Adient ist weder ein Edelstein noch eine Mathe-Formel. Man kann darauf sitzen. Genauer gesagt auf den Produkten dieser Firma: Adient ist einer der weltweit größten Hersteller von Autositzen. Ein irischer Konzern mit mehr als 80.000 Beschäftigten rund um den Globus, an der New Yorker Börse gelistet. Und: dieses Jahr auf Platz 1 der besten Arbeitgeber Deutschlands – für Frauen. Was steckt hinter diesem Votum?
Zum siebten Mal in Folge haben die Hamburger Marktforscher von Statista für den stern die besten Arbeitgeber Deutschlands gesucht. In das größte Ranking seiner Art gingen Antworten von rund 20.000 Befragten ein, wurden Einschätzungen für 650 Unternehmen ausgewertet. Rund 11.000 Antworten kamen diesmal von weiblichen Beschäftigten.
Es zeigt sich: Frauen setzen andere Akzente bei der Bewertung ihrer Arbeitgeber als ihre männlichen Kollegen. Neben Jobsicherheit sind das: kurze Fahrzeiten zum Arbeitsplatz und die Möglichkeit, ihr Wissen und Können einbringen zu können. Diese Ergebnisse decken sich mit einer Studie aus dem vergangenen Jahr, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführt hat (5000 Befragte).
Was Frauen bei Arbeitgebern besonders wichtig ist
Es sind die Präferenzen der Frauen, die Platz 2 im diesjährigen stern-Ranking ein Stück weit erklären: den Hamburger Personaldienstleister Pluss. Seit 1984 vermittelt Pluss Mitarbeitende, typischerweise auf Zeit. Dabei konzentriert man sich auf medizinische und pflegerische Fachkräfte sowie auf Bildung und Soziales – vergleichsweise krisensicher, aber häufig, etwa in öffentlichen Betrieben, unter hoher Arbeitsbelastung. Pluss hingegen verspricht seinem Personal die Förderung betrieblicher Gesundheit, berufliche Weiterentwicklung und die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben – bis hin zu Work-and- Travel-Programmen: Einsätzen auf Zeit in ganz Deutschland. Das Gesamtpaket kommt insbesondere bei weiblichen Beschäftigten offenbar gut an. Das Hamburger Unternehmen gehört mittlerweile zum belgischen Personalvermittlungskonzern House of HR.
Neben überraschenden Aufsteigern wie Adient und Pluss zeigen die Daten des neuen stern-Rankings jene Branchen und Firmen, die bei Frauen fast schon traditionell hoch angesehene Arbeitgeber sind: Versicherungswirtschaft (Gothaer, Provinzial, BGV Badische), Pharmaindustrie (Boehringer, Sartorius, Octapharma) und IT-Dienstleistungen, wo sich neben den US-Größen Microsoft und Google auch heimische Spezialisten wie Adesso, Komsa und Cancom gut bewertet finden. Es sind Branchen, in denen spezielles Fachwissen und Können besonders gefragt sind, die also den Wünschen von Arbeitnehmerinnen besonders entsprechen – gute Verdienstmöglichkeiten auch ohne Führungskarriere inklusive.
Gut bewerten weibliche Beschäftigte auch die Arbeit bei großen Lifestyle-Marken wie etwa Radisson, Adidas und Jack Wolfskin. Auch Firmen der Nahrungsmittelindustrie finden sich auf vorderen Plätzen: Coca-Cola, Danone und Aryzta, Europas Marktführer für Tiefkühlbackwaren mit Sitz in Lutherstadt Eisleben.
Umgang mit Krisen
Ob vereinzelte Beschwerden, die sich im Netz über die Führung bei Adient finden, eher von männlichen Beschäftigten stammen, ist wegen deren Anonymisierung nicht bekannt. Sicher ist, dass man in der Wahrnehmung des weiblichen Personals, unter allen Beschäftigten dort eine Minderheit, einiges richtig gemacht haben muss. Zwölf Standorte betreibt das Unternehmen in Deutschland, inklusive Europa-Zentrale in Burscheid, 30 Kilometer nordöstlich von Köln. Und obwohl Adient potenziell Sitze an alle Hersteller der Welt liefert, wurden zuletzt Stellen gestrichen; wohl nicht zuletzt aufgrund der Absatzschwäche deutscher Autobauer. Ähnlich die Situation beim Reifenhersteller Goodyear Dunlop: Trotz Beschlüssen zu Werksschließungen nimmt das Traditionsunternehmen bei den weiblichen Beschäftigten Rang 5 im stern-Ranking ein.
Unter allen Befragten, also Männer inklusive, rangieren die Autozulieferer deutlich weiter hinten. Gründe für die bessere Bewertung durch Frauen könnten sein: ihr geringerer Anteil an den Belegschaften, weniger Betroffenheit von Jobabbau, mehr berufliche Alternativen oder auch gut ausgestattete Sozialpläne. Womöglich spielt auch das Abstraktionsvermögen eine Rolle: Branchen- und Konjunkturflauten nicht allein dem Arbeitgeber ankreiden, sondern grundsätzlich gute Arbeitsbedingungen würdigen oder das nachweisliche Bemühen darum.
Die folgenden 100 Unternehmen wurden von weiblichen Beschäftigten besonders positiv bewertet:
Transparenz
Die stern-Redaktion arbeitet nur mit Studienpartnern, die eine hohe Expertise haben. Statista ist als unabhängiges Marktforschungsinstitut für eine Vielzahl von Auftraggebern tätig. Die Neutralität der Datenerhebung und -analyse ist immer gewährleistet.
Keine Firma konnte sich um die Teilnahme an der Befragung bewerben oder die Aufnahme in die Liste beeinflussen. Über den Fragebogen und das Bewertungsschema hat die stern-Redaktion entschieden. Die Ausgezeichneten können für ihre Außendarstellung ein Siegel erwerben. Unter diesem Link finden Sie hierzu genauere Informationen.