Abgabenfalle Das gilt bei Mini- und Midi-Jobs


Heute ist es leichter als je zuvor, die Haushaltskasse mit Nebenjobs aufzubessern. So jonglieren nicht wenig Haushalte mit Mini- und Mido-Jobs. Doch welche Zuverdienstgrenzen gelten, wann drohen Abzüge? Wir sagen, worauf es ankommt.
Von Midia Nuri

In die Abgabenfalle tappte früher schnell, wer seinen Lebensunterhalt mit einem Nebenjob oder einer geringfügigen Beschäftigung aufbessern wollte. Wenn der Jobber über das Jahr gerechnet auch nur einen Cent zuviel verdient hatte, schnappte diese kraftvoll zu. Um netto dann noch etwas von dem Mehrverdienst zu haben, musste er gleich erheblich mehr verdienen.

Abgabenfalle ist passé

Diese Abgabenfalle gibt es so nicht mehr. Mit den so genannten Hartz-Gesetzen führte die damalige rot-grüne Bundesregierung zum April 2003 die Minijobs ein - und auch die gern als Midijobs bezeichnete "Beschäftigung in der Gleitzone". Seither ist es leichter, sein Einkommen mit Nebenjobs oder kurzfristigen Beschäftigungen aufzubessern. Doch nicht jede Beschäftigungsform aus Mini-, Midijob und Co. eignet sich für jede Lebenslage.

Ob mini, midi oder voll - Arbeitgeber haben gegenüber ihren Mitarbeitern eine Reihe von arbeitsrechtlichen Pflichten zu erfüllen. Dies gilt auch für Minijobber, zumindest theoretisch. Ihre Ansprüche entstehen, wie bei Teilzeittätigkeiten üblich, anteilig - bei einer halben Stelle also beispielsweise der halbe Anspruch.

Geringfügiger Job - volles Arbeitsrecht

So muss der Arbeitgeber beispielsweise den Lohn fortzahlen, wenn der Arbeitnehmer krank wird. Für Schwangere gelten die Regelungen des Mutterschutzes. In den Mutterschutzfristen erhält auch sie die übliche Lohnfortzahlung. Minijobber erarbeiten sich darüber hinaus auch Anspruch auf bezahlten Urlaub, mindestens im gesetzlich vorgeschriebenen Umfang, also vier Wochen.

Auch die Kündigungsfristen gelten für Minijobber. Vereinbart er mit seinem Arbeitgeber nichts anderes, greift die Kündigungsfrist von vier Wochen zum 15. des Monats oder dem Monatsende.

Was ist mit den Sozialabgaben?

Mit den Minijobs führte die damalige Bundesregierung die Minijobzentrale ein, die zur Bundesknappschaft gehört. Dort meldet der Arbeitgeber - Unternehmen ebenso wie Privathaushalte - seinen geringfügig Beschäftigten seither an und entrichtet auch die für Minijobber fälligen Pauschalbeiträge: 13 Prozent für die Krankenkasse, 15 Prozent für die Rentenversicherung sowie zwei Prozent Lohnsteuerpauschale. Die Pauschsteuer kann der Arbeitgeber auf den Jobber abwälzen - den Rest, also mindestens 28 Prozent muss er selbst bezahlen. Private Arbeitgeber zahlen für ihre minijobbenden Babysitter oder Putzfrauen mit 13,7 Prozent pauschalen Abgaben eine deutlich niedrigere Pauschale. Zur Zeit sind hierzulande rund 6,7 Millionen Minijobber tätig, davon rund 200.000 in Privathaushalten, berichtet die Minijobzentrale der Bundesknappschaft Bahn See in Essen.

Ansprüche an die Sozialversicherung erwerben Minijobber durch die für sie gezahlten pauschalen Beiträge aber nicht. Lediglich die Unfallversicherung tritt bei Arbeitsunfällen oder berufsbedingter Erkrankung für sie ein. Freiwillig können Minijobber aber den Beitrag auf die derzeit fälligen Rentenbeiträge von 19,9 Prozent aufstocken - also die fehlenden 4,9 Prozent beziehungsweise in Privathaushalten 14,9 Prozent aus eigener Tasche hinzutun. So erwerben sie zumindest geringe Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung und die nötigen zeitlichen Anwartschaften. 250.000 Minijobber stocken nach Angaben der Minijobzentrale derzeit ihre Rentenbeiträge auf. Hierfür reicht eine Mitteilung an den Arbeitgeber. Diese ist für das betreffende Jobverhältnis bis zum Vertragsende nicht widerrufbar.

Welche Zuverdienstgrenzen gelten?

Grundsätzlich eignen sich Minijobs für jeden: Wer bereits einen Voll- oder Teilzeitjob hat, kann sich so brutto für netto etwas dazuverdienen. Der erste Minijob ist dabei für Angestellte wie Selbstständige steuerfrei - unabhängig davon, wie viel der Hauptjob einbringt. Erst den zweiten Minijob müssen Erwerbstätige zum regulären Steuersatz versteuern. Analog gilt das auch für Hausfrauen, die mit ihrem Ehemann steuerlich gemeinsam veranlagt werden und der in einem regulären Teilzeitjob bei einer schlechten Lohnsteuerklasse hohe Beträge abgezogen würden.

