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TV-Kritik

"Das Sommerhaus der Stars": "Auge um Auge, Schwanz um Schwanz" - Elena und Mike gewinnen das Finale

Einlochen. Blasen. Saugen. Schlucken. Auf der Zielgeraden wechseln Psycho und Porno im Sekundentakt. Das Endspiel bietet tatsächlich so etwas wie Spannung. Und beim Wiedersehen kracht es gleich nochmal.

Von Ingo Scheel

"Das Sommerhaus der Stars": Elena und Mike gewinnen

Elena und Mike haben das Finale von "Das Sommerhaus der Stars" gewonnen

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Finale im "Sommerhaus der Stars" - und schon der minutenlange Höhepunkte-Einspieler ist von so psychotischer Tiefe, man möchte umgehend kalt duschen, Doppelkorn trinken, Baldrianpillen nehmen, oder am besten alles gleichzeitig. Willi Herrens Antlitz, Elenas Flappe, der Haarturm von Sabrina, das alles am frühen Morgen auf dem Gang zwischen Toilette, Duschkammer und Schlafkemenate. In Bang Kwang, Thailands härtestem Knast, dürfte es kurz nach dem Weckruf kaum schlimmer zugehen.

"Das Sommerhaus der Stars"-Finale

Der Unterschied zum Freizeitknast der Stars: Hier dürfen die Leute regelmäßig und paarweise auf die andere Seite der Mauer wechseln. Ganz harmonisch geht das im Falle von Johannes und Yeliz erwartungsgemäß nicht ab, im Gegenteil. Für Herrens Willi "die größte Enttäuschung seines Lebens" - und was hat der Kerl nicht schon alles mitgemacht? - für Kontrahentin Yeliz ein Aufruf zur Gewalt: "Ich habe so einen Hass auf den Willi, ich würde ihn am liebsten den Berg runterschubsen!"

Den darf die Gute schließlich selbst runterstaksen, zusammen mit Junker Johannes, der sich zumindest darüber freut, "Menschen geholfen und Halt gegeben" zu haben. Das ist natürlich auch eine Sichtweise. Dass das nicht lange vorhält, hört man allein schon an der Intonation des Geburtstagsliedes für Sabrina, so glasschneidend schief, man wünschte sich, die Gratulanten hätten vergessen, auf den Kalender zu schauen. Wer sich gerade noch das Blut aus den Ohren tupft, bekommt umgehend neues Backenfutter, der Dialog zwischen Jasmin und Sabrina einer der psychedelischsten aller Sommerhaus-Sendungen - und aller, die noch kommen. "Der Wurm muss dem Fisch schmecken, und nicht dem Angler", das sei, laut Jasmin, "der wichtigste Satz im Business". Eine Botschaft, die Sabrina kaum entschlüsseln konnte: "Ich will, dass alle meine Freunde sind", ihr frommer Wunsch zum Wiegenfeste. So ganz dürfte der sich am Ende wohl nicht mehr erfüllen.

Willi Herren und Jasmin erleben prä-finalen Interruptus

Was sich hingegen erfüllte, war des Zuschauers unausgesprochener Wunsch nach einem zügigen Abschluss dieser ganzen Chose, hatte RTL doch Finale und das Wiedersehen der Stars in eine überschaubare Doppelstunde gelegt und so tatsächlich für Tempo gesorgt. Zunächst einmal ging es für die Kombattanten in den Fatsuit. Vordergründig sollte hier im Schaumstoff-Anzug Wasser aufgesogen und ausgewrungen werden, tatsächlich aber erhofften sich die Spielmacher natürlich einiges an kruden Posen - und diese Hoffnungen sollten sich ebenfalls erfüllen. So wurde Elena zu Mikes "Entsafter", rammelte Roland der Steffi fast das Silikon kaputt, wurde aufeinander herumgerutscht, als gäbe es kein Morgen. Schnödes Ende der Wasserspiele: Willi und Jasmin erlebten einen prä-finalen Interruptus und mühten sich im Angesicht des Auszugs um Contenance: "Tolle Leute habe ich hier kennengelernt", so Willi Herren, "aber auch Dreckspack". Logische Schlussfolgerung: Willi will endlich heim.

