Wales Königliche Wadenbeißer

Welsh Corgis sind bei uns vor allem aus der königlichen Klatschpresse bekannt. Geschichten über Beißattacken der kleinen, kurzbeinigen Vierbeiner gehen um die Welt. Corgis machen süchtig, kontern eingefleischte Liebhaber. stern.de stellt die vitalen Vierbeiner vor.

Den Welsh Corgi gibt es in zwei Arten, die nach walisischen Grafschaften benannt sind. Den Cardigan mit und den Pembroke ohne Schwanz. Warum der Pembroke ohne Schwanz geboren oder dieser gekürzt wird, hat die Gemüter der Corgi-Liebhaber seit jeher bewegt. Nach einer Version stutzten Bauern ihren Hunden den wedelnden Anhang, um der "Schwanzsteuer" zu umgehen, die jeder Bauer zahlen musste. Vielleicht verursachte auch eine Genmutation einen "bob" (Stummelschwanz) und die stolzen Züchter wollten eine seltene und daher wertvolle Linie gründen.

Verfressene Vierbeiner

Die meisten Corgis sind rot-weiß, daneben gibt es sie in tricolour und selten sable - verschiedene Rottöne mit schwarzen Haarspitzen und „Mickymaus“-Maske. Ihr Fell ist robust und pflegeleicht. Elegant sind die kurzbeinigen Rennzwerge weniger. Müssen sie auch nicht sein. Früher wurden sie ausschließlich auf gute Arbeitseigenschaften wie Mut, Intelligenz und Wachsamkeit gezüchtet und nicht auf Schönheit. "Eigentlich sind Corgis mittelgroße Hunde nur mit 'tiefer gelegtem Fahrgestell'", sagt Corgi-Expertin Almut Rosenfelder. Mit einer Größe von rund 30 Zentimetern und einem Gewicht zwischen 10 und 14 Kilogramm sind sie überraschend schwer. Viele sind sehr verfressen, haben aber zum Glück einen robusten "Saumagen", der auch nach einer Portion Vogelfutter nicht rebelliert.

Hackenbeißen, um Herden zusammen zu halten

Ursprünglich trieben sie große Rinderherden über die Berge von Wales auf die englischen Viehmärkte. Mehrere Hunde hielten die Herde zusammen, indem sie ausbrechende Rinder flink in die Fesseln zwickten und sich rasch duckten, um den auskeilenden Hinterbeinen zu entgehen. Treiben und Zusammenhalten liegt ihnen noch heute im Blut. Corgis haben ihre Familie ständig im Blick und sorgen beim sonntäglichen Spaziergang dafür, dass trödelnde Kinder nicht zurück bleiben. Sie bedrängen die Kleinen so lange, bis sie wieder bei ihrer "Herde" sind. "Aber die Hunde beißen die Kinder natürlich nicht in die Hacken", erklärt Almut Rosenfelder. "Dieses Verhalten ist weitestgehend herausgezüchtet, es bleibt beim gelegentlichen, aber hartnäckigem, Stupsen in die Waden."

Corgis sind gerne Chef

Corgis neigen zu Größenwahn. Sie haben keine Angst, sich mit Kühen, Pferden und großen Hunden anzulegen. Der Erfolg gibt ihnen Recht: "Unsere kalbsgroße Pyrenäenberghündin Crissy war Chef im Hause bis Emily kam", erzählt Corgi-Züchterin Ruth von Liebenstein. "Emily zwickte die riesige weiße Hündin erst kräftig in die Nase und zog dann heftig knurrend an ihrem buschigen Schwanz. Vorne, hinten, vorne, hinten. Crissy fletschte furchterregend ihre Zähne. Emily warf sich kurz auf den Rücken, doch gleich ging das Spektakel wieder los. Wenig später war Emily der Chef. Ein Blick von ihr, und der 65 Kilogramm-Brummer traute sich keinen Schritt weiter ins Wohnzimmer." Corgis sind gerne Chef. Doch ihre geringe Größe und ihr treuherziger Blick dürfen den Corgi-Besitzer nicht von einer konsequenten Erziehung abhalten. Die lieben Kleinen entwickeln sich sonst schnell zum charmanten Haustyrannen und ihren Besitzern ergeht es wie Emily.

Corgis machen süchtig

"In Wales haben wir übrigens nirgendwo Corgis auf der Straße gesehen", erzählt Almut Rosenfelder, die Ahnenforschung in der Heimat der Hütehunde betrieben hatte. Ein Grund, warum die stolzen Waliser keine Pembrokes mehr halten, soll angeblich ihr Groll gegen die englische Königin sein, die schon seit Jahrzehnten Pembrokes hält und auch selber züchtet. Einen großen Nachteil der Rasse darf man allerdings nicht verschweigen: Corgis machen süchtig. "Wenn man einen hat, kommt schnell ein zweiter hinzu. Ich habe inzwischen sechs und wollte ursprünglich nur einen Zweithund", lacht Züchterin von Liebenstein. Wenn „widrige Umstände einem nur ein oder zwei Corgis zu halten erlauben“, wie es im Handbuch der englischen Welsh Corgi League mitfühlend heißt, bedeutet doch jeder einzelne Corgi Lebensfreude. "Ich möchte keinen einzigen missen."

Silke Haas Mitarbeit Ruth von Liebenstein, Almut Rosenfelder

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