Auch Schüler, Studenten oder Rentner können mit einem Minijob ohne Abzüge ihr Budget aufbessern. Wessen Eltern noch Kindergeld oder einen steuerlichen Kindergeldausgleich bekommen, darf bis zu 7688 Euro jährlich verdienen - zuzüglich Werbekostenpauschale sind das 8600 Euro pro Jahr. Wer mehr verdient, für den bekommen die Eltern den Zuschuss gestrichen. Ärgerlich, wenn der Student oder Schüler nur wenige Euro über der Grenze lag. Immerhin liegt das Kindergeld derzeit bei 1848 Euro. Auch der steuerliche Ausbildungsfreibetrag entfällt ab einem Einkommen von 1848 Euro jährlich. Wer Bafög bekommt, darf bis zu 4206 Euro jährlich hinzuverdienen, monatlich also bis zu 350,55 Euro. Alles was darüber liegt, wird auf das Bafög angerechnet - es gibt also weniger Unterstützung.

Wem drohen Abzüge?

Arbeitssuchende mit Minijob müssen darauf achten, nicht mehr als 15 Stunden wöchentlich zu arbeiten. Sonst betrachtet die Arbeitsagentur den Job nicht mehr als geringfügig. Auch Rentner unter 65 Jahren sowie Erwerbsunfähigkeitsrentner dürfen seit kurzem 400 Euro statt der bis Ende vergangenen Jahres möglichen 355 Euro hinzuverdienen, ohne sie auf die Rente angerechnet zu bekommen.

Hohe Abzüge für ALG-II-Bezieher

Schlecht sieht es in Sachen Zuverdienst allerdings gerade für die Ärmsten aus. Empfänger von Arbeitslosengeld II (ALG II) dürfen nur 100 Euro ungeschmälert hinzuverdienen. Von jedem weiteren Euro werden ihnen 80 Prozent vom ALG II abgezogen - von 400 Euro blieben ihnen also gerade mal 160 Euro. Das gilt auch für die Kinder von Beitragsempfängern. Auch ihr Zusatzverdienst schmälert die Hilfeleistung für die Familie.

Was gilt für Midijobs?

Im Gegensatz zu früher ist es heute kein Problem mehr, mehrere geringfügige Beschäftigungsverhältnisse miteinander zu kombinieren. Solange der Jobber nicht mehr verdient als 400 Euro monatlich, fällt lediglich die pauschale Steuer und Abgabe für den oder die Minijobs an. Wer an bis zu zwei Monaten im Jahr unvorhergesehen die Verdienstgrenze überschreitet, wird deswegen noch nicht versicherungspflichtig. Wobei Lohnbestandteile wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zu den vorhersehbaren Posten zählen und bei der Verdienstgrenze durchaus zählen, während ein erhöhter Arbeitseinsatz wegen Mitarbeiterausfällen oder ein zusätzlich angenommener Ferienjob nicht zur Versicherungspflicht führen.

Mit dem Midijob in die Gleitzone

Wer mit einem oder mehreren Minijobs oder in einem regulären Beschäftigungsverhältnis auf ein Monatseinkommen von mehr als 400 Euro aber maximal 800 Euro kommt, der schippert in die so genannte Gleitzone. Die soll verhindern, dass der Jobber gleich mit der vollen Abgabenlast fürs Arbeiten bestraft wird. Jobs in dieser Gleitzone werden gern auch als Midijobs bezeichnet.

Der Name Midijob steht nirgendwo. Einen Midijob erkennt der Jobber ausschließlich am Durchschnittsverdienst von 401 bis 800 Euro monatlich. In dieser Gleitzone steigt die Abgabenlast langsam stufenweise auf den vollen Satz - beginnend bei rund vier Prozent auf die regulären etwa 21 Prozent, je nach Höhe des Krankenversicherungsbeitrags. Kommen Jobber mit mehreren Minijobs über die Grenze von 400 Euro, fallen die - in der Gleitzone bis 800 Euro geminderten - Steuern und Sozialbeiträge für alle Jobs gebündelt an. Bei einem Midijob ist der Jobber verpflichtet, seine Lohnsteuerkarte beim Arbeitgeber abzugeben - bei Minijobs kann er dies freiwillig tun - oder lassen.

Sozialversicherungsanspruch

Der Vorteil der Midijobs ist, dass der Beschäftigte Ansprüche aus der Sozialversicherung erwirtschaftet. Von der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung erhält der Midijobber die volle Leistung wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder auch etwa Mutterschaftsgeld. Die Rentenansprüche sind durch die geminderten Beiträge entsprechend kleiner. Auch dem Arbeitgeber lässt sich die Aufstockung schmackhaft machen: Er zahlt mit 30 Prozent Abgaben für Minijobber anteilig mehr, als für regulär Beschäftigte.

Was ist mit selbstständiger oder gemeinnütziger Arbeit?

Wer nebenbei selbstständig oder freiberuflich tätig wird, beispielsweise als Übersetzer, Texter oder mit Büroservices, der steht in keinem Angestelltenverhältnis. Und ist somit voll selbst verantwortlich dafür, sich abzusichern und Steuern zu zahlen. Wer mehr als 7664 Euro jährlich verdient, ist verpflichtet, eine jährliche Einkommensteuererklärung abzugeben - regulär jeweils zum 31. Mai des Folgejahres.

Ob als Angestellter oder Selbstständige - für bestimmte Nebentägkeiten gibt es als Steuerfreibetrag die so genannte Übungsleiterpauschale. Sie lag bis einschließlich 2006 bei 1848 Euro jährlich und stieg 2007 auf 2100 Euro pro Jahr. Wer bis zu dieser Einkommensgrenze als Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder etwa als Übungsleiter im künstlerischen, sportlichen kirchlichen oder sonstigen als gemeinnützig anerkannten Bereich tätig ist, zahlt hierauf grundsätzlich keine Steuern. Diese erhöht die Verdienstgrenze unter dem Strich.


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