Das verbliebene Sechserpack musste noch zwei Spielrunden durchstehen, bis die Sieger schließlich feststanden. Im Spiel "Einfach einlochen" mussten Fragen beantwortet und Kugeln in Vertiefungen bugsiert werden. Da ging es dann um Blasen, Schlucken, Saugen, um Zebras, Urinale und Konrad Adenauer. Ein derart abgedrehter Mix, der Elena schlussendlich an den Rand des Wahnsinns und ein Stück darüber hinausbrachte, oder um es mit ihren an Mike gerichteten Worten zu sagen: "Ich kann nicht mehr, du Scheisswichser."

Nach dem Finale direkt das Wiedersehen

Am Ende dürften es wohl auch die gewonnenen 50.000 Euro sein, die Elena und Mike ein wenig über ihre angerüttelte Beziehung hinwegtrösten. Denn nachdem Thomas und Sabrina beim Bällespiel den Kürzesten zogen, versagten Steffi und Roland im Finale derart knapp, derart unglücklich in einem - man muss es zugeben -  wirklich spannenden Schlussspiel, bei dem der Fahrer mit Augenbinde nur nach Kommando vom Beifahrersitz aus einen PKW rückwärts einparken musste, die Nerven. Und so ganz sollten die sich auch beim anschließenden Come-together noch nicht wieder beruhigen, denn während etwa im Dschungelcamp-Baumhaus immer irgendwie Frieden geschlossen wird, war auf der großen Sofaecke bei Moderatorin Angela Finger-Erben noch längst nicht wieder alles im Lot.

Willi Herren und Jasmin Herren

Willi Herren und Jasmin Herren hatten beim Wiedersehen nach dem Finale wenig zu lachen

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Zwischen Roland und dem Siegerpaar zündeten die verbalen Böller kaum, dass man Platz genommen hatte, und auch der Rest wurde retrospektiv durchrotiert. Im Zusammenschnitt ergoss sich noch einmal der ganze Wendler-Wahn in die Wohnzimmer, und während Laura das alles "nicht so schlimm" fand, mahnte der Wendler, tatsächlich mit etwas Wasser in den Augen, man solle es "mit Humor nehmen". Derlei frommes Ansinnen gilt natürlich auch für den Rest dieses wahnwitzigen Wiedersehens, bei dem Angela Finger-Erben derart souverän den Überblick behielt, dass man sie für die kommende Wahlsendung aus Thüringen durchaus einmal in Betracht ziehen könnte.

Sommerhaus der Stars: Willi und Johannes streiten

Alles in Schutt und Asche

Das Ganze angesichts einer Armada von Anwürfen: Da unterstellte Sabrina dem frisch von Kate getrennten Benjamin, er sei womöglich doch eher auf der Suche nach einem männlichen Partner. Warf Jasmin ihr im Gegenzug vor, sie wolle dem Willi nur die Stange halten, wetterte Kate so hart gegen Sabrina, dass man kurz meinte, sie versöhnt sich flugs wieder mit ihrem Ex. Derart friedenstiftende Anflüge vergingen jedoch binnen Sekunden, am Ende lag hier alles in Schutt und Asche, hieß es jeder gegen jeden, Elena gegen Roland, Willi gegen Johannes, umgekehrt, das Ganze, natürlich auch, Steffi wohl auch gegen irgendwen und selbst der sonst rundum gechillte Mike köchelte mit einiger Aufregung unter dem frisch geschorenen Scheitel.

Ganz ruhig blieb es nur in der Ecke, in der Menowin mit schweißnasser Stirn und geweiteten Augen saß. Darauf angesprochen brach schließlich aus ihm die Erkenntnis überhaupt heraus: "Krass, was 50 Mille aus Menschen machen können!" Schnappte sich seine Gattin, verteilte hastig ein paar Umarmungen und verließ die Sendung stante pede unter den erstaunten Blicken seiner einstigen Mitbewohner. Die wiederum beantworteten die Schlussfrage, ob sie das alles nochmal machen würden, fast durch die Bank mit 'Ja', nur einer sah es anders. "Nie wieder", entfuhr es Willi Herren. Beinah schade, möchte man meinen.

Scherz.