VG-Wort Pixel

Vornamen sind wichtig Wie wir unsere Twitter-Freunde auswählen


Namen sind Schall und Rauch? Von wegen: Auf Twitter folgen wir offenbar häufiger Nutzern, die so heißen wie wir selbst. Psychologen vermuten, dass dieses Verhalten unser Selbstwertgefühl stärken soll.
Von Lydia Klöckner

Alexander ist bei Lehrern grundsätzlich beliebter als Kevin, Katharina gilt als intelligent und Sylvia als spießig. Dass Namen unsere Wahrnehmung von Menschen beeinflussen, ist lange bekannt und wissenschaftlich belegt. Einige Psychologen gehen sogar davon aus, dass man sich eher für einen Job entscheidet, wenn der Name der Firma mit dem gleichen Buchstaben beginnt wie der eigene: Herr Schneider geht zu Siemens, Frau Tschaikowski lieber zu ThyssenKrupp. Auch bei der Auswahl von Produkten oder Städten scheint der sogenannte "Name-Letter-Effekt" eine Rolle zu spielen: Martin kauft lieber Mars als Twix, und Birgit zieht eher nach Berlin als nach München.

Einer neuen Studie zufolge existiert ein ähnliches Phänomen sogar in zwischenmenschlichen Beziehungen: Twitter-Nutzer scheinen sich häufiger mit Usern zu vernetzen, die den gleichen Vornamen tragen. Vor allem bei Frauen sei die Präferenz auffällig, berichtet das Forscherteam um Farshad Kooti von der University of Southern California in Marina Del Ray auf der Wissenschafts-Plattform arxiv.org.

Die Wissenschaftler untersuchten Daten von 52 Millionen Twitter-Nutzern, die seit mindestens fünf Jahren bei dem Netzwerk angemeldet sind. So erhielten sie einen Überblick über insgesamt rund 1,9 Milliarden User-zu-User-Verbindungen. Um nicht alle Namen des riesigen Netzwerks analysieren zu müssen, fokussierten sie sich auf die fünf beliebtesten amerikanischen Vornamen: Sie werteten die digitalen Bekanntschaften aller Michaels, Johns, Davids, Chris und Brians aus. Dabei zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Vernetzung zwischen zwei gleich heißenden Menschen um etwa 30 Prozent höher ist als die Forscher auf Grundlage statistischer Berechnungen erwartet hatten.

Nun könnte man einwenden, dass Menschen mit gleichem Namen häufig auch andere Gemeinsamkeiten haben, die eine Freundschaft begünstigen, wie etwa Geschlecht, Alter oder Ethnizität. Doch diese "störenden" Einflussfaktoren hatten die Wissenschaftler berücksichtigt und bereits im Vorfeld herausgerechnet. "Wir sehen eindeutig einen robusten Effekt", schlussfolgern sie. "Michaels vernetzen sich zum Beispiel eher mit Michaels als mit Johns."

Chris ist nicht unbedingt Cola-Fan

Die Ursache kennen sie nicht. Psychologen vermuten, dass sogenannter "impliziter Egoismus" dahintersteckt: Indem man sich mit jemandem vernetzt, der so heißt wie man selbst, stabilisiere man sein Ich und sein Selbstwertgefühl, so die Theorie hinter dem Name-Letter-Effekt.

Für Marken- oder Firmennamen scheint das allerdings nicht zu gelten: Im Twitter-Netzwerk von Coca Cola fanden die Wissenschaftler nicht deutlich mehr Menschen mit dem Namen Chris als unter den Pepsi-Followern. "Die Ergebnisse deuten daraufhin, dass der Name-Letter-Effekt nur in einigen Fällen existiert und sich für Firmennamen nicht generalisieren lässt", so Kooti und seine Mitarbeiter.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker