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Tramin: Wein, Weib und Perfektion

Wein ist eine Männerdomäne. Und sie hat es gewagt, einzudringen: Elena Walch. Die Winzerin aus Südtirol stieß zunächst auf Widerstand, avanciert inzwischen aber zum Star. Und das nicht nur, weil sie den Männern mit Wein den Kopf verdreht.

Von Jens Maier

Regen würde sie sich mal wieder wünschen. Nicht, um die vielen Urlauber Südtirols zu ärgern, sondern um ihrem Wein etwas Gutes zu tun. "Der April war zu trocken", sagt Elena Walch, während sie einen ihrer Rebstöcke auf dem steilen Weinberg über Tramin beäugt. Doch noch muss sie sich keine Sorgen um den Wetterbericht machen. Das Zittern um die richtige Mischung aus Regen und Sonnentagen beginnt erst im August. Ob 2007 ein guter Jahrgang wird? Das sei noch viel zu früh für eine Vorhersage, winkt die Winzerin ab und deutet auf die Rebe. Noch nicht einmal eine Traube sei dort zu sehen. Was Elena Walch verschweigt: Eigentlich ist jeder ihrer Jahrgänge ein guter.

Elena Walch ist die einzige Frau, die sich in der Südtiroler Weinszene einen Namen gemacht hat. Bis heute ist sie die erste und einzige Winzerin geblieben. Ihre Weine heimsen jedes Jahr Auszeichnungen über Auszeichnung ein. Der italienische Weinführer Gambero Rosso krönte sie zur "Königin der Gewürztraminer". Und das alles, obwohl die Mailänderin Quereinsteigerin ist.

Von der Großstadt in die Provinz

Walch studierte Architektur und konnte sich während ihrer Zeit in Mailand niemals vorstellen, einmal ein Landleben zu führen. Doch die Liebe kam dazwischen. Sie heiratete den Winzer Werner Walch und zog zu ihm nach Tramin an der Südtiroler Weinstraße und überredete ihren Mann, ihr den Weinberg oberhalb von Castel Ringberg zu überlassen. Und als sie dann die traditionelle Südtrioler Vernatschtraube einfach rausreißen ließ, um Cabernet Sauvignon, Chardonnay und Sauvignon Blanc anzupflanzen, begann ihre Erfolgsgeschichte.

Was so einfach klingt, war allerdings harte Arbeit. Oft unter dem mitleidvoll wirkenden Lächeln mancher Winzerkollegen. Während die sich noch rühmten, die größten und meisten Trauben an ihren Weinstöcken hängen zu haben, reduzierte Walch den Ertrag. Warum? "Das steigert die Qualität der Traube und somit des Weines", erklärt Walch. Und noch mit einem Tabu hat sie gebrochen: Das etablierte und traditionelle Südtiroler Pergel- Erziehungssystem, bei dem die Weinrebe in einem Spalier wie zu einer Art Markise heranwächst, ersetzte sie durch Guyot-Schnitt plus Drahtrahmen.

Die drei Mädels vom Kastelaz

"Am Anfang war es sehr schwer sich als Frau Respekt zu verschaffen", sagt Walch. Im Weinkeller, wo die alten Holzfässer mit dem Familienwappen und den Initalien der Nachkommen geschmückt sind, wird deutlich, in welche Männerdomäne Walch eingedrungen ist. Nur die männlichen Nachkommen wurden in Schnitzereien verewigt. Sie habe lange überlegt, ob sie damit brechen solle, so die Mütter zweier Töchter. Sie hat es nicht gemacht. Die Tradition und den Willen der Vorfahren gelte es zu respektieren.

Dass die männlichen Vorfahren der Familie etwas kurzsichtig waren, hat sich beim Besuch von Wolfram Siebeck in der Kellerei Walch gezeigt. Der schwärmte nämlich nicht nur von den hervorragenden Weinen, sondern auch von den "graugrünen Augen" der Winzerin. Mit Charme serviert, schmeckt der beste Wein eben noch einmal einen Deut besser.

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