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Machtkampf bei Volkswagen Wen hievt Piëch auf den VW-Thron?


Konzern-Patriarch Piëch schießt seinen eigenen Nachfolger sturmreif und will Martin Winterkorn als Aufsichtsratschef verhindern. Welcher Kronprinz wird das Erbe antreten? Es gibt drei Favoriten.

Mit nur einem Satz hat Ferdinand Piëch den zuvor fast allmächtigen Martin Winterkorn zur Disposition gestellt. VW-Chef Winterkorn sammelt seine Getreuen, darunter den Betriebsratschef Bernd Osterloh, der immerhin die Hälfte der Stimmen im Aufsichtsrat kontrolliert, um sich, aber damit ist der Angriff der Volkswagen-Eminenz Ferdinand Piëch noch lange nicht abgewehrt. Der Piëch-Biograf Wolfgang Fürweger sagte zum Abrücken des 77-Jährigen vom Konzernchef: "Das strategische Ziel ist sicherlich, zu verhindern, dass Winterkorn der nächste VW-Patriarch wird."

Sollte Martin Winterkorn Piëch nicht als Vorsitzenden des Aufsichtsrats beerben, müssen bei VW zwei Top-Positionen neu besetzt werden, nämlich die von Piëch und Winterkorn. Seine Wunschkandidaten hat Piëch nicht benannt, aber er gab einen deutlichen Hinweis, der den Kreis einengt. Piëch sagte dem "Spiegel": "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen." Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen, eine Entscheidung falle aber erst 2017, "kurz vor meinem Ausscheiden". Doch zumindest für Winterkorns Posten müsste es schneller gehen: Ende 2016 läuft sein Vertrag aus - und ein Nachfolger muss üblicherweise Monate im Voraus feststehen.

Drei Topkandidaten

An möglichen Nachfolgern für die VW-Konzernspitze mangelt es nicht: Mit dem früheren Daimler-Vorstand Andreas Renschler und Ex-BMW-Entwicklungschef Herbert Diess lotste der Konzern - und wohl nicht zuletzt Piëch - jüngst zwei absolute Top-Kräfte der Branche nach Wolfsburg. Beiden war bei ihren alten Arbeitgebern der Sprung an die Konzernspitze verwehrt geblieben - ihnen fehlt aber VW-Erfahrung.

Die hat Porsche-Chef

Matthias Müller

, der sich jahrelang als Produktplaner im Konzern einen Namen gemacht hat. Der 61-jährige Müller gilt als besonnener, aber zupackender Manager, der auch Kante zeigen kann. Er arbeitet seit Jahren eng mit Winterkorn zusammen. In der Branche genießt er den Ruf eines exzellenten Produktstrategen und wird als einer der wichtigsten Männer im VW-Konzern gesehen.

Konzern ist für Überraschungen gut

Die Nachfolge-Spekulationen schürte er zuletzt sogar selbst: Er schließe nichts aus und sei für nichts zu alt, sagte der gelernte Werkzeugmacher und Informatiker vor einem Monat. Grundsätzlich brauche VW aber einen Generationenwechsel. Der in Chemnitz geborene und in Bayern aufgewachsene Manager kennt nicht nur den Sport- und Geländewagenbauer Porsche, sondern weiß auch, wie Audi und VW in ihren Produktplanungen ticken. Noch im Januar hatte das anders geklungen: "Ich bin kein potenzieller Nachfolger für Herrn Dr. Winterkorn." Er sei zu alt für den Job.

Auch Skoda-Chef

Winfried Vahland

und der Chefentwickler von Volkswagen-Pkw,

Heinz-Jakob Neußer

werden als Kronprinzen gehandelt. Außerdem will der oberste VW-Betriebsrat Bernd Osterloh eine ganze Reihe weiterer Talente in der zweiten Reihe ausgemacht haben. Winterkorn sieht das auch so. Er sagte dem stern vor Kurzem auf die Frage, ob unter seinen 50 bis 60 Topmanagern denn einer seinen Vorstandsjob genauso gut könne: "Da sind mehrere dabei, die den Job genauso gut könnten."

Gernot Kramper mit Agenturen

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