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Französischer Diplomat: Vatikan will keinen schwulen Botschafter im Land

Der Heilige Stuhl akzeptiert einen französischen Diplomaten nicht als Botschafter - offenbar wegen dessen sexueller Orientierung. Er wäre nicht der erste, der an der homophoben Lobby scheitert.

Von Finn Rütten

Laurent Stefanini: Seine sexuelle Ausrichtung scheint beim Vatikan für Misstrauen in seine diplomatischen Fähigkeiten zu sorgen

Laurent Stefanini: Seine sexuelle Ausrichtung scheint beim Vatikan für Misstrauen in seine diplomatischen Fähigkeiten zu sorgen

Mit den Worten "Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, ihn zu verurteilen?" hatte Papst Franziskus zumindest eine kleine Hoffnung auf ein Umdenken in der katholischen Kirche aufkommen lassen. Nun hat er die Möglichkeit, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen. Bislang sieht es allerdings nicht danach aus.

Bereits im Januar ernannte der französische Ministerrat Laurent Stefanini zum neuen Botschafter im Vatikan. Die Bestätigung durch den Zwergenstaat steht allerdings noch aus, und das obwohl der Posten seit dem 1. März unbesetzt ist. Brisant ist die Personalie vor dem Hintergrund der recht eingestaubten Weltanschauungen im Vatikan allemal, denn Laurent Stefanini ist schwul. Und wie der Großteil der zumeist älteren Herren in der Enklave in Rom zu Homosexuellen steht, ist hinlänglich bekannt. Das finale Entscheidungsrecht über solche Fragen liegt jedoch beim Papst.

Bereits früher schwule Botschafter abgelehnt

Einem Bericht des französischen "Journal du Dimanche" zufolge soll sich der Papst höchstpersönlich gegen den schwulen Botschafter entschieden haben. Das wurde jedoch nicht bestätigt. Generell hüllt sich der Vatikan, wie so oft, schlichtweg in Schweigen. Man scheint das "Problem" einfach aussitzen zu wollen. Dabei ist Stefanini praktizierender Katholik und gilt als Religionskenner.

Die These, dass das Ausbleiben der Bestätigung mit seiner sexuellen Orientierung zu tun haben dürfte, scheint nicht allzu gewagt. Zumal es 2008 einen ähnlichen Fall gegeben hat: Auch damals schlug Frankreich einen schwulen Botschafter für den Vatikan vor. Der Heilige Stuhl, damals noch unter Führung von Papst Benedikt XVI., der vormals als Kardinal Ratzinger Homosexualität als "Anomalie" verurteilt hatte, lehnte damals ab. Die offizielle Begründung bezog sich jedoch nicht auf dessen sexuelle Orientierung, sondern auf ein Problem mit seinem "persönlichen Profil". Auch Kandidaten anderer Staaten, die geschieden oder wiederverheiratet waren, scheiterten bereits am Veto des Vatikan.

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