Rhodos. Auf der Insel gibt es seit Dienstag kein Benzin mehr. Besonders gebeutelt sind die Familien, die mit Wohnmobilen das Land erkunden wollen. Kein Sprit - keine Rundreise: Viele Wohnmobilfahrer suchten Campingplätze auf und sitzen dort fest.

Pauschalurlauber weniger betroffen

Gerade Individualtouristen, die mit einem Leihwagen die griechischen Inseln erobern, sind von Streiks betroffen. "Die Gäste sind besorgt und rufen uns verstärkt an", sagt Petra Ibanidis von Attika Reisen in München. Für Umbuchungen sieht sie keinen Grund, denn der Transfer zwischen Flughafen und Hotels verliefe für die Gäste weiterhin ungestört. "Unsere Reiseleiter wissen auch, welche Tankstellen noch geöffnet haben", entwarnt die Pressesprecherin des auf Griechenlandreisen spezialisierten Veranstalters.

Für deutsche Pauschalurlauber scheint die Lage weniger dramatisch zu sein. "Die Veranstalter arbeiten vor Ort mit Partnern zusammen, die über Reserven verfügen", sagt die Pressesprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) zu stern.de. Nach ihrer Kenntnis müssen Ausflugsprogramme nicht abgesagt werden, nur vereinzelt kommt es zu Routenänderungen. Auch die Tui beruhigt ihre Kunden, die in den nächsten Tagen nach Griechenland fliegen wollen. "Wir bieten keine kostenlose Umbuchung oder Stornierung an, da unsere Gäste in Griechenland keine Leistungseinschränkung haben", so eine Pressesprecherin des Veranstalters in Hannover. In den Hotels sind Lebensmittel weiterhin vorrätig.

Laut ADAC verkaufen in Athen 30 Prozent der Tankstellen noch Sprit. Schlimmer als auf dem Festland sei die Situation auf Kreta mit nur noch drei geöffneten Tankstellen. Benzin werde dort vor allem von öffentlich angestellten Tankwagenfahrern geliefert. Größer sei auch die Zahl der von der Insel aus getätigten Anrufe gestrandeter Mitglieder, die dann, wenn möglich, versorgt oder abgeschleppt würden.

Appell an die Politiker

Griechischen Reiseagenturen hatten bereits am Donnerstag die Regierung aufgerufen, sofort etwas zu unternehmen, andernfalls werde der Tourismus zusammenbrechen. Tausende Touristen haben Medienberichten zufolge bereits ihre Reisen storniert. In einem emotionalen Appell riefen die Verbände der drei größten griechischen Touristeninseln Kreta, Korfu und Rhodos die Regierung auf, dringend etwas zu unternehmen: "Wenn diese Situation weitere 24 Stunden anhält, werden wir unsere Arbeit einstellen. Wir gehen in Richtung eines Bankrotts", hieß es in der Erklärung der Verbände. Auch die Industrie leidet zunehmend unter den Engpässen.

Ursache der sich zuspitzenden Versorgungslage sind die am Montag begonnen Streiks der griechischen Tank- und Lastwagenfahrer. Die Eigentümer und Fahrer der rund 30.000 Tank- und Lastwagen Griechenlands protestieren gegen die von der Europäischen Union (EU) verordnete sogenannte Öffnung geschlossener Berufe. Eine Lizenz für einen Last- oder Tankwagen kostet in Griechenland je nach Größe des Wagens bis zu 300.000 Euro. Lizenzen sind seit fast 40 Jahren in Griechenland nicht mehr ausgegeben worden. Aus diesem Grund steigt ihr Wert immer mehr. Dies soll nach einem Gesetzesentwurf in den nächsten drei Jahren stufenweise durch die Ausgabe neuer Lizenzen geändert werden.

Allerdings gibt es einen Hoffnungsschimmer für Griechen und gestrandete Urlauber: Am Freitagnachmittag wollten die Gewerkschaften der Tank- und Lastwagenbesitzer entscheiden, ob sie den Streik beenden. Die Regierung hatte bereits am Donnerstag ein Verfahren in Gang gesetzt, um die Fahrer wieder zum Dienst zu verpflichten. Sollte es zu einer Einigung am Freitag kommen, dürfte es noch Tage dauern, bis sich die Versorgungslage wieder normalisiert.

mit DPA/APN / APN
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