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Im Auftrag von Scientology: Tom Cruise ließ Telefon von Nicole Kidman abhören

Kleiner Skandal beim sonst so friedlichen Sundance Filmfestival: Eine Dokumentation deckt auf, Hollywoodstar Tom Cruise habe seine Ex-Frau Nicole Kidman bespitzeln lassen. Für Scientology.

Von Frank Siering, Los Angeles

Tom Cruise zählt zu jenen Hollywoodstars, die jedem Reporter beim Interview direkt in die Augen schauen, ihn beim Vornamen nennen und so tun, als interessierten sie sich tatsächlich für die Frage, die ihnen da gerade gestellt wird.

Der Schauspieler kann aber auch anders - und das sorgt beim Sundance Filmfestival für einen handfesten Skandal: Der charmante und stets lächelnde Superstar soll seine Ex-Frau Nicole Kidman laut einem Dokumentarfilm ausspioniert haben – mit hinterlistigen Spitzelmethoden.

Die Doku "Going Clear: Scientology and the Prison of Belief" von Alex Gibney ist das derzeit heißeste Thema im eiskalten Utah. In dem Film kommen ehemalige Scientologen zu Wort, die behaupten, die Schauspielerin wäre von Sektenführen als "potentielle Gefahrenquelle" angesehen worden, vor allem als ihre Ehe mit Cruise in die Brüche ging.

Panzerschrank voller Druckmittel gegen Stars

Kidman sei bespitzelt worden und Cruise habe davon gewusst. In den 90er Jahren hat er der Doku zufolge der Sekte erlaubt, das Telefon seiner damaligen Frau abhören zu lassen.

Der Hintergrund der mutmaßlichen Spy-Gate à la Hollywood: Cruise und Sektenführer David Miscavige - Trauzeuge bei Cruise' späterer Hochzeit mit Katie Holmes - hätten herausfinden wollen, ob Kidman mit Außenstehenden über delikate Details von Cruise und dem Sektenleben plauderte. Die Aufzeichnungen seien an Miscavige weitergegeben worden, der diese in seinem privaten Panzerschrank aufbewahren soll. Auch gegen andere Prominente würden mögliche Druckmittel in diesem Schrank gehortet.

Damit aber nicht genug: Die Dokumentation behauptet weiter, die Sekte habe die beiden Adoptivkinder von Cruise und Kidman "umerzogen" und gegen die Mutter ausgespielt.

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Unter der Fuchtel des Scientology-Chefs

Die Katholikin Kidman galt von Anfang an als eine Gegnerin der mächtigen Sekte, zumal ihr (mittlerweile verstorbener) Vater ein Psychologe war - ein Berufsstand, den die von Ron Hubbard gegründete Sekte verabscheut.

Aber nicht nur Kidman, sondern auch Cruise selbst scheint nach den Informationen von ehemaligen Scientologen, die in der Doku zu Wort kommen, mächtig unter der Fuchtel von Scientology-Chef Miscavage gestanden zu haben. So habe sich Cruise nach der Scheidung von Kidman unzähligen "Auditing Sessions" unterziehen müssen, die ihn wieder in die Marschroute der Sekte eingestimmt hätten. Cruise erhielt später die "Freedom Medal of Valor" von der Sekte, die seine Rolle als einen der wichtigsten Rekrutierer für Scientology würdigt. Angeblich habe er Hubbards Lehren mehr als einer Milliarde Menschen nähergebracht.

Scientology wehrt sich gegen "fabrizierte Anschuldigungen"

Weder Cruise noch Kidman – und auch nicht der Scientologe John Travolta, der ebenfalls in dem Film kritisiert wird – ließen sich für die Dokumentation interviewen.

Scientology selbst meldete sich allerdings kurz nach der ersten Vorführung des Films zu Wort. In einer Pressemitteilung heißt es: "Die Anschuldigungen in dem Film sind falsch und fabriziert. Die Kirche bekennt sich zu freier Meinungsäußerung. Das heißt allerdings nicht, dass Falschinformationen verbreitet werden dürfen." Darüber hinaus habe Filmemacher Gibney einzig "verärgerte ehemalige Kirchenmitglieder als seine Quelle für diesen Film genutzt".

Bislang gibt es noch keinerlei Reaktion von Nicole Kidman zu den Abhör-Vorwürfen. Allerdings erklärte die Oscar-Gewinnerin unlängst, in ihrer jetzigen Ehe mit dem Country-Barden Keith Urban "so glücklich wie nie zuvor zu sein". Ist Strahlemann Cruise hinter verschlossenen Türen also doch anders, als er bei Presseterminen gerne vorgibt?